Scolari war doch aber nie Trainer bei Argentinien, oder? Der hat Brasilien trainiert...
Ja, natürlich. Ein Quark. Scaloni heißt der Mann.
Scolari war doch aber nie Trainer bei Argentinien, oder? Der hat Brasilien trainiert...
Ja, natürlich. Ein Quark. Scaloni heißt der Mann.
Ich sehe es als großer Problem an, dass Szilágyi nicht im Moment des Erfolges gekommen ist, sondern mitten in einer Saison als der THW in der HBL 5. geworden ist und es im Folgejahr wieder richtig bergauf ging, als die Verletzungsprobleme nahezu weg waren und die Neuverpflichtungen einschlugen. Dabei verkennt er aber die substanziellen Unterschiede in den Stärken der Spieler und der Passform dieser zum Trainer. Zu der Zeit waren Spieler verletzt, die vor allem defensiv extrem stark waren, sodass Kiel dann wieder über die wenigen Gegentoren zu alter Stärke fand und jetzt hat man eben Spieler, die vor allem vorne effektiv sein müssten und das ist nicht das Ding von Jicha. Zudem hat sich auch die Handballwelt weitergedreht und ist nicht dieselbe wie "damals".
Ich würde jetzt es jetzt nicht unbedingt als sinnvoll betrachten nur den Trainer zu wechseln, weil Szilágyi bisher nicht bewiesen hat, dass er versteht, wie Spieler und Trainer zueinander passen müssen, als dass ich ihm jetzt zutrauen würde, einen Trainer zu holen, der wirklich zum Kader passt.
Die Tage die Doku vom ZDF zur WM 2006 gesehen. Man hat zwar noch im Gedächtnis, wie schlecht die Stimmung im Vorfeld des Turniers war, aber das Ausmaß im Nachhinein zu sehen war schon heftig. Am Ende war es dann vermutlich dieses eine Last-Minute-Tor gegen Polen, was das ganze zum Kippen brachte. Wie im Nachhinein erfahren konnte, hatte der damalige DFB-Präsident sogar den Plan B schon vorbereitet, Klinsmann mitten in der WM zu entlassen und durch Sammer zu ersetzen.
Im Fußball sind das manchmal so Kleinigkeiten. Wer hätte bei der letzten WM gedacht, dass Argentinien das nach einem 1:2 zum Auftakt gegen Saudi Arabien noch zieht.
Argentinien ist ein schönes Beispiel wie Fußball funktioniert. Die haben Jahrzehnte nichts gewonnen, auch nicht bei Copa, bis Scolari die übernommen hat. Und der hat aufgehört zu versuchen die besten Spieler irgendwie in einer Formation aufs Feld zu bekommen, sondern nach einem klaren taktischen Plan die Positionen zu besetzen, auch wenn dann Top-Leute auf der Bank saßen oder gar nicht mitgenommen worden. Zudem war ihm egal, wie gut oder schlecht es im Verein läuft, weil er wusste, dass Nationalmannschaft einfach was völlig anderes ist als Verein und hat seine Leute mitgenommen, die zu dem passten, was er spielen lassen will. So hat sich ein echtes Kollektiv gebildet und dann haben die wieder angefangen Titel zu gewinnen.
Nachdem Wechsel auf Krickau wurden die ersten beiden Spiele verloren.
Diese beiden Niederlagen waren aber auch Magdeburg zuhause und Gummersbach auswärts. Nicht unbedingt jetzt völlig überraschende Niederlagen wie dann später zuhause gegen Hamburg. In der Meistersaison von Berlin haben sie auch nur Unentschieden zuhause gegen Magdeburg gespielt, die einige Verletzungsprobleme hatten. Auswärts haben die Füchse letztes Jahr z.B. auch in Hannover oder Melsungen verloren, die zu dem Zeitpunkt gut drauf waren. Das alleine auf dem Wechsel auf Krickau zurückzuführen, ist vermutlich zu viel, aber natürlich war es dummes Timing.
Nur so btw: Die Füchse sind 21/22, also bevor Gidsel kam, Dritter mit 53:15 Punkten geworden. Gewinnen sie morgen gegen Flensburg schließen sie die Saison 55:13 Punkten ab, bei einer Niederlage entsprechend mit selben Punktestand wie vor Gidsel.
