Beiträge von Zickenbändiger

    In einigen Landesverbänden wird ja aktiv gegengesteuert. In Niedersachsen kann ich meinen Trainerschein nur verlängern, wenn ich eine "Selbstverpflichtung" unterschreibe und verspreche, dass ich ein guter Junge bin... Wenn das nicht hilft, weiß ich auch nicht. :pillepalle: Diese Verbrecher sind natürlich Rhetorikprofis. Es gibt Warnsignale, irgendwer hakt mal nach und bekommt dann völlig plausible Geschichten, warum die Jugendgruppe jetzt eine Wellnesswochenende brauchte und der Betreuer die Kinder massieren musste. Aber wenn sich die Warnsignale häufen oder da Verbrecherkarrieren von 15 Jahren laufen und niemand merkt etwas... will mir nicht in den Kopf.

    Liebes Handballtagebuch!

    Saison 21/22. Die Saison nach der Corona-Vollsperrung. Wie würden es die Handballvereine verkraftet haben? Sind die Spielerinnen alle aus der Pause zurückgekehrt? Gab es Neuzugänge? Haben sie alles verlernt? In der Region gibt es immerhin vierzig Mannschaftsmeldungen in der weiblichen D-Jugend. Nur fast niemand will in der höchsten Liga spielen. Nach einigem hin und her und einer seltsamen Vorrunde mit drei Regelaufsteigern und einem Gefälligkeitsaufsteiger beginnt nach den Herbstferien die "richtige" Saison mit sieben Mannschaften in der Regionsoberliga. Der Blick in den Stützpunkt der Regionsauswahl lässt jedoch schaudern. Zwei Vereine dominieren den älteren Jahrgang D-Jugend. Die übrigen Vereine bilden entweder Mini-Fraktionen oder haben lediglich einzelne Spielerinnen in der Auswahl. Selbst die ein oder andere vollkommen unsportliche Spielerin hat den "cut" geschafft, so sehr hat Corona den Sport beschnitten.

    Nach wenigen Wochen der Hauptrunde steht fest: Von vierzig Mannschaften (die ersten sind bereits vom Spielbetrieb abgemeldet) gibt es nur zwei konkurrenzfähige Teams im gesamten Verband. Spielten früher meist drei oder vier Teams oben mit, hatte Corona den Nachwuchssport nun schwer geschädigt. Immerhin ein hannoversches Derby um die Krone...

    Das Spitzenspiel. Hinspiel wird verlegt. Irgendwann wird auch das Rückspiel verlegt. Beide Spitzenspiele liegen nun eine Woche auseinander. Kurz vor dem ersehnten Hinspiel befällt den Hannoverschen SC der Übermut/die Furcht/der Wahn. Die Mädels von der Konkurrenz veranstalten Gerüchten nach eine Pyjamaparty. Ohne Masken. Das Hinspiel wird verlegt. Das Rückspiel wird verlegt.

    Ein Spiel wie jedes Andere? Eher nicht. Bis dahin ist die Saison geprägt von individueller Ausbildung. In Vorbereitung auf den Rödspätte Cup steht das Angriffskollektiv im Vordergrund. Nun werden Auslösehandlungen trainiert. Auslösehandlungen im Kinder- und Jugendhandball sind ein zweischneidiges Schwert. ZeeBee hat da reichlich Erfahrung gesammelt. Ansage von der Bank... Tor. Ansage... Tor. Ansage... Tor. "Harry Potter? I f***ed him!" Das Zweischneidige? Je erfolgreicher die angesagten Auslösehandlungen, desto Gehirn ausgeschaltet auf dem Feld. Irgendwann erfolgt der Ballvortrag und sechs ferngesteuerte Handballerinnen warten auf den Befehl zum Einlaufen, Sperren, Stellen... ZeeBee gibt den Zauberstab mittlerweile nur noch an seine Spielmacherinnen ab mit der Maßgabe, ihn weise und behutsam zu verwenden.

    Die Regie dagegen gibt ZeeBee diese Saison in der D komplett an seine Co-Trainerinnen Amina und Charlotte ab, die auch das Spitzenspiel Nr. 1 coachen. Für alle Fälle gibt es ja die Technik, Charlotte bekommt ein Headset mit auf die Bank, ZeeBee verzieht sich in den Turm des Hallensprechers. Es gibt nahezu keine Vorgaben vom Cheftrainer, die jungen Damen und noch jüngeren Spielerinnen sollen mal machen.

    Auf dem Spielfeld steht die komplette erste Sieben der Regionsauswahl. Torhüterin, Rückraum Links und Rechts beim HSC. Kreis, Mitte, beide Außen bei der Heimmannschaft. Und im Tor des TVB die Nr. 2 am Kreis in der Auswahl. Auswahltrainerhumor.

