Regel 8 Schubsen von hinten - Gesundheitsschutz

  • Hallo zusammen,

    ich stelle immer wieder fest, dass aus Regel 8 der Teil 8.5.a. bei Schubsen von hinten in unseren (untersten) Ligen von Schiedsrichtern nicht angewendet wird. Ich halte ihn aber für den Gesundheitsschutz der Spieler für sehr wichtig.

    Aus meiner Sicht gibt es zwei Gründe, warum Schiedsrichter sie nicht anwenden: Die Regel ist ihnen gar nicht bekannt oder sie scheuen sich davor, Rot zu zeigen.

    Wenn dann reden mit den Schiedsrichtern/dem gegnerischen Trainer nicht hilft, stehe ich als Trainer etwas ratlos dar.

    Aus meiner Sicht handelt es sich dabei um ein Foul, dass man z.B. bei der EM nicht einmal gesehen hat, da es totaler Absicht entspringt und daher ganz klar rot wäre.

    Mich würde interessieren, welche Erfahrungen ihr damit so macht und wie ihr dieses Thema seht und gerne auch, was ich daran womöglich falsch sehe ;)

    Danke schön!

    --------------------

    8.5.

    Ein Spieler, der seinen Gegenspieler gesundheitsgefährdend angreift, ist zu disqualifizieren (16:6a).

    Die hohe Intensität der Regelwidrigkeit oder die Tatsache, dass diese den Gegenspieler unvorbereitet trifft und er sich deshalb nicht schützen kann, machen die besondere Gefahr aus (siehe nachstehenden Kommentar zu Regel 8:5). Neben den in Regel 8:3 und 8:4 angegebenen Merkmalen gelten folgende Entscheidungskriterien:

    a. der tatsächliche Verlust der Körperkontrolle im Lauf oder Sprung oder während einer Wurfaktion;

    b. eine besonders aggressive Aktion gegen einen Körperteil des Gegenspielers, insbesondere gegen Gesicht, Hals oder Nacken, (Intensität des Körperkontakts);

    c. das rücksichtslose Verhalten des fehlbaren Spielers beim Begehen der Regelwidrigkeit.

  • Schubsen als Kriterium ist leider nicht eindeutig. Ist es ein Begleiten das in ein Schieben übergeht das dann schlicht am Rücken aufhört, nimmt ein anderer Verteidiger den Angreifer auf, sodass die Gefährdung nicht mehr gegeben ist, ist es eine Schubsbewegung, aber komplett ohne Einfluss auf die Bewegung des Angreifers. Steht der Schiedsrichter so, dass man beim Schubsen den Impact sehen kann, oder ist er genau so, dass man von der Bank etwas anderes wahrnimmt. Wenn es ein Schubsen/Schieben von vorne ist, ist auch noch die Liga und die vorauszusetzende Körperspannung zu beachten.

    Es sind so viele Kleinigkeiten und unter der Situation "Schubser in den Rücken" kann es letztlich mit allen deteils dutzende Abläufe geben, von Weiterspielen bis rot (blau) mit allen möglichen Folgen. Und ohne genaue Videos auch kaum zu beurteilen.

  • Hi, danke für deine Rückmeldung. Die von dir beschriebenen Kleinigkeiten und Unterschiede sehe ich auch, und dass diese es schwierig machen für einen Schiedsrichter das Ganze zu beurteilen. Aber, gemeint war von mir ein Schubsen von hinten gegen einen Gegenspieler, der in der Bewegung ist. Typischerweise nachdem der Zweikampf verloren wurde, als letzte Option diesen Spieler zu stoppen. Und das Ganze (wie in 8.5.a. beschrieben) mit dem Verlust der Körperkontrolle... und dann anschließendem Sturz.

    Ich sehe es schon so, dass der Verteidiger sich bewusst für diese Aktion entscheidet und dass die Gefahr einer Bänderveletzung groß ist.

    Jeder weiß, dass es für einen Kopftreffer durch eine Abwehrhand rot geben kann. Denn das passiert auch in den Spitzenligen, ich würde behaupten meistens ohne böse Absicht.

    Die von mir beschriebene Schubsaktion kennt man aber gar nicht aus höchsten Ligen, da sie eine bewusste Entscheidung ist und aus meiner Sicht sofort mit rot geahndet werden würde.

