Beiträge von Fachfremder

    Ich glaube nicht, dass es da einen Systemunterschied gibt, es handelt sich im Vergleich zum Rest des Landes um einen relativ dicht besiedelten Raum, wo auch entsprechend viele potentielle Spielerinnen heimisch sind. Zudem haben die auch schon in jüngeren Jahren mehr Möglichkeiten, sich eine passende Mannschaft oder einen passenden Verein zu suchen. Auf dem "platten" Land kann es eher passieren, dass eine talentierte Spielerin kein geeignetes Umfeld findet und dann mit dem Sport aufhört. Gar nicht zu reden, von talentierten Sportlerinnen, die gar nicht erst mit dem Handball anfangen. Daneben kann ich dann auch noch in der C- und B-Jugend zu einem anderen Verein wechseln. Die Hallen von Nellingen und Stuttgart/Metzingen (in Stuttgart) sind sogar durch eine U-Bahn verbunden, da wechseln auch Spielerinnen sowohl in die eine als auch die andere Richtung.

    Nochmals: Ohne ausreichend breite Basis und die Gewinnung möglichst vieler Mädchen für den Sport, ist alles nicht nachhaltig.

    HSGW : Du sagst es, auf den familiären Zusammenhang hatte ich an anderen Stelle schon hingewiesen. Es ist einfach so, dass insbesondere die im Bereich des HVW in den letzten Jahren sehr erfolgreichen Jahrgängen nicht selten eine solche Konstellation aufwiesen. Deshalb haben auch Nordischbynature und andere Foristen Recht, die darauf hinweisen, dass man sich die ganze Elitenförderung schenken kann, wenn man nicht die Basis so stärkt, und zwar auch in der Breite, dass daraus genug Spitze entstehen kann. Denn eines dürfte ja feststehen: Offensichtlich gelingt es mit dem richtigen Trainer auch einen vernünftigen Jahrgang zu entwickeln.

    HSGW : Ich weiß auch nicht, was das soll mit der vergessenen Quali. Bereits qualifiziert waren Stuttgart/Metzingen, Göppingen, Kappelwindeck/Steinbach und Ketsch. Dazu gekommen sind Nellingen, Allensbach, Leonberg/Eltingen und Kornwestheim. Im Prinzip also 6 der "üblichen Verdächtigen" und zwei (Leonberg/Eltingen und Kornwestheim) mit bekannt starken Jahrgängen, die seit der C-Jugend immer oben mit dabei sind. Freiburg fehlt tatsächlich, ob die sich qualifiziert hätten, steht aber in den Sternen. Ich denke, dass die BWOL die tatsächlich stärksten Mannschaften umfasst.

    mmh... Metzingen/Stgt. Kickers: dass es einen Zusammenschluß von zwei so großen Vereinen braucht, um in der Jugend noch mitspielen zu können, ist schon irgendwo traurig. Die Ergebnisse bislang doch eher auch. Aber das ist ja noch jung und braucht vielleicht ein paar Jahre, bis es Früchte trägt.

    Warum sind die Ergebnisse traurig? Die haben zwar die Quali zur Jugendbundesliga verpasst, haben aber die A-Jugend BWOL gewonnen, sind quasi mit der A-Jugend als Frauen 2 in der Frauen-BWOL 2. geworden und in die 3. Liga aufgestiegen und nebenbei noch mit A- und teilweise B-Jugendlichen mit der 3. Frauenmannschaft in die Verbandsliga aufgestiegen. Den Unterbau hat nächstes Jahr weder Bietigheim noch Neckarsulm. Die wären froh über derart "traurige" Ergebnisse.

    Es ist halt so, dass man von der 1% Strafzahlung keine wirklich fundierte Jugendabteilung und 2. Mannschaft finanzieren kann, so dass viele Vereine das Geld lieber in den Kader des Bundesligateams investieren. Zudem braucht man für eine veritable Jugendarbeit auch entsprechende Strukturen und (ehrenamtliche) Helfer. Etwas erreichen würde man allenfalls, wenn man Mannschaften nicht zum Spielbetrieb in höheren Ligen zulässt, wenn die nicht bestimmte Mindestanforderungen an den Unterhalt einer eigenen Jugend erfüllen. Hie in Württemberg gibt und gab es Vereine aus BWOL und 3. Liga, bei denen die Jugendmannschaften auf Bezirksebene rumdümpeln. Diese Vereine leben ausschließlich von der Jugendarbeit anderer Vereine. Wozu würde ein solches System aber führen? Es wäre weniger Geld da, auch für ausländische Spielerinnen und auf internationaler Ebene wären die deutschen Vereine nicht mehr im Ansatz konkurrenzfähig. Problematisch würde es zudem, wenn man das System auf weitere Ligen ausweitet, weil es insgesamt immer weniger Spielerinnen und Mannschaften gibt. Wenn hier nicht massiv entgegengewirkt wird, fehlt es sehr bald ohnehin an einer Basis, auf der überhaupt ausreichend qualifizierte Spielerinnen entwickelt werden können.