    Das unbedeutende Vorrundenspiel war furchtbar in die Hose gegangen, die Mädels ließen jeden Fokus vermissen. Ganz anders heute. Die Trainerbank lässt Halbfeldmanndeckung spielen. Angesichts einer bärenstarken Rückraum Linken und ihrem Pendant auf Rückraum Rechts eine mutige Entscheidung. Nach zehn Minuten werden die Gäste unruhig, ZeeBees Mädels führen mit 9:4. Die Deckung auf 15, 16 m arbeitet großartig, im Angriff haben schon sechs unterschiedliche Spielerinnen getroffen. Sollte es so einfach laufen? Der Abstand wird gehalten, zur Halbzeit steht es 14:9. Spielmacherin Marie setzt die Einläufer behutsam ein, die meisten Tore fallen aus dem Positionsspiel oder der ersten Welle heraus. Und wenn eingelaufen wird, gleicht der Rückraum schulbuchmäßig aus und überläuft die Abwehr Richtung außen. ZeeBee verlässt den Turm, hat nur zwei, drei Sätze für das Trainerteam und überlässt ihnen das Feld, bzw. die Halbzeitbesprechung.

    Keinerlei Bruch im Spiel nach dem Wiederanpfiff, nach 33 Minuten steht es bereits 22:16. Charlotte und Amina wechseln bunt durch. Noch geht das gut. Bei ZeeBee klingeln jedoch die Direkter-Vergleich-Alarmglocken, schaltet die Funkverbindung ein:

    >>Das hier ist wie ein Europapokalspiel. Hin- und Rückspiel! Ich brauche allmählich wieder die Startformation.<<

    Nach und nach wechselt die Bank die stärkstmögliche Formation wieder ein. Die sagt sich: "LAAANGWEILIG!" und beginnt Bälle wegzuschmeißen, in der Deckung ohne Not eine Spielerin ohne Ball zu doppeln und treibt reichlich irren Schabernack. Fünf Tore Vorsprung. Vier Tore. Drei Tore. Zwei Tore. ZeeBee bekommt Schnappatmung, beißt in die Tischkante, gibt immer wieder per Funk die Anweisung "RUHE!" In der letzten Minute pfeift der junge vom Heimverein angesetzte Schieri einen hochumstrittenen 7m. Captain Marie verballert ihn, ob aus Fairplay ist nicht übermittelt. Die Diskussion um die Entscheidung bringt aber eine wichtige halbe Minute von der Uhr, denn danach darf der Gast noch einmal treffen, bevor der Schlusspfiff zum 23:22 die Erlösung bringt.

    Montag vor dem Rückspiel. Die Schlüsselspielerinnen sind entweder verletzt oder beim Stützpunkttraining der Landesauswahl. Keine Vorbereitung auf das Spiel.

    Mittwoch vor dem Rückspiel. Nachholspiel auswärts, keine Vorbereitung auf das Spiel. Und kein Kistentor, somit keine Kiste Bionade für das große Spiel, weil sich die Damen Grütze zusammen spielen.

    Samstagmorgen 10:00. Immerhin sieben von zwölf Mädchen hat ZeeBee noch mal im Training. Einlaufen gegen die Ballrichtung. Einlaufen mit der Ballrichtung. Neu: Nachlaufen der Kreisläuferin der Einläuferin folgend. Neu: 2. Stufe Richtungswechsel der Einläuferin auf die Kreisposition von der Einläuferseite, gegenziehend zur Kreisläuferin. Neu: hohes Gegenziehen der Kreisläuferin gegen die Einläuferin. ZeeBee führt seine D-Jugend an ganz neue Grenzen. Die gesamte Saison über steht die individuelle Ausbildung im Vordergrund, nun einmal Spaßtraining mit Taktikschwerpunkt. Die Mädel ziehen ab zu einem weiteren Nachholspiel, das ZeeBee komplett abgibt, und eine Trainingseinheit mit der nächsten Generation abhält. Die D gewinnt auswärts nur mit drei Toren. Zwischen den beiden Topspielen zwei schwache Leistungen.

    Sonntag Rückspiel in ungewohnter Halle. Die Tribüne ist nicht ausgefahren, die Empore gegenüber ist verriegelt. ZeeBee muss das Spiel ebenerdig mitten im Publikum drei Schritte von der Seitenauslinie verfolgen. ZeeBee ist grantig.

