Hier mal eine Entwicklung der Wurfquote über die Zeit mit den beiden letzten Spielzeiten unter Gislason zu Beginn. Hinter dem Jahr erst noch die Platzierung in der Liga.
- 2017/18 (5. Platz): 62,28% (5. Platz), Top: SCM 65,02%
- 2018/19 (2. Platz): 64,63% (2. Platz), Top: SGF 65,71%
- 2019/20 (Meister): 65,17% (2. Platz), Top: Füchse 67,27%
- 2020/21 (Meister): 66,52% (4. Platz), Top: SCM 67,83%
- 2021/22 (2. Platz): 65,64% (4. Platz), Top: SCM 69,56%
- 2022/23 (Meister): 64,74% (4. Platz), Top: SCM 68,62%
- 2023/24 (4. Platz), 63,50% (8. Platz), Top: SCM 71,70%
- 2024/25 (4. Platz), 62,56% (10. Platz), Top: Füchse 71,33%
- 2025/26 (4./5. Platz), 62,70% (13. Platz), Top: SCM 70,57%
Mittlerweile ist Kiel bis auf Platz 13 in der Liga gefallen. Nicht nur, dass es an der Spitze mehr wurde, es finden auch immer mehr Mannschaften Wege zu höheren Quoten. Selbst mit der besten Quote der letzten Jahre würde man nur auf Platz 7 in der laufenden Saison liegen.
Problem für den THW ist, dass sie gewissermaßen im Niemandsland der oberen Region unterwegs sind. Die Mannschaften, die wie Kiel zu den Vielwerfern gehören, d.h. Berlin oder Flensburg haben deutliche höhere Quoten und damit ein höheres Ergebnis. Magdeburg dagegen wirft viel weniger als Kiel, kommt durch eine höhere Quote aber auf dasselbe offensive Ergebnis. Dafür stecken sie sehr viel Energie in die Abwehr und spielen eine extrem starke Verteidigung. Ähnlich ist aktuell Lemgo unterwegs, nur nicht ganz so gut.
Kiel kann dann ganz oben mitmischen, wenn sie entweder die Effektivität zumindest in den Bereich bekommen, den sie in den Meisterjahren hatten und vor allem defensiv zulegen oder sie brauchen offensiv eine Top-Effektivität, d.h. eine enorme Steigerung zum aktuellen Stand.
Sollte Kiel das Nachholspiel in Magdeburg gewinnen, wären sie wieder bei 26:8 Punkten nach der Hinrunde. Ansonsten zwei Punkte weniger als letzte Saison, obwohl man letzte Saison bereits zwei Heimspiele gegen Flensburg und Melsungen verloren hatte. Letzte Saison gab es außerhalb der Top 6 die zwei Niederlagen bei den RNL und in Wetzlar. Dieses Jahr die beiden Unentschieden gegen die RNL zuhause und in Eisenach.
Für die Zukunft gilt: Kann man aus dieser Gruppe eine wirklich defensiv starke Mannschaft machen? Reicht die potentiell größere Breite im Kader der nächsten Saison wirklich, um die Effektivität im Angriff wieder nach oben zu bringen? Wenn ich tippen müsste, würde ich sagen, dass Kiel im Niemandsland bleibt. Wobei Niemandsland auf dem Level bei potentiell drei Plätzen für Deutschland auch für die CL reichen kann, wenn es beim Wettbewerb Probleme gibt.
Defensiv hat man mit Johansson, Skipagøtu, Makuc, Madsen, Reinkind und Laube eine Reihe von Spielern, die dort nicht ihre Stärken haben. Dagegen stehen Köster, Pekeler und Načinović. Landin ist für einen Außen sicher ein guter Verteidiger auf Halb, aber auch nur für einen Außen. Offensiv sind die Abschlusspositionen zu schwierig für eine Top-Quote. Es werden zu viele Würfe genommen, der Erfolgswahrscheinlichkeit nicht sehr hoch ist.
Ich hab mir die Tage nochmal die ersten 20-22 Minuten in Berlin angesehen, nach denen der THW mit 13:8 hinten lag. Da hatten sie in der Zeit alleine acht Fehlwürfe, wo erst Skipagøtu, dann Johansson und anschließend Reinkind komplett unvorbereitete Rückraumwürfe genommen haben, d.h. über oder durch die darauf eingestellte Abwehr. In Erinnerung bleiben natürlich die vergebenen freien Abschlüsse, die wieder gut rausgespielt waren und man kann schnell zum Ergebnis kommen, dass wenn diese drin sind, das Ergebnis besser aussieht. Diese freien Fehlwürfe hatte Berlin aber auch. Nur da redet man dann wieder von der Torwartleistung, die man erwartet. Man kann aber nicht vom eigenen Torwart erwarten, dass er freie Bälle hält und wenn der gegnerische es macht, die Konzentration im Abschluss kritisieren. Da sollte man die Gesamtheit der Abschlusssituationen ansehen und zum Ergebnis kommen, dass selbst die weltbesten Spieler aus diesen Situation nicht viel besser treffen werden.
Für mich war von den Feldspielern in den letzten Jahren Weinhold der größte Verlust. Er war nie groß im Fokus, aber das war so ein Spieler, der der Abwehr eine enorme Stabilität geben konnte und vorne, wenn es nötig war, auch Tore werfen konnte. Deswegen ist Jonsson zum SCM auch so ein Killer-Transfer für die nächsten Jahre, wenn er gesund bleibt. Haut hinten alles rein und scheint okay damit zu sein, wenn vorne primär andere glänzen. Wenn er gebraucht wird, ist er aber trotzdem da. Dieses Profil wäre aus meiner Sicht das Transferziel für den THW als Nachfolger von Reinkind und nicht der nächste, der nur vorne seine Qualitäten hat.