Gidsel wollte ein Team, dass er zu Titeln führen konnte und keins, dass ohne ihn alles gewonnen hat. Unterm Strich kamen nicht viele Vereine in Frage.
Von dem, was Gidsel erzählt, wollte er primär aus der Öffentlichkeit heraus, die ihm nach dem WM-Titel 2021 so sehr zugesetzt hat, dass er sich selbst in einer Depression gesehen hat. Daher kamen Flensburg und Kiel nicht in Frage. Als Berlin ihm noch die sportlichen Perspektive mit der ersten Meisterschaft statt der x-ten verkauft hat, war es dann Berlin. Ansonsten hätte man ihn vermutlich auch von Barcelona überzeugen können, wo man als Handballer sicherlich auch gut anonym leben kann. Wie er im Podcast erzählt hat, merkt er selbst in Berlin, wenn in Dänemark Ferien sind und vermeidet in dieser Zeit Unternehmungen.
Für zwei Alphatiere dieser Dimension war nicht genug Platz bei den Füchsen ich zitiere da mal "Highlander, es kann nur einen geben"
Hanning hat im Dyn-Interview vor dem Spiel gegen Magdeburg recht viel über die Finanzen geredet. Dass diese nicht im selben Maße wie die Wünsche gewachsen sind und Berlin auch einige Spieler nicht bekommen hat. Er hat zwar nicht explizit des Geldes wegen gesagt, aber man konnte das so verstehen. Er hat noch erzählt, dass die Füchse in Bereichen wie Marketing wachsen müssen. Vermutlich gab es hier in Berlin auch andere Vorstellungen, was die Fähigkeit von Kretzschmar betrifft, neue Geldquellen zu erschließen, um die sportlichen Wünsche zu erfüllen. Ich würde mal vermuten, dass Hanning in Kretzschmar vor allem ein Marketing-Instrument gesehen hat, was dabei hilft, die Einnahmen-Seite zu verbessern und er hier hinter den Erwartungen geblieben ist, auch angesichts seiner persönlichen Kosten.
Natürlich waren in der Phase ab 2015 auch viele schlechte Entscheidungen dabei, aber am Ende war es der Kader, den Gislason übergeben hat, der die Titel eingefahren hat. Das wurde unter neuer Führung wieder heruntergewirtschaftet mit stellenweise leider eklatantem Managementversagen und scheinbar auch wenig Sebstreflexion und fehlender Analyse der eigenen Fehler.
Die zentralen Spielern des Kaders, der übergeben wurde, wurden auch nicht maßgeblich von Storm als Vorgänger Szilágyi aufgebaut wurde, sondern bereits davor. Schon unter Storm wurde vergeblich versucht die nächste Generation aufzubauen. Als Jicha Chef wurde, waren Landin, Wiencek, Ekberg, Duvnjak und Weinhold bereits 30 und älter. Das war von den meisten Leistungsträgern überhaupt keine Mannschaft mit großer Zukunft. Dass man diesen Kern überhaupt noch weitere fünf Jahre so ausgepresst hat, war auch kein Selbstläufer, denn da hatten einige vor Jicha schon größere körperliche Baustellen.
Schon Storm und Gíslason sind daran gescheitert, als es galt jüngere Spieler, die noch einige Entwicklungsschritte gehen müssen, zu Leistungsträgern zu entwickeln. Entweder weil man das Potential falsch eingeschätzt hat oder weil es von der Trainingsarbeit nicht gepasst hat. Man hat jetzt zwei Mal in Folge beim THW dasselbe erlebt, nämlich den Versuch eines Kaderumbruchs mit jüngeren Spielern, der überhaupt nicht aufgegangen ist.
Gíslason in seiner letzten Saison und danach Szilágyi und Jicha hatten halt das Glück, dass sie auf ältere Spieler am Ende ihrer Karrieren bauen konnte, die in ihrer Prime zu den Weltbesten gehört haben und in Summe noch gut genug waren, dass über die Nutzung der Kaderbreite noch einiges rausgeholt wurde. Der kontinuierliche Abbau der Kaderqualität hat für mich aber bereits vor Szilágyi/Jicha begonnen und sie haben diesen nahtlos weitergeführt. Als Gíslason die Spieler, auf die auch Jicha dann bauen konnte, nicht zur Verfügung standen, hatte er auch keinen Erfolg und Kiel rutschte nach zwei dritten Plätzen bis auf Platz 5 ab.