    Die Mannschaften stehen bereit und warten auf den Schieri. Und warten. Und warten. Irgendwann kommt Charlotte vorbei. Der Spiel-PIN funktioniert nicht, das digitale Spielprotokoll kann nicht abgeschlossen werden. ZeeBee durchsucht sein Mailarchiv nach der Liste. Fehlanzeige. ZeeBee lässt sich als Phantom auf der Trainerbank eintragen, damit das Trainerpasswort genutzt werden kann. Das funktioniert nicht. Ach ja, kurzfristig geändert, weil der Trick vor einer Woche schon mal herhalten musste. Das geänderte Passwort funktioniert auch nicht. Die Mannschaften beginnen eigenständig wieder mit dem Warmlaufen. ZeeBee schreckt die Spielwartin zu Hause von der Couch hoch. Der tatsächliche Spiel-PIN hat keinerlei Ähnlichkeit mit dem, der in den Notizen steht. Mit einer Viertelstunde Verspätung kann es losgehen. ZeeBee muss schwören, dass das keine Psychospielchen sind.

    Ein unruhiges Spiel. Viele Ballverluste durch unpräzise Querpässe. Viele Ballverluste durch unpräzise Langpässe. Wenig bis gar keine Einläufer im Angriff. Nicht den Hauch der Neuerungen vom Vortag. Leichte Vorteile für den Hannoverschen SC. Nach einer Viertelstunde sind ZeeBees Mädels bei 10:9 noch dran. Dann folgen mehrere Totalausfälle, mit dem Halbzeitpfiff steht es 14:9. ZeeBee weist Charly ein. Die Spielanlage ist in Ordnung, es fehlen noch Einläufer, zwei Mädchen müssen ihre Nerven in der Deckung in den Griff bekommen. Dann klappt das.

    Erst einmal klappt gar nichts. 16:10. Dann einer dieser wundervollen Momente im Handball, den man nicht erklären kann. Man muss dabei gewesen sein. Die beiden Topmannschaften aus einem Verband mit einst vierzig Mannschaften, beide Teams erwiesenermaßen auf Augenhöhe...

    16:10

    16:11

    16:12

    16:13

    16:14

    16:15

    Der Captain ist zwischendurch nicht mal auf der Spielmacherposition, bekommt kurz Pause. Emmie spielt Mitte, die einzige Spielerin der Welt, die schneller als der Ball ist. Was nicht immer gut sein muss. Emmie bekommt den Pass, rennt einfach durch das Abwehrzentrum. Erinnert an eine ganz, ganz schnelle Comicfigur in rot aus dem Marveluniversum. Tor.

    19:19. 21:21. ZeeBee ordert per Funk noch mal einen Wechsel, die Abwehrchefin raus, eine 1:1 Maschine Jarla auf RL rein. Durch eine 2 Minuten Strafe gegen die Abwehrchefin darf der Wechsel sogar sofort und ohne Ballbesitz geschehen. 21:22, 21:23, 21:24. Der Zeitnehmer pfeift ab. Zu leise. Der Schieri bekommt es erst gar nicht mit, pfeift dann auch recht leise. Die Mädels gucken sich verwirrt um, bis die jubelnde Bank endlich auf das Spielfeld stürmt.

    In der Kabine erklärt ZeeBee noch mal das Prinzip "Direkter Vergleich", wenn der Gegner 4 Minuspunkte hat, wir null Minuspunkte, beide Spitzenspiele gewonnen sind, wir nur noch zwei ausstehende Spiele haben. Die Mädels gucken verdutzt in die Runde. "In den nächsten beiden Spielen können wir auch die E-Jugend losschicken."

    :schrei: "IHR SEID MEISTER!" :klatschen:

    Auf dem Parkplatz:

    ZeeBee: >>Wie viele von den gestern trainierten neuen Auslösehandlungen haben wir heute eigentlich gesehen?!<<

    Captain Marie: >>Ähh… Null.<< :angel:

    ZeeBee: >>Habt Ihr wieder zwei Stunden meines Lebens vergeudet!<<

    Dein Karsten

    ZeeBee traut seinen Augen nicht. Das Videostudium verrät, der schwedische Viertelfinalgegner BK Heid I spielt eine Variante der 1:5 Deckung. DAS wertet ZeeBee als Heimvorteil. Die Mädels kennen offensive Raumdeckungen, können die Schweden aber gegen eine Manndeckung? Minuten vor dem Spiel, ZeeBee versammelt die Mannschaft im Gang neben der Halle. Wen nehmen wir für die Ansprache zur Hilfe? Denzel Washington? Al Pacino? Gerard Butler? Wegen des vermeintlichen Heimvorteils zieht ZeeBee Eishockey und Russel Crowe heran ("THIS IS OUR POND!"). Die Mädels lauschen gebannt und irritiert. ZeeBee steigert sich in die Rede hinein.

