Beiträge von Arcosh

    sofern ein Schrittfehler vorliegt, hätten die beiden SR das Tor von Gummersbach auch nach erfolgtem Anwurf aberkennen dürfen. Das sagt die Regel.

    Jetzt wird es wild:

    Trifft Göppingen mit dem Anwurf das leere Tor, dann steht es unentschieden. Gehen dann die Schiedsrichter in den Videobeweis und erkennen einen Schrittfehler bei Schluroff, dann endet das Spiel mit einem Tor für Göppingen.

    Wird das so gelehrt? Gibt es auch dazu einen Regelbezug bzw. eine offizielle Regelerläuterung oder ähnliches?

    Im Falle eines hypothetischen Schrittfehlers müsste die Konsequenz doch ein Freiwurf für den Gegner und die Spielfortsetzung entsprechend sein. Hinzu kommt wie in meinem vorherigen Beitrag geschrieben, dass ein erfolgreicher Wurf ins leere Tor instantan zum Wechsel des Ballbesitzes geführt hätte und somit das vorangegangene Tor gar nicht mehr überprüfbar gewesen wäre.

    Danke. Diese Anpassung zur Saison 2025/26 war mir entgangen.


    Trotzdem wäre z.B. im hypothetischen Falle eines Schrittfehlers eine Annullierung des Tores von Mir Schluroff ganz dünnes Eis gewesen und hätte meines Erachtens einen (wahrscheinlich erfolgreichen) Einspruch seitens des VfL Gummersbach nach sich gezogen. Bei Spielende liegt der Ball nach Parade von Dominik Kuzmanovic im Torraum. Das bedeutet mit Spielende hatte der Ballbesitz noch einmal gewechselt und somit hätte das Tor von Miro Schluroff trotzdem nicht mehr zurückgenommen werden dürfen.

    Das ergibt im Zweifelsfall für die angreifende Mannschaft in den letzten Spielsekunden eine missliche Lage. Haben sie das Gefühl, dass der letzte Gegentreffer irregulär war, dann müssten sie ihrerseits den Ballbesitz halten und dürften selber keinen Torwurf mehr nehmen.

    Bei den Siegen gegen Kiel und in Lemgo erweckte die MT Melsungen den Eindruck Platz 5 oder 6 noch angreifen zu wollen. Aber nach dem DHB-Pokal-Final-Four-Wochenende und der Bekanntgabe der EHF bzgl. der Vergabe der internationalen Startplätze scheint die MT Melsungen die HBL-Saison innerlich abgeschlossen zu haben. Zählt für die Hessen nur noch die EHF European League? Davon könnte auch noch der DHfK Leipzig profitieren.

    Das sind die Besonderheiten am Ende einer HBL-Saison. Gegen einen Gegner, der unbedingt hätte Punkten wollen/müssen, wäre wohl auch gestern wieder die schwache Schlussphase den Leipzigern zum Verhängnis geworden. So aber konnten sie ohne viel Druck der Erlanger die letzten 30 Sekunden herunterlaufen lassen.

    Wie erwartet war beim VfL Gummersbach nach der vorentscheidenden Niederlage gegen die Füchse Berlin sichtlich die Luft raus. Da fehlte in den ersten 30 Minuten zu oft die nötige Konzentration und Frisch Auf! Göppingen hat das konsequent ausgenutzt. Nach der Halbzeitpause zeigten die Gastgeber ihr wahres Gesicht, kamen Tor um Tor heran und waren kurz davor das Spiel zu drehen. In den Schlussminuten waren es aber wieder zu viele technische Fehler, um beide Punkte im Oberbergischen zu behalten.

    Dennoch war der Punktgewinn wichtig. Der VfL Gummersbach könnte sich eine Niederlage in Magdeburg erlauben und wäre trotzdem punktgleich mit dem THW Kiel - falls diese ihre letzten fünf Spiele alle gewinnen sollten.