Parallel dazu haben andere Mannschaften Spielweisen entwickelt, durch die sie mit Spielern, die exakt dafür verpflichtet wurden, auf ein Level gekommen sind, wo man mit der Individualspielweise vom THW nur mithalten könnte, wenn man den individuell (deutlich) besten Kader hätte. Dazu bräuchte man vermutlich finanzielle Mittel, die nicht nur über denen von anderen in der HBL liegen, sondern auch gegenüber anderen europäischen Mannschaften, die gerne mal mit guter Bezahlung bei weniger Belastung punkten können.
Insgesamt muss man sagen, dass der THW bereits seit über 10 Jahren, über verschiedene Personalien in der sportlichen Leitung hinweg, Probleme hat, konstant Spieler auf aller höchstem Niveau entweder zu verpflichten oder zu entwickeln. Da waren nur sehr punktuelle Treffer dabei und wenn man ehrlich ist, dann war es z.B. nicht unbedingt ein großer Verdienst einen Spieler wie Pekeler zu bekommen, der unbedingt wieder nach Kiel wollte. Ab dem Moment, wo man in Kiel in der sportlichen Führung hätte mehr leisten müssen als der Wettbewerb, um langfristig erfolgreichen zu sein, konnte man das nicht und hatte Glück, dass noch genügend Substanz aus anderen Zeiten da war.
Sollte man sich personell verändern in der sportlichen Führung, wogegen es nicht wirklich Gründe gibt, dann sollte man schauen, dass man nicht einfach mit den nächsten Verantwortlichen weitermacht, sondern sich strukturell überlegt, wie man sich überhaupt aufstellen will und welche Rahmenbedingungen man etabliert, die eine klare interne Bewertung der sportlichen Leitung zur Folge hat, die nicht lautet: Sie sind doch total engagiert, leben für den Verein und sind deshalb die richtigen.
Den jetzigen Kader hat die aktuelle sportliche Führung maßgeblich zusammengestellt.
Reinkind, Dahmke, Pekeler und Dule wurden noch übernommen und auch da geht es überwiegend dem Ende entgegen. Alle anderen Spieler wurden unter Szilagyi/Jicha verpflichtet.
Das Problem liegt also ziemlich genau dort verortet, wenngleich man darüber hinaus man natürlich auch Strukturen im AR etc. hinterfragen kann.
Die Verpflichtung von Reinkind wurde vier Monate nach dem Amtsantritt von Szilágyi zumindest veröffentlicht. Pekeler, der auch 2018 von den RNL gekommen ist, schon davor. Zumindest optisch sieht es so aus, dass Reinkind nicht übernommen wurde, sondern schon eine Verpflichtung von Szilágyi ist.
Am Ende wurde Szilágyi doch auch nur installiert, weil sein Vorgänger genauso wenig Treffer gelandet hat. Da wurde auf Linksaußen halt auch Raul Santos oder Emil Frend Öfors geholt und Christian Dissinger quasi ein Fünf-Jahres-Vertrag gegeben, der einen ähnlich geringen sportlichen Gegenwert hatte, wie der von Wallinius. Die Hoffnung, dass Nilsson und Bilyk mal in Bereiche von Jicha, Karabatic & Co. kommen hat sich auch nie erfüllt. Ansonsten holte man neben Weinhold und Vujin, die auch schon 30 und älter waren, auch den 35-jährigen Zeitz zurück mit einem Zweijahresvertrag, der dann auch noch für gut "Spaß" in den Folgejahren sorgte.
Das Problem für den THW heute ist also nicht nur Szilágyi/Jicha, sondern, dass auch schon vom Duo Storm/Gislason so gut wie keine Treffer dabei waren in der Kaderplanung und man so von Spielern lebte, die 2014 (Duvnjak, Weinhold) und 2012 (Wiencek, Ekberg) geholt worden, als Storm noch bei den RNL war. Insofern muss man sich doch beim THW schon fragen, warum zwei Managements so häufig daneben lagen und was man vlt. grundsätzlich anders machen sollte.
