Freundschaft!
Im Skispringen war "Deutschland" nie "absolute Weltspitze". Die DDR war Weltspitze. Im DSV war es eine einzige Shitshow. Unvergessen, wie man mit Rudi Tusch als Bundestrainer verschlafen hat, auf den V-Stil umzustellen. Am Ende war man bei der WM 1993 so katastrophal schlecht, dass man sich doch erbarmte, den DDR-Trainer Heß zum Bundestrainer zu machen. Oh, "Überraschung", dann war man wieder Weltspitze. Als es dann mal eine semigute Saison gaben, haben das Martin Schmitt und Co. sofort genutzt, um ihn abzusägen. Mit dem Nichtskönner Steiert ging es richtig in den Keller. Und da hat man sich nie wieder von erholt. Immerhin sind die Deutschen wenigstens in der Lage bei WM/OS punktuell große Ausreißer zu produzieren. Sonst wäre da praktisch gar nichts auf der Habenseite seit 20 Jahren.
Dafür, dass Severin Freund den Gesamtweltcup 14/15 gewonnen hat, sind punktuelle Ausreißer nicht wirklich ein angebrachter Ausdruck. Insgesamt hat er 6 Mal in Folge den Gesamtweltcup unter den besten acht abgeschlossen. Diese Konstanz in der Weltspitze können nicht viel aufweisen. Hier mal der jeweils beste Deutsche im Gesamtweltcup:
- 24/25: Paschke 5. Platz
- 23/24: Wellinger 3. Platz
- 22/23: Wellinger 7. Platz
- 21/22: Geiger 2. Platz
- 20/21: Eisenbichler 2. Platz
- 19/20: Geiger 2. Platz
- 18/19: Eisenbichler 7. Platz
- 17/18: Freitag 2. Platz
- 16/17: Wellinger 4. Platz
- 15/16: Freund 2. Platz
- 14/15: Freund 1. Platz
- 13/14: Freund 3. Platz
- 12/13: Freund 4. Platz
- 11/12: Freitag 6. Platz
- 10/11: Freund 7. Platz
- 09/10: Uhrmann 12. Platz
- 08/09: Schmitt 6. Platz
- 07/08: Neumayer 16. Platz
- 06/07: Uhrmann 10. Platz
- 05/06: Uhrmann 8. Platz
- 04/05: Uhrmann 9. Platz
- 03/04: Späth 9. Platz
Wirklich Weltspitze war die DDR doch auch am Ende nicht mehr. Bei der letzten WM 1989 vor der Wende kam die DDR im Mannschaftsspringen auf Platz 7 und die BRD auf Platz 8. 1987 war es Platz 5 für die DDR und 6 für die BRD. Dazwischen bei Olympia 1988 war es Platz 6 für die BRD. Die DDR hatte gar kein Team gestellt, weil nur zwei Skispringer nominiert waren für Olympia, weil die Leistungen nicht gereicht hatten. Danach wurde Heß der Chef in der DDR. Das ging doch in den 80er Jahren immer mehr bergab in der Breite. Zum Zeitpunkt der Wende gab es einen etablierten Spitzenspringer mit Weißflog und einen mit Thoma, der da gerade aufkam und dahinter nicht mehr viel. Thoma ist noch 88/89 für den DSV mit 19 Jahren im Gesamtweltcup Dritter geworden hinter Weißflog. Ein ähnliches Talent gab es in der DDR gab es nach Weißflog nicht mehr.
Boklöv hat 88/89 den Gesamtweltcup mit dem V-Stil gewonnen. In den beiden Folgejahren gewannen den jeweils Springer im Parallelstil, weil der V-Stil in den Haltungsnoten massiv bestraft wurde. Das änderte sich erst ab der Saison 91/92, sodass ab diesem Zeitpunkt die belohnt wurden, die darauf umgestellt hatten. Der Gesamtweltcupsieger 90/91 Andreas Felder hat erst vor der Vierschanzentournee in der Saison 91/92 die Umstellung auf den V-Stil vorgenommen. Das Problem für Deutschland war in der Zeit neben der Weigerung von Tusch den V-Stil zu akzeptieren, dass Weißflog und Thoma sehr viel verletzt waren und sich dazu Thoma mit Tusch vor der WM 1993 noch überworfen hatte. Heß hingegen hatte mit Andre Kiesewetter schon früh einen im Weltcup erfolgreichen Springer im V-Stil ausgebildet.
Offenbar wollten Hannawald und Schmitt ihrem Heimtrainer zum Bundestrainer-Posten verhelfen.
Für Deutschland ging es wieder an die Weltspitze über den Weg, den fast alle Top-Nationen gegangen sind: Einen Österreicher zum Chef zu machen. Unter Schuster ist dann ab 2008 eine neue Generation mit Freund, Freitag, Wellinger, Geiger und Eisenbichler entstanden. Der aktuelle (österreichische) Trainer Horngacher hat zuerst die Polen wieder an die Weltspitze geführt, bevor er gewechselt ist. Da hatte man sich in Deutschland vermutlich noch ein bisschen mehr erwartet als er von Schuster übernommen. Würde nicht überraschen, wenn mit Stöckl der nächste Österreicher das Amt übernehmen wird. Sportlich war er mit Norwegen erfolgreich, das Ende war dann sehr komisch.