    >>Could you please let me through to the toilet?<<

    >>This is not helping my pep talk.<<

    Nicht nur im Immobiliengeschäft gilt: Lage, Lage, Lage - der Gang vor der Toilette war wenig optimal gewählt. Und ist der Redefluss erst einmal unterbrochen...

    Da die Schwedinnen offensiv decken, entscheidet sich ZeeBee von dem Grundsatz in der Startaufstellung abzuweichen. Hier wird es mehr um 1-gegen-1 gehen, als darum, einen Abwehrriegel im Verbund zu knacken. Auf der Mitte bringt ZeeBee Tims Granate Lyn, die das Spiel lenken soll. Es läuft nicht. Die Abwehr ist stellenweise nicht bei der Sache, im Angriff kommen keine geforderten Einläufer. Und von der Bank kann ZeeBee kaum unterstützen, die Stimme hatte sich bereits am Vortag verabschiedet. Mitte der zweiten Halbzeit beginnt ZeeBee bunt zu wechseln und allen Spielanteile zu geben. 14:18 und das gegen eine offensive Raumdeckung. Damit war nicht zu rechnen.

    >>Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist, ab jetzt haben wir viel Freizeit. Die schlechte Nachricht ist, ab jetzt seid Ihr die Cheerleader der C-Jugend.<<

    Parallel schmeißt die C-Jugend die Norwegerinnen von Sandnes HK souverän mit 20:6 aus dem Rennen. Die D-Jugend feuert ZeeBees ehemaligen Mädels dann im Viertelfinale gegen die Norwegerinnen aus Runar zum 14:12 an. Im Halbfinale geht die norwegische Serie weiter, es warten die Mädchen von Hundvaag. ZeeBee erlebt ein Handball... kuriosum. Das ganze Puzzle offenbart sich tatsächlich erst hinterher im Videostudium der Finalrunde. Der norwegische Trainer zieht - für nicht Eingeweihte nicht ersichtlich - seiner Spielmacherin ein Leibchen über und stellt sie ins Tor. Jeden Angriff läuft die junge Dame mit nach vorne auf die RM Position, wo sie brav die Bälle verteilt und diszipliniert nicht torgefährlich wird, sich also nicht in die Rückzugs-Falle locken lässt. Diego reagiert genau so, wie ZeeBee auch reagiert hätte. Gar nicht. Die 3:2:1 Deckung bleibt bestehen, Überzahl kann das System schließlich ab. Mit dem ein oder anderen abgefangenen Ball bestraft die C-Jugend den Mut der Norwegerinnen. Die haben aber einen Plan. Zu den zwei Kreisläuferinnen kommt wieder und wieder eine Einläuferin auf Ballseite. Die Zuordnung geht vor die Hunde, es fallen einfache und vor allem frustrierende Tore. Die Spielweise ist nicht neu, in der "handballtraining" auch schon vor Jahren mal beleuchtet worden als Kniff gegen die vorgeschriebene offensive Deckung im Kinderhandball, in der Handballecke daraufhin rege und emotional diskutiert und auch ZeeBee hat mit Jahrgang '94 und '96 schon erfolgreich mit fliegendem Torwart gespielt... bis es natürlich verboten wurde.

    Diego reagiert zwischendurch antiintuitiv und deckt noch einen Tick offensiver, letztlich scheint sich jedoch die Taktik der Norwegerinnen durchzusetzen. Als letzte Maßnahme zieht sich die C auf 6:0 zurück, Hundvaag bleibt im 7:6 Angriff und belohnt sich zum Finaleinzug mit 15:14. Finalist im Teilnehmerfeld von 50 internationalen Mannschaften mit einem Geniestreich im Halbfinale... Respekt! Die C-Mädels sind natürlich fassungslos.

    Montagmorgen in aller Frühe wird gepackt. Im weibliche D Finale stehen sich unser Auftaktgegner Elling vom Nachbardorf und die schwedischen Mädels von Lugi Lund gegenüber. Zwei defensive Abwehrreihen, es dominieren Glückstore, erzwungene Aktionen und... Langeweile. ZeeBee hat großen Respekt vor dem skandinavischen Handball und weiß, dass beispielsweise in Dänemark ab der weiblichen C ein Quantensprung stattfindet. Aber den Kindern den Bewegungsdrang zu verbieten, sie innerhalb den Neuner zu sperren und als Abwehrkonzeption "der Gegner wird schon vorbeiwerfen" auszugeben... das ist Schmarrn.