Zum Thema Kristjánsson und der THW: Das war doch auch schon arg grenzwertig, was Gíslason gerade ganz am Anfang mit ihm gemacht hat in Kiel. Wenn er mal spielen durfte, wechselte er ihn paar Minuten vorm Ende ein, gerne auch wenn sonst nicht viel ging. Kristjánsson rannte dann wie eine One-Man-Wrecking-Crew auf die Abwehr los, ohne jede Vorbereitung für ein Durchbruchspiel und prallte Versuch für Versuch logischerweise ab. Man konnte sehen, dass ihm die Mittel und Erfahrung damals fehlten, aber er seine Chance eben auch unbedingt nutzen wollte. Ich kann mich noch erinnern, dass ich dem überhaupt nichts abgewinnen konnte und man froh sein konnte, wenn er sich nicht verletzt hatte.
Mannschaftssport funktioniert doch nicht so, dass man Individualleistungen addieren und subtrahieren kann. Wenn man eine KI fragt, was passiert, wenn man bei Magdeburg Saugstrup rausnimmt, dann wird sie vermutlich seine bekannten Statistiken rausrechnen und zum Ergebnis kommen, dass das gar nicht so viel passiert. Was die KI aber nicht weiß, ist, wie abhängig z.B. die Statistiken der Durchbruch-Spieler von der Arbeit von Saugstrup sind. Wie soll man das fakturieren?
Ich bin ja nun primär im Basketball zuhause. Da gibt es immer wieder Teams, die glauben, wenn sie Spieler A und Spieler B ins Team holen, dann bekommen sie eine Addition deren Werte. Problem ist aber, dass beides Spieler sind, die den Ball den Großteil des Spiels in der Hand brauchen, um ihr Spiel zu spielen. Gibt aber nur einen. Also muss einer der Spieler auch so funktionieren, wenn er den Ball nicht ständig hat. Und das klappt selten. Und dann gucken sich alle hinterher an, weil sie nicht verstanden haben, was die Statistiken möglich gemacht.
Auch direkt vor der WM 2014 waren Neuer, Lahm, Schweinsteiger und Khedira (lange) verletzt bzw. kamen aus langen Verletzungen und man baute darauf, dass sie im Laufe des Turniers wieder voll einsatzfähig sind.
ZitatDer Münchner (Schweinsteiger) und Khedira rechtfertigen in der alles entscheidenden Phase des Turniers das große Vertrauen des Bundestrainers. Löw war im Endeffekt bei beiden von seinem Grundprinzip abgerückt, nur topfitte Spieler mit zur WM zu nehmen. Der Bundestrainer hat hoch gepokert und auf die Karten Khedira und Schweinsteiger gesetzt. Am Sonntag können sie nun gemeinsam alles gewinnen.
Für mich kam die letzte Wende zur Saison 18/19 nach drei schwachen Jahren vor allem, weil man mit Pekeler einen Weltklasse-Verteidiger in seiner Prime bekommen hat, der unbedingt seine erste Zeit beim THW gerade rücken wollte und weil Top-Abwehrspieler wie Duvnjak, Wiencek und Weinhold ihre Verletzungsprobleme aus den Vorjahren komplett oder viel besser in den Griff bekommen haben. Dadurch hatte Kiel wieder seine Identität als Mannschaft, die hinten so wenig zulässt, dass sie vorne keine geölte Maschine brauchen, um Erfolg zu haben.
Diese Identität hat man mittlerweile fast vollständig verloren. Man merkt den Gegnern an, dass sie wissen, dass es nicht so schwer ist, gegen Kiel Tore zu erzielen. Das Ganze wird nur hier und da mal etwas gelindert, wenn die Torhüter richtig liefern, wie Landin/Mrkva oder Wolff/Mrkva letzte Saison.
Wenn man auf einen Trainer wie Jicha setzt, der jetzt nicht für ausgefeilte Offensivkonzepte bekannt ist, muss man vom Kader her eigentlich zusehen, dass man erstmal hinten die Bude dicht bekommt und dann erst nach vorne guckt. An diesem Bedarf hat man aber komplett vorbeiverpflichtet und auch vom Coaching her ist nicht viel passiert. Selbst wenn man Jicha eine ganze Reihe von sehr guten Offensivspielern gibt, sehe ich nicht, dass er daraus eine so effektive Offensive hinbekommt, dass man hinten keine absolute Top-Abwehr braucht.
Wenn man sich mal die Entwicklung zur letzten Meisterschaft ansieht, dann erzielt der THW mittlerweile vorne 1,6 Tore pro Spiel weniger und bekommt dafür 2,6 Tore pro Spiel mehr eingeschenkt.