    Echt witzig der DHB. So wie es mit den Zahlen beim Nachwuchs aussieht, muss man über jede Frau froh sein, die auch nach der Mutterschaft weiter spielt, denn sonst sieht es irgendwann einmal dünn aus mit den Gegnern, an denen sich der Bundesliganachwuchs messen kann.

    Ich glaube, dass Südkorea nicht vergleichbar ist. Insbesondere wenn man betrachtet, dass die auch ein extremes Schulsystem haben, in dem es so etwas wie Freizeit nicht gibt:

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    Insoweit sind die Kinder und Jugendlichen da einfach gewohnt, alles einer Sache zu widmen. Und BR_98, du kennst ja selber Spielerinnen. Warum sollten die ans Limit gehen, um das Bestmögliche herauszuholen, wenn das Bestmögliche ihnen immer noch wenig bringt? Alles geben, um einen der wenigen Kaderplätze bei den CL-Teilnehmern zu ergattern, um wenigstens mal zeitweise ein halbwegs vernünftiges Einkommen zu erzielen? Dann doch lieber mit kalkuliertem Aufwand Bundesliga und nebenbei für die Zeit nach dem Handball arbeiten.

    Löwenherz: Ronaldo wollte darauf hinweisen, dass sich diese Möglichkeiten nicht aus der Rechts-, sondern der Spielordnung ergeben.

    Um auch noch in der Sache etwas beizutragen: Natürlich können bestimmte Dinge zu einer Wettbewerbsverzerrung führen, allerdings halte ich es für legitim, dass Bundesligisten alle zulässigen Mittel einsetzen, um ihre 2. Mannschaft in der 3. Liga zu halten, um dort den Nachwuchsspielerinnen auch in der Folgesaison wieder Spielpraxis gewähren zu können. Die Regeln zum nicht möglichen Festspielen von jüngeren Spielerinnen können ja in gleicher Weise zu Verzerrungen führen.

    Sie haben auf jeden Fall unterschiedliche Sponsoren. Und bei den Männern sind einer die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen, die auch die EgeTrans-Arena betreiben. Da liegt es nicht so fern, wenn man annimmt, dass als Teil des Sponsorings für die Männer bessere Konditionen gelten. Und übrigens, auch die Bietigheimer Herren spielen so ab und an noch in der Sporthalle als Viadukt:

    Offizielle Webseite der SG BBM Bietigheim - Spiele 1. Mannschaft Männer - SGBBM

    ST, irgendwie erinnerst du mich an den hier:

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    Man macht es in erster Linie aus Liebe zum Sport , nicht um später mal Mio zu verdienen .

    Wenn man später sein Hobby zum Beruf machen kann , umso besser !

    Wenn man es aus Liebe zum Sport macht, muss es aber nicht immer ganz oben sein. Zudem macht man bei den Rahmenbedingungen in D nicht sein Hobby zum Beruf, denn für eine Leistungshandballerin, auch im Jugendbereich, geht der Aufwand weit über ein "Hobby" hinaus, zudem wird es in den hiesigen Verhältnissen eher zum bezahlten Hobby. Weißt du eigentlich, wie viele Spielerinnen es gibt, die das Potential hätten, ein oder zwei Klassen höher zu spielen, das aber nicht tun, weil der Aufwand einfach zu groß ist? Selbstverständlich spielt da eine Rolle, ob da wenigstens etwas finanziell bei raus kommt. Und ihren Sport lieben sie trotzdem, sie ordnen ihm aber nicht einfach alles unter.

    Dein Wort in Gottes Ohr Siebenberger. Leider dürfte es auch vom Personal in den Leistungszentren abhängen, ob Defizite tatsächlich abgebaut werden. Da wird der DHB dann aber ordentlich die Geldschattulle aufmachen und einen Rekrutierungsprozess starten müssen. Bislang war das in den hiesigen Leistungszentren häufig eher ein Trauerspiel. Daneben hat man sich auch so Scherze geleistet, die Spielerinnen aus halb Württemberg wochentags in Ostfildern zusammenkommen zu lassen, um sie dann zentral in den Kraftraum zu schicken ...

    Es ist im Prinzip so, wie Nordischbynature schreibt, die im Gegensatz zu ST Ahnung hat und vor allen Dingen schon einige Karrieren beobachten durfte. Bereits jetzt wird im Bereich der Nachwuchsförderung negiert, dass es sich um einen Mannschaftssport handelt, der zudem auch Spaß machen sollte. Nicht umsonst sieht man bei der erfolgreichsten Nationalmannschaft der letzten Jahre, Norwegen, die Spielerinnen, die den meisten Spaß am Handball zu haben scheinen. Der kann nämlich bei der heutigen Förderung schnell verloren gehen. Mich erinnert das alles ein wenig an das Beispiel vom Gras, das nicht schneller wächst, wenn man daran zieht. Anders gefragt: Bringen wir keine Spielerin wie Henny Reistad hervor, weil es an gezielter Förderung fehlt oder liegt es daran, dass eine Henny Reistad in Deutschland möglicherweise gar nicht erst mit dem Handball angefangen hätte?