    Die C-Jugend macht sich für das kleine Finale warm, das C-Jugend Finale wird sich ZeeBee also nicht anschauen. Stattdessen versammelt sich die Cheerleadergang in der Nebenhalle der Arena Nord. Nur der chilenische Cheftrainer fehlt. Der sucht seinen Autoschlüssel, wird ihn nicht rechtzeitig zum Spiel finden, auch nicht rechtzeitig zur Abfahrt und auch überhaupt nicht wieder, so dass er später noch einmal nach Norddänemark reisen wird, um sein Auto abzuholen. Seine Passagiere werden auf Elternautos umverteilt und die Karawane wird el chileno zurücklassen.

    Erst einmal muss die C-Jugend ran. Das Ruder übernimmt ZeeBees ehemalige C-Jugend Spielmacherin Pia, designierte Nachfolgerin von Diego. Gegner sind die Schwedinnen von Skuru IK I. Obwohl zwei Mädchen vom Halbfinale angeschlagen aussetzen und der Kader allmählich recht ausgedünnt ist, spielt die C-Jugend das kleine Finale ganz souverän zum 19:11 Sieg herunter, lautstark begleitet von der D-Jugend.

    Hej hej, Danmark. Bis nächstes Jahr! Wobei... zwei Wochen später findet in Naestved das Final4 der weiblichen B um die dänische Meisterschaft statt. Mittendrin ZeeBees ehemalige D-Jugend Torhüterin Lina.


    Dein Karsten

    Und weil Handball vor dem Frühstück so schön ist, macht das Team genau das. Erst in die Halle, dann in den Essenssaal. Um 8:35 steht die Begegnung gegen die Norweger von Sandefjord II an. Laut Videostudium muss sich die Mannschaft im Wesentlichen auf eine schnelle und kräftige Rückraum Linke einstellen, die deutlich aus ihrem Team herausragt. Die trifft binnen der ersten fünf Minuten auch gleich zweimal und stellt die Abwehr vor Aufgaben. Doch die Handballgötter meinen es gut mit ZeeBee, die junge Dame schubst beim Gegenstoß Kreisläuferin Emma von hinten, die noch ausreichend Körperkontrolle behält und trifft. Die junge Schiedsrichterin greift jedoch beherzt zur roten Karte. ZeeBees Mädels drehen sich verdutzt um. "War das nicht die stärkste Spielerin?" "Jupp. Schön blöd, gell?"

    Ab da ist die Begegnung absehbar gelaufen. Allerdings scheint die Art und Weise der Verteidigung der ersten Welle bei den Norwegerinnen Methode zu haben. Wenige Augenblicke später schubst eine weitere Spielerin Gastspielerin Annika von hinten beim Gegenstoß, die nicht die Körperkontrolle behält, stürzt und eine Minute liegen bleibt. Die rote Karte hatte die Schiedsrichterin in der ersten Halbzeit bereits gelegt, so dass es dann nur zwei Minuten gibt. Oder war das die Regel mit der grünen Karte? Das norwegische Trainerteam nutzt die Pause und kommt auf ZeeBee zu, Erstaunen ins Gesicht geschrieben:

    "Do you ALWAYS defend like this?"

    "Always. Do YOU always defend like this?", Schubsbewegung vorführend, Zorn ins Gesicht geschrieben.

    Ohne weitere Zwischenfälle geht die Partie mit 16:8 an die Mannschaft, die von vorne und nicht von hinten verteidigt. Frühstück. Beim Turnier gibt es die charmante Tradition des lauten Applauses, wenn jemand einen Becher oder ein Tablett fallen lässt oder eine Sitzbank umstößt. Alle fünf Minuten brandet Applaus auf, die Mädels stimmen munter mit ein. ZeeBee nimmt sich vor, zum Abschluss des Turniers auch Applaus zu verdienen.

    Das nächste Spiel ist um 20:00, der ganze Tag liegt noch vor der Mannschaft. Die Nordsee recht nah, die Ostsee noch näher... wo treffen die sich eigentlich? Tim schlägt einen Abstecher zum Skagerak vor. Die Fahrt führt an der Trainerunterkunft vorbei, ZeeBee sammelt noch die Obstkiste und seine Messersammlung ein. Nach einer Strandwanderung können alle feststellen, dass links die Nord- und rechts die Ostsee ist. Rückmarsch.

