Es gibt wieder Shooter im Mädchenhandball...

  • Also noch nicht. Aber ich arbeite daran.

    Gestern Derby weibliche B Bundesliga. Der Platzhirsch gegen den Neuling. Beide als einzige Teams der Vorrundengruppe mit weißer Weste und 6:0 Punkten. Der Neuling hat sich besser mit den Videos des Gegners auseinandergesetzt. Die 6:0 zusammen gezogen, kaum raus in die Zweikämpfe, den Rückraum anrennen lassen und die Außen... bekamen reichlich Platz geschenkt und wurden der Torhüterin zum Fraß vorgeworfen. Auch das muss das Videostudium ergeben haben. Durch viel Wechselei in der zweiten Hälfte ging das Spiel noch glimpflich aus, wir waren auf Kurs 15 bis 18 Tore Plus. Absolutes Debakel und Wachablösung in der Landeshauptstadt (also vorerst, ich schraube ja beim dritten Verein). Denn das Trainerteam der Gäste wusste bereits im Vorfeld: NIEMAND WIRD AUS DER FERNWURFZONE WERFEN. (Und ich bin mir nicht sicher, ob ich auch nur E-I-N-E-N verdammten Schlagwurf gesehen hätte!)

    Seit den Minis bis in die C-Jugend hinein lernen die Mädels offensiv zu verteidigen. Die Kehrseite der Medaille: Sie lernen nur den Durchbruch und den Ball ins Tor zu tragen. Gestern gab es aber keine Lücken mehr in der Fleischmauer und mit Ball-ins-Tor-Tragen war Essig. Das Erfolgsrezept: Jahrelange Ausbildung im Kinderhandball negieren, genau das Gegenteil machen und mit dumpfer Fleischmauer erfolgreich spielen. In der Bundesliga! Ich stehe am philosophischen Abgrund, denn genau so mogeln sich immer wieder schlecht ausgebildete Mannschaften in D- und C-Jugend zum Erfolg.

    In der D-Jugend gibt es trotz flächendeckender offensiver Deckung natürlich immer wieder Spielsituationen für Shooter. Oder man erschafft sie sich durch Turnierteilnahmen in Skandinavien. Habe ich reichlich zu geschrieben. Aber im Mannschaftstraining Shooter ausbilden und dafür Trainingszeit zu opfern? Kosten-/Nutzen-Rechnung?

    Das war gestern nun der Weckruf. Ich kann während der Saison keine regelmäßige dritte Trainingseinheit am Samstag anbieten. Häufig sind meine Hallen samstags bereits vormittags mit Minis oder E-Jugend Spielen besetzt. Daher ist der Plan, regelmäßig Lücken im Belegungsplan zu suchen, drei Stunden zu blocken und 90 Minuten Kleingruppentraining mit E-Jugendlichen und 90 Minuten Mannschaftstraining anzubieten. Und ab jetzt: Einmal im Monat eine Handvoll potentielle Shooter aus mehreren Vereinen für eine Stunde zusammen ziehen und schon in der D- und C-Jugend vorzubeugen, so dass es eine Fleischmauer jedenfalls nicht so leicht haben wird. Auch nicht in der B-Jugend Bundesliga.

    So it is written, so it shall be done!

    65 Jahre danach ist es dann ja wieder Zeit für den antifaschistischen Schutzwall.

  • das finde ich gut..


    deine Beschreibung deckt sich ja ziemlich genau mit diesem hier.


    Aber wird das was ändern? oder ist das nicht doch nur die Suche nach der Stecknadel.

    Das eine Team scheint es ja erstmal gut gemacht zu haben, wenn die Außen oft frei zum Wurf gekommen sind. Haben die evtl. einfach nur keine guten Außen in dem Jahrgang?


    Wenn man jetzt "Shooter" trainiert, werden diese in aller Regel doch an einer massiven Abwehr (die es sich zudem leisten kann die Außen frei zu lassen) abprallen. Sodass doch wieder nur eine Suche beginnt, nach dem Kind, welches einen Kopf größer ist, eine starke Sprungkraft hat oder einfach einen schnellen Armzug. (heißt Stecknadel und Glück im Jahrgang etc).


    Ist nicht der einzig echte Hebel (für "Shooter", für Außen, für Durchbrüche) ein sehr sehr schnelles und vor allem sicheres Passspiel? Und scheitert dieses nicht schon ganz ganz am Anfang wenn Minis, F-Jugend, E-Jugend vor allem so ein "Hasenspiel" aufziehen, diese "Hasen" die einfach rennen rennen rennen und alles ohne Pass, hey ich habe den Ball und laufe los egal wo ich stehe natürlich mit Sprungwurf (häufig mit Fuß auf der Linie), sind doch in allen Jugendmannschaften die Stars werden protegiert und bekommen fast nie den Anpfiff: "Hey, das ist ein Mannschaftssport!"


    naja :/ zurück zum Thema, jedes Kind sollte richtig Werfen lernen das kann nicht schaden und in meiner Wahrnehmung kommt das aktuell deutlich zu kurz und haben nicht alle "Großen" ihre Zeit damit verbracht den Ball über Jahre an die Wand zu werfen?..

  • Passspiel ist das A und O und wird im Profibereich in den nächsten Jahren immer wichtiger werden. Das Zeitalter des Rammelhandballs ist am Abklingen zugunsten des Passhandballs.