    P.S.: Beim Videobeweis nach Spielende hätte ich gerne von den Schiedsrichtern gewusst, was sie da prüfen wollten. Bei bester und freier Sicht der Schiedsrichter aufs Spielgeschehen fehlt mir da ein wenig die Grundlage. Prüfenswert wäre höchstens gewesen, ob Ludvig Hallbäck den letzten Wurf im Torkreis stehend abgewehrt hat. Er stand aber deutlich vor dem Torkreis und war wohl auch gar nicht mehr am Ball.

    Erstens stimmt das nicht mit Videobeweis.

    Und zweitens haben sie sich die möglichen Schritte definitiv angeguckt.

    War alles korrekt.

    Woher nimmst Du, dass beim Videobeweis Regel 9:2 nicht gelten würde?

    Das war aber dennoch taktisch unklug von ihm hier so öffentlich wirksam die EHF anzugreifen. Das sogar der Präsident ein Statement veröffentlichen lässt scheint das schon mit Wirkung in Wien angekommen zu sein. Da braucht man sich nun, im Oberbergischen, keine Hoffnung mehr auf ein Upgrade zu machen.

    Für den extrem unwahrscheinlichen Fall, dass der VfL Gummersbach noch Platz 3 in der HBL erreichen und die HBL ein Upgrade für die Oberbergischen beantragen würde, wäre es interessant zu sehen, ob persönliche Animositäten gegenüber sportlicher Leistung überwiegen.

    Fazit nach den Hinspielen:

    THW Kiel - RK Nasice

    Überraschende Niederlage des THW, aber mit dem Heimrecht im Rückspiel sehe ich ihre Chancen aufs Weiterkommen dennoch bei 70%. Sollte es im Rückspiel jedoch nicht reichen, dann wäre Filip Jicha meiner Meinung nach endgültig nicht mehr als THW-Trainer tragbar.

    FC Porto - MT Melsungen

    Melsungen ist zufrieden mit dem Sieg, Porto ist zufrieden, dass es nach dem Spielverlauf nur -5 Tore sind und eine Resthoffnung fürs Rückspiel in Portugal bleibt. Ich sehe Melsungen zu 70% in den Finals.

    TSV Hannover-Burgdorf - SG Flensburg Handewitt

    Das Unentschieden in der heute lange ruhigen Hölle Nord ist ein Erfolg für Hannover. Haben Juan Carlos Pastor und die Mannschaft doch noch zueinander gefunden? Alles offen fürs Rückspiel, in dem ich Flensburg aufgrund der Qualität des Kaders und des spielfreien Wochenendes im Vorteil sehe (60% Siegchance). Schenkt Hannover das Spiel beim Bergischen HC ab, weil die HBL-Platzierung herzlich egal ist und die European League Finals die Saisonbilanz deutlich aufhübschen würden (inkl. Chance auf Europapokal in der kommenden Saison).

    Vardar Skopje - Montpellier HB

    Ein Heimsieg der Mazedonier im Rückspiel würde mich nicht wundern, aber ein Zehn-Tore-Vorsprung aus dem Hinspiel muss für die Franzosen eigentlich zum Weiterkommen reichen (90%). Montpellier hätte damit neben der Upgrade-Anfrage als Dritter der französischen LNH (wobei Platz 3 nach zuletzt zwei Niederlagen auch noch nicht in trockenen Tüchern ist) noch eine weitere Chance zur Rückkehr in die EHF Champions-League.

    Ja, er hätte es besser wissen sollen.

    Aber wir haben auch schon hoch bezahlte Profispieler gesehen, die in den letzten Sekunden bei Freiwurfentscheidung für den Gegner den Ball wegwerfen oder bei Freiwurfausführung den Abstand nicht einhalten und dadurch einen Strafwurf verursachen. Oder Spieler, die in den letzten Sekunden statt eines Abwurfes einen Einwurf ausführen wollen und damit ihrer Mannschaft die letzte Chance auf einen Punktgewinn nehmen.