    Den Nachmittag verbringt das Team in der Arena Nord. Auf sechs Spielfeldern läuft gleichzeitig Handball. ZeeBee weiß gar nicht, wo er zuschauen soll. Um acht steht das schwerste Turnierspiel an. Die Mädchen treten gegen die Anfängermannschaft der Gastgeber an. Mit über dreißig Jahren Erfahrung weiß ZeeBee, dass das eine "no win position" ist. Egal welche Maßnahmen ZeeBee ergreift, nichts wird die Gemüter besänftigen. Die Mädchen sind vorbereitet. Es wird womöglich gar nicht gewechselt. Alle Leistungsträgerinnen sind auf der Bank und bleiben auf der Bank.

    Die Mannschaft von FFI 3 ist nicht nur eine Anfängermannschaft, sie ist es natürlich auch nicht gewohnt, dass die gegnerische Abwehr auf Balljagd geht. Die heimischen Gegner stehen am Torkreis, bohren in der Nase und warten, bis irgendwann geworfen wird. ZeeBee sieht nach zwei Minuten die Katastrophe kommen, geht zur dänischen Trainerin und informiert, dass die stärkste Formation auf der Bank sitzt und dort bleibt. Der erste dänische Vater kommt zu ZeeBee und beschwert sich erbost über die unverschämte Spielweise. Der Schieri bittet um eine Mäßigung der (körperlosen) Abwehr. ZeeBee beordert die Mädels in eine Raumdeckung zurück. Der Mittelblock positioniert sich auf 11m, die Änderung bringt... nichts. Aus Erfahrung weiß ZeeBee, dass selbst ein Prellgegenstoßverbot keine Verbesserung nach sich ziehen wird. Das Publikum wird immer wütender, ZeeBee geht davon aus, dass vor der Unterkunft bereits brennende Kreuze errichtet werden. Der Schieri wird grantig, fordert ZeeBee auf, die Mädels auf 7m zurückzuschicken und beißt auf Granit. Er würde ja auch nicht der ersten Mannschaft des Gastgebers aufgeben, außerhalb des Neuners zu verteidigen, weil die deutschen Mannschaften es nicht anders kennen. Es folgt die erste Slapstickhinausstellung. Die Spielerin ist perplex und schaut ZeeBee fragend an. Sollte der Schieri nun seine Linie fortsetzen, überlegt ZeeBee mal richtig spielen zu lassen. Eine Anfängermannschaft auf einem großen internationalen Turnier... Schuld ist der Trainer aus Deutschland.

    In der Halbzeit ein Versuch der Deeskalation. ZeeBee weist nun auch den Schieri darauf hin, dass die stärkste Formation noch auf der Bank sitzt. Das vermag den jungen Schieri nicht zu beeindrucken. Der wiederum appelliert an den Ausbildungsauftrag, ZeeBee müsse die Mädels doch früher oder später ohnehin auf die 6:0 Deckung vorbereiten. Das ist der ganz falsche Knopf, ZeeBee schaltet reflexartig in den Hyperarroganzmodus um und erklärt, dass er wisse, was er tue. Der Unparteiische ist skeptisch: "So... you are one of the best?" Deeskalation misslungen. Augen zu und durch, die kleinste und jüngste Formation bleibt auf dem Spielfeld. Die Gegenstoßtore pfeift der Schieri resigniert leise, während der dänischen Angriffe animiert er das Publikum zum Klatschen. Inzwischen bejubelt ZeeBees Bank jede gelungene Aktion der kleinen Däninnen, insbesondere die beiden Tore. 23:2 und keine Leistungsträgerin hat auch nur auf dem Feld gestanden. Im Publikum wechseln die dänischen Schimpftiraden zu Englisch, damit ZeeBee das Gezeter auch ja versteht. Ducken, raus aus der Halle. Die C-Jugend gewinnt parallel ebenfalls deutlich und zieht auch in die A-Finalrunde ein.

    Das Spiel nagt noch stundenlang an ZeeBee. Gibt es keinen Ausweg aus der "no win position"? Alle denkbaren Maßnahmen fruchten entweder nicht oder werden dann als Arroganz ausgelegt. In dreißig Jahren hat ZeeBee alles erprobt, bis hin zu 3:6. Inzwischen bekommt das Team die Aufgabe, dass alle Feldspielerinnen in beiden Halbzeiten je einmal treffen müssen. Das funktioniert zu Hause. Nur wenn die Standarddeckung von den Dänen als Anti-Anfängermannschaftdeckung verstanden wird, hilft auch das nicht. Gibt es wirklich keine Lösung? Während des Spiels hatte ZeeBee finstere, schwarze Gedanken, dem Publikum mal die Alternative aufzutischen, nämlich die stärkstmögliche Formation. Oder eine 1:3 Deckung mit Wurffallen für Außen. ZeeBee dämmert, dass die Lösung komplett außerhalb seiner Denkweise liegen muss. Was würde wohl ein netter Trainer tun? Was würde Buddha tun? Geschenke machen Freunde, geklaute Bälle gibt man zurück. So absurd die Lösung scheint, kann es das Publikum als Arroganz auslegen, wenn die Anfängerinnen 30 Minuten lang jeden abgefangenen Ball zurückgeschenkt bekommen? ZeeBee ist zufrieden.