Die Verpflichtung von Köster ist ein guter Schritt und hoffentlich auch Büchner. Beim Final 4 war wieder sehr alarmierend, wie viele Gegentore man bekommen hat, weil die linke Seite, vor allem Landin so langsam waren. Da war für den Rechtsaußen der Gegner immer der Weg komplett auf, wenn Tempo gespielt wurde, auch weil Johansson irgendwie gar kein Hilfe ist. Štěrba von Minden hatte jetzt auch seinen Spaß.
Für Dahmke bräuchte es einen weiteren Linksaußen, der vor allem in der Lage ist, das Tempo-Spiel mitzugehen. Ansonsten braucht es für Reinkind und Laube mindestens komplette Spieler, vlt. sogar primär abwehrstarke Spieler, damit der Kader wenigstens eine gewisse Balance bekommt.
Den Wechsel hat Figo ja nicht hinbekommen! 🤪
Gidsel zu seinen mentalen Probleme nach der WM 21:
Eigentlich muss doch mehr der THW lernen für Ankermann zu spielen als Ankermann für den THW. Soll nicht heißen, dass er keinen Raum für Verbesserungen hat, aber das Ziel muss doch sein, die Stärken eines Ankermanns oder vergleichbarer Durchbruch-Spieler möglichst effektiv zu nutzen. Ansonsten erwartet man doch, dass er im Selbstversuch herausfindet, wie man stabil durch eine Wand laufen kann, was er aktuell tun müsste, wenn die "richtigen" Abwehrreihen kommen.
Als der THW mit Storm nicht mehr glücklich war, haben sie auch Szilágyi als sportlichen Leiter eingestellt und Storm die Verantwortung über den Sport weggenommen, aber er blieb noch 1 1/2 Jahre Geschäftsführer und ging dann offiziell erst als dieser Vertrag endete. Da finden sich schon Möglichkeiten, wenn man will.
Wie in vielen Unternehmen, herrscht beim THW offenbar ein Geist, bei dem es in erster Linie darum geht, keine Angriffsfläche zu bieten. Gründe, warum dies, das und jenes vom Ergebnis nicht gut lief, gibt es immer in der Regel immer genug. Wenn man es aber vom eigenen Denken her zulässt, dass die Gründe wirklich primär externe Faktoren sind, für die man nichts kann, dann kann man schnell in ein Mindset abrutschen, was jegliches verbessern schwierig macht. Auch wenn man vlt. anfängt, dass erstmal nur öffentlich zu sagen. Man sieht das häufig, dass Leute an Dinge glauben, weil sie sie nur oft genug wiederholt haben.
Grundsätzlich ist es natürlich so, dass in der normalen (Arbeits-)Welt ständig und überall versucht wird, die Dinge besser dastehen zu lassen, als sie sind. Es funktioniert normalerweise auch durchaus sehr gut, denn in der Regel lassen sich viele mit schönen Worten und irgendwie plausibel klingenden Gründen auch beschwichtigen. Das ist aber ein gefährlicher Weg, denn um wirklich weiterzukommen, gerade auf dem ganz oberen Level, muss man auch gegen sich eine Härte haben, die keine Alibis zulässt. Und wenn man die hat, neigt man in der Regel dazu, auch gegenüber anderen nicht so aufzutreten, dass man externe Faktoren vorschiebt.
Wichtiger als Handball-Sachverstand im AR fände ich, wenn von hier aus eine Unternehmenskultur eingefordert und etabliert würde, welche keine Alibis zulässt, auch wenn sie durchaus berechtigt sind. Solche Pressemitteilungen wie dem THW würde ich kategorisch verbieten, weil sie einer Leistungs- und Verbesserungskultur nicht entsprechen.
Dass Skipagøtu für dieses elementare Final 4 ausfallen könnte, ist doch nun kein unvorhersehbares Ereignis gewesen, was völlig aus der Kalten kam. Also muss ich mich doch viel mehr darauf vorbereiten, dass er nicht dabei ist. Dann kann ich natürlich sagen: Naja, ohne Skipagøtu hatten wir halt keine Chance, weil da hätten wir anders spielen können oder ich kann sagen: Die Vorbereitung auf diese Spiele ohne Skipagøtu war einfach nicht gut genug.