    Ich erinnere mich an die Abwehraktion eines Spielers bei der EM, der sehr leicht in den Rücken des Angreifers greift, und ich sehe sofort Regel 8 angewendet, dass allein der Versuch! von hinten in der Bewegung zu schubsen mit 2min geahndet wird.

    Solch einen Schutz würde ich mir auch in unteren Liegen wünschen!

    Gründe, warum das aus meiner Sicht nicht erfolgt, hatte ich ja bereits genannt.

  • Hallo Leute,

    das Schubsen ist das eine, aber das Resultat das andere. Wenn ein Spieler von hinten gestoßen wird, aber gar nicht ins Straucheln kommt, kann das leicht übersehen werden. Fällt er aber, dann sollte das selbstverständlich auch in den untersten Ligen mit mindestens 2' geahndet werden. Fällt er hart, ist es mindestens rot wenn nicht sogar rotblau.

    Schwierig ist aber, das genau zu sehen. Gerade wenn man alleine pfeift ist es oft sehr schwer, zwischen die Spieler zu schauen und das aktive Stoßen mit den Armen zu sehen. Vielleicht haben manche Kollegen Sorge, vom Angreifer veräppelt zu werden?

    Die Hemmung, rot zu geben verstehe ich generell nicht. Es ist eine Spieldisqualifikation ohne Sperre (wenn nicht mit blau) und ein klares Zeichen, dass der Schiri die Gesundheit der Spieler schützen will.

    Grüße aus Heidelberg

    I am ruled by Karma and Love

    :hi:

  • ..

    Die Hemmung, rot zu geben verstehe ich generell nicht. Es ist eine Spieldisqualifikation ohne Sperre (wenn nicht mit blau) und ein klares Zeichen, dass der Schiri die Gesundheit der Spieler schützen will.

    Grüße aus Heidelberg

    Es sei denn Du spielst eine EM!😎😎


    Prinzipiell bin ich durchaus einverstanden, dass die Gesundheit der Spieler geschützt werden soll.


    Handball soll aber ein körperliches Spiel bleiben und ich finde viele der neuen Regelauslegungen nicht gut.

    Beim Stoßen erachte ich das „von hinten“ als gar nicht so entscheidend, sondern den Zeitpunkt in der Flugphase.

    Ich finde bei vielen Dingen passt die Verhältnismäßigkeit einfach nicht mehr. Eine rote Karte bei einem Gesichtstreffer sollte es geben wenn der Angreifer hart getroffen, geschlagen wurde, aber nicht für einen abgerutschten Kontakt.

  • Danke für eure Rückmeldungen Jaydeeblue und MarkusBucher

    Ich gewinne ganz stark den Eindruck, dass Schiedsrichter bzgl. Regel 8.5. viel mehr "geschult" werden müssten.

    Ich stelle in unseren Ligen zu meinem Bedauern im Gespräch mit Schiedsrichtern fest, dass einige diese Sanktions- bzw Schutz!möglichkeit gar nicht kennen.

    Dass dann ein Abwägen erst gar nicht stattfinden kann, liegt auf der Hand. Ein wenig bekomme ich gar den Eindruck, dass manchen Schiedsrichtern die (im Vergleich zum Fußball!) geringen Konsequenzen einer normalen roten Karte nicht bewusst sind und sie auch deswegen die rote Karte scheuen.

    Hochprominent ist dagegen die Hand im Gesicht (im Gegensatz zum Schubsen von hinten), imho weil vielfach im Fernsehen gesehen. Das kennt jeder Schiedsrichter und da gibt es auch mal rot. Obwohl es evtl. nur ein unbeabsichtigstes Abrutschen im Zweikamf ist ( Jaydeeblue sehe das genauso wie du!) und aus meiner Sicht dann weit weniger verletzungsträchtig als ein absichtliches Schubsen von hinten in der Bewegung mit Sturz.

  • Ich weiß nicht wo Du Regional und Ligenmäßig unterwegs bist. Die Sanktionsmöglichkeiten sind bei uns den SRs schon bewusst und ich glaube auch nicht dass da rote Karten gescheut werden. Im allgemeinen wird das mMn bei uns schon bestraft, aber es gibt da unten natürlich auch SRs die "nicht ganz so gut" sind, wie die Spieler in diesen Ligen halt auch.

    Immer weiterkämpfen!