    Fortsetzung folgt

    Liebes Handballtagebuch!

    Der Rödspätte Cup... sicher nicht der heilige Gral unter den Turnieren, aber für ZeeBee schon recht nah dran. Seit einem Besuch als Gastbetreuer vor elf Jahren ist ZeeBee besessen von dem Turnier, das über Ostern stattfindet. Und das ist das Problem, eine vor- oder pubertäre Mannschaft für ein Event über die Feiertage zusammenzustellen. Vor zwei Jahren war es endlich soweit, durch Erpressung der Eltern stand eine Mannschaft bereit. Covid beendete den Traum.

    Die Zahlen in Dänemark fallen drastisch (klar, wenn niemand testet), die Rückreise könnte ohne Aufenthalt auf einer Aussätzigeninsel erfolgen und fast alle Mädchen sind mit an Bord. ZeeBee heuert noch Trainerkollegen Tim von der holländischen Grenze als Fahrer und Gastbetreuer an. Und da Tim auch eine D trainiert, soll er gleich drei seiner Mädchen mitnehmen. Zwei Trainingseinheiten vor Turnierstart taucht ein möglicher Neuzugang für die kommende Saison im Training auf... auch die wird verhaftet. Kader von 14 Mädchen, inklusive zweier mutiger E-Jugendlichen, die mit auf Reisen wollen. Der Captain kommt nicht mit, die wird über Ostern getauft. ZeeBee findet hierzu nichts in den Genfer Konventionen und muss das hinnehmen. Aber die C-Jugend, designierter Niedersachsenmeister, kommt auch mit. Die D wird in einem 20er Teilnehmerfeld starten, bei der C sind es gar 50 Teams.

    Traditionell spielt beim Cup fast ausschließlich Skandinavien und Deutschland. Das Problem des extrem klebrigen Balls gibt es in der D zum Glück noch nicht, dafür aber das Problem des Kulturkampfes. Bälleklau gegen Fleischmauer, große Räume gegen Abwehrwand. Wer sich besser einstellen kann, gewinnt. ZeeBee ist sich sicher, einen Trumpf zu haben. Werden sich die Skandinavier eigens für das Turnier auf deutsche Mannschaften vorbereiten? Kaum. Sieben Wochen erlernen die Mädels B-Jugend Basics im Training. Sonderschichten samstags. Positionsspiel auf 10m, tiefes Stoßen in den Neuner, Würfe aus der Fernwurfzone, Expresspässe, Tempowechsel, Wechselsperren der Kreisläuferin. Und die Abwehr jedes Mal auf 7m zurückversetzen, um den Ernstfall zu simulieren. Würde die Kinderhandballrichtlinienpolizei in der Halle aufkreuzen, ZeeBee wäre längst verhaftet. Allmählich nimmt der Angriff Form an und Videostudium von dänischen Turnierfinals zeigt, in der D-Jugend kochen sie dort auch nur mit Wasser (allerdings ab der C nicht mehr).

    Tim bringt einen Sprinter mit Überlänge mit, Strauraumsorgen verfliegen im nu. Treffpunkt morgens auf dem Parkplatz. Der Vereinsbus steht auf dem Vereinsgelände. Der Parkplatz ist voll mit Spielerinnen, Eltern, Betreuern. Das Tor zum Vereinsgelände ist abgeschlossen. Das zweite Tor ebenfalls. ZeeBee wird nervös, telefoniert morgens um kurz nach sieben rum. "Quatsch, das Tor klemmt nur!" ZeeBee tritt beherzt gegen beide Tore, die ja nur klemmen und nie abgeschlossen werden. Ein seltsames Klemmen. ZeeBee telefoniert weiter rum. Die C-Jugend verliert die Geduld und fährt los. C-Jugend Trainer Diego ist als Kriecher auf der Autobahn berüchtigt und musste im Vorfeld reichlich dumme Sprüche über sich ergehen lassen, wie viel Vorsprung wohl nötig sei, damit beide Mannschaften zeitgleich in Frederikshavn einlaufen. ZeeBee beschleicht allmählich das Gefühl, dass dunkle Mächte im Spiel sein könnten. Mit einer Stunde Verspätung wird das Tor aufgeschlossen (ist niemals verschlossen und niemand anders hat einen Schlüssel... q.e.d.).