Jetzt muss man sich nicht öffentlich über die Maßen selbst kasteien, aber das mindeste, was man erwarten muss, ist doch das Eingeständnis, dass man es nicht geschafft hat, spielerische Lösungen mit den Spielern zu finden, die da sind und es nicht auf Pech oder Verletzungen zu schieben. Da erwarte ich einfach von den sportlichen Verantwortlichen, dass sie in der Lage sind, einzugestehen, wenn ihnen Dinge nicht gelingen oder sie Fehler machen. Und mal ganz ehrlich: Wenn es so sein sollte, dass man sich wirklich primär auf ein WE mit Skipagøtu vorbereitet nach dessen Verletzungshistorie, dann ist das ein noch größerer Fehler.
Und selbst wenn es Pech wäre, und wenn die Verletzungen natürlich schwierig sind, und wenn vlt. auch die Schiedsrichter nicht immer das gepfiffen haben, was man vlt. hätte pfeifen können. Aber: Solange man Situationen hat, wie nach der letzten Auszeit, wo es diesen einen Angriff braucht in 15, 20 Sekunden, um die Saison zu retten und man ist darum überhaupt nicht wirklich vorbereitet, solange hat man über Pech, Verletzungen oder die Schiedsrichter nicht zu reden.
Natürlich ist es menschlich, Angst vor den Reaktionen zu haben, aber die kommen doch so oder so. Leute, die bei jeder Niederlage sofort alle rauswerfen fordern, wird es immer geben. Und mit Sicherheit werden auch Sponsoren reagieren. Aber ich glaube, dass die große Menge bereit ist, einen Prozess auch bei den sportlichen Verantwortlichen positiv zu begleiten, wenn man merkt, dass man sich nicht versteckt und bereit ist, die Fehler zu aller erst bei sich zu suchen und nachvollziehbar daran arbeitet, es besser zu machen.
Und hier ist wieder der AR gefordert: Hier darf man es nicht zulassen, dass von der sportlichen Leitung über irgendetwas anderes geredet wird, als die eigenen Fehler. Wenn sie trotzdem die Alibi-Schiene reiten wollen, egal ob sie wirklich davon überzeugt sind, oder auch nicht, dann muss man sich trennen. Das sowas darf man als Kultur in der Organisation nicht zulassen.
Melsungen hat spielerisch auch zu tun gehabt über das Spiel, aber sie schaffen es in beiden Halbzeiten am Ende einen offenen Wurf zu haben, als es darauf ankommt. Und beide Male über Linksaußen. Beim THW kommt nach der Auszeit eine halbe Wurfchance für Duvnjak, wo der Block noch gute Chancen hat, einzugreifen. Hinten steht beide Male Pérez de Vargas im Tor, dessen statistische Stärke Würfe aus dem Rückraum und vom Kreis sind, also wo der Ball möglichst zentral geworfen wird und er mit schnellen Reaktionen agieren kann. Die Schwäche sind Würfe von Außen. Und dann kommt der Gegner zwei mal von dort zum Abschluss, wo der Torhüter am schwächsten ist. Bei Simic ist es auch so, dass er aus dem Rückraum richtig stark hält, aber eher schwächere Werte gegen die Außen und vor allem vom Kreis hat. Und dann ist der Plan, dass man aus dem Rückraum wirft. Wenn man dann über Glück redet, hat man irgendwo nicht verstanden, worum es geht. Natürlich ist das Spiel mehr als die ein, zwei Situationen, aber sorry, das ist doch symbolisch für das, was auf beiden Seiten des Feldes nicht klappt.
Da sieht man mal, dass Zahlen nicht alles sind 😉 die 'wichtigen' muss man haben 😅
Das kann man natürlich so oder so sehen. Hätte Wolff unterwegs mehr gehalten, wäre das Spiel vlt. gar nicht erst knapp geworden. Aber so macht es aus Fan-Sicht natürlich mehr Spaß.
Freundschaft!
Für mich genauso wenig nachvollziehbar, dass man einen 1,98 m großen Torhüter ständig überlupfen will. Der Kommenator von DAZN fand das völlig logisch.
Zumal Wolff die hohen Abschlüsse, insbesondere die die Off-Speed sind, in der Wurfbewegung sehr gut liest und dann groß bleibt. Manchmal erwischt man ihn mit einem Leger trotzdem, aber da hat er bei anderen Abschlüssen mehr Probleme.
Das sind natürlich in Summe auch einige nach schlechten Rückraumwürfen. Insofern ist die reine Zahl auch nur die halbe Wahrheit.