    Aber e) ist doch genau die von Frank Böllhoff beschriebene Situation, in der die Mannschaft zwar nicht physisch in Ballbesitz ist, aber den faktischen Ballbesitz für sich beanspruchen kann. Somit liegt auch in diesem Fall ein Ballbesitz vor.

    Arcosh

    Dann gucken wir mal, ob das, was er sagt, auch einer regeltechnischen (und juristischen) Überprüfung standhält.

    Zur Erinnerung: Es gab auch immer auch die Lehrmeinung, dass ein Ballbesitz nicht wechseln kann, wenn der Ball zum Zeitpunkt des Vergehens nicht im Spiel war. Und dann kam Helge nach Essen - Dessau, der die Lehrmeinung juristisch auseinandergenommen hat.

    Nein. Die Kernaussage des Urteils des Bundesgerichts war: "Bei regelkonformer Wahrnehmung der Überwachungspflicht hätten Zeitnehmer und Sekretär das Spiel spätestens in der Sekunde des Wiederanpfiffs unterbrechen und die Schiedsrichter auf den Umstand der fehlerhaften Anzahl von Spielern auf Seiten der Mannschaft des Beteiligten hinweisen müssen." Für die Sanktion eines Wechselfehlers ist nicht entscheidend, wann er begangen wurde, sondern wann er durch die Offiziellen bemerkt wurde. Das Gericht ist der cleveren Argumentation des TuSEM Essen bzw. ihres Rechtsanwaltes gefolgt, dass der Ball mit dem Anpfiff sofort wieder ins Spiel gebracht worden wäre und in demselben Moment der Wechselfehler hätte Auffallen müssen. Das ist in meinen Augen reichlich konstruiert und kein gutes Urteil, aber es steht nicht im Widerspruch zur Lehrmeinung, dass ein Ballbesitz nicht wechseln kann, wenn der Ball zum Zeitpunkt des Vergehens nicht im Spiel war.


    Welche handfesten Argumente hast Du, dass in dem Moment, in dem der Ball vom Pfosten zurückspringt, keine Mannschaft im Ballbesitz ist? Gibt es überhaupt Spielsituationen, in denen keine der beiden Mannschaften in Ballbesitz ist?

    Rheiner

    Frank Böllhoff, ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter, Schiedsrichter-Ausbilder und EHF-Delegierter hat zu diesem Thema eine ausführliche Erläuterung verfasst:

    HV Westfalen: Übersicht Grüne Karte (Seite 4ff)

    Zitat

    Ballbesitz (Fallstrick 5)
    Wie schon vorher erwähnt, ist die wesentliche Voraussetzung für die Beantragung und Gewährung, dass die Mannschaft sich zum Zeitpunkt des Signals des Zeitnehmers (noch) in Ballbesitz befindet.


    Wann habe ich eigentlich Ballbesitz und wann habe ich den Ball nicht mehr in meinem Besitz?

    [...] Neben dem physischen gibt es auch den faktischen Ballbesitz. Hier wird der Mannschaft der Ballbesitz zugewiesen, die zuletzt in Ballbesitz war. [...]

    [...] Anders sieht es aus, wenn ein Ball durch den Torwart bloß abgewehrt (geblockt) wurde und der Ball anschließend im Torraum springt. Der Ball bleibt im Besitz derjenigen Mannschaft, die zuletzt in Ballbesitz war, also der Mannschaft, die auf das Tor geworfen hat [...]

    Eine der schwierigeren Herausforderungen für den VfL Gummersbach im Saisonendspurt. Frisch Auf! Göppingen befindet sich nach sechs Siegen aus den letzten sieben Spielen auf einem Höhenflug und wird mit viel Selbstvertrauen ins Oberbergische reisen. Für den VfL Gummersbach hingegen gilt es nach der Enttäuschung in Berlin und dem fast sicheren Verpassen des Traums von der Champions-League-Teilnahme die Konzentration hochzuhalten, um Platz 4 und die European-League-Teilnahme abzusichern.