    Zum zweiten Stopp fahren die beiden Busse auf den Parkplatz des Scandiparks von Flensburg und passieren dabei den Laden von Angel Joe. ZeeBee flitzt aus dem Auto, sich noch mit Materialien für die eigentliche Reisebeschäftigung zu einzudecken. Die Mädels plündern derweil den Skandinavian Park und das Betreuerteam bunkert noch Getränke und Grillgut für den Abend. Die ein oder andere Pinkelpause später trifft die D-Jugend in Frederikshavn ein. Diego war schon zur Anmeldung beider Teams, die Mannschaft kann gleich zur Unterkunft in der Schule durchfahren. Schnecke Diego begrüßt die Nachzügler Dass er als erstes vor Ort war, muss sich ZeeBee nun den ganzen Abend anhören. Den ganzen Abend? Erst einmal sammelt ZeeBee die D-Jugend ein für einen Grillabend. Von den Profis hat sich ZeeBee letztes Mal abgeschaut, dass die Mannschaften und Betreuer in Klassenzimmern schlafen, die Trainer sich etwas komfortabler einquartieren. 16 km entfernt wird am Ferienhaus am Meer gegrillt. Zunächst sind die Mädels noch skeptisch, nach und nach können sie sich jedoch für Hotdogs mit röde pölser begeistern.

    Freitagmorgen 8:15 in der Halle. Eines der ersten Turnierspiele und die Mädels dürfen gleich um 9:00 zum Turnierstart antreten. Die Halle liegt in Elling ein wenig außerhalb von Frederikshavn. Der Gegner ist Lokalmatador Strandby/Elling IF I. Die obligatorische Frage: Können die was oder sind sie Quotenmannschaft, weil der Verein eine Halle zur Verfügung gestellt hat? ZeeBee ist sich beim ersten Eindruck des Warmmachens unschlüssig. Zwei größere Spielerinnen, der Rest doch recht klein. Jedenfalls keine Übermannschaft. Vorbesprechung in der Kabine. Wir sind Gäste in Dänemark, fair play, wir haben reichlich gegen defensive Abwehrreihen trainiert, Einsatzzeiten möglichst gemischt, je nach Gegner. Und noch ein wenig bittere Medizin: Als deutsche Mannschaft spielen wir gegen dänische Mannschaften in aller Regel in Dauerunterzahl. Den Schieri komplett ausblenden, einfach spielen.

    ZeeBees chronische Arroganz holt ihn ein. Auch das Einwerfen der Heimmannschaft beeindruckt nicht. Sieben Wochen lang hat ZeeBee die Mädels auf das Spiel gegen eine Fleischmauer vorbereitet... nur eben die vier Gastspielerinnen nicht. Zwei von ihnen stellt ZeeBee entgegen aller Vorsätze in die Startaufstellung auf die Schlüsselpositionen Rückraum Links und Rechts, individuell sicher nun eine starke erste Sieben. Nur steht nicht das Kollektiv auf dem Platz, das eingespielt ist. Halbfeldmanndeckung gegen Fleischmauer... beide Teams haben zunächst ihre Probleme. Die dänische Mannschaft schafft es aber mehrfach, sich durch die Abwehr zu wühlen, während der eigene Angriff nicht so überzeugend vor der Abwehrwand agiert. Und es kommt recht früh ein weiteres Handicap hinzu. ZeeBees Mädchen haben keine dänische Staatsbürgerschaft. Es häufen sich seltsame Regelauslegungen. Gegen eine wirklich nicht überragende Mannschaft wursteln sich die Mädels zu einer 11:14 Auftaktniederlage (gegen den späteren Turniersieger). In der Kabine: "DAS hätten wir ja wohl gewinnen können... mit einem schlaueren Trainer." Danach startet ZeeBee in der Regel mit den Gästen auf der Bank und dem eingespielten Team in der Startaufstellung. Lektion gelernt und es sind ja noch drei Vorrundenspiele.

    Die Mannschaft schaut sich danach die beiden Gegner des Folgetags an. Ein norwegisches Team gegen die dritte Mannschaft des Gastgebers FFI. Eine durchschnittliche Mannschaft gegen eine absolute Anfängermannschaft. Hoffnung für die A-Finalrunde, zumindest scheint es keine Todesgruppe zu sein. Mittags geht es gegen das schwedische Team von Habo Handboll. Für die Schwedinnen das erste Spiel, ZeeBee konnte weder in der Halle noch im Livestream irgendwelche Daten sammeln. Alle vier Gäste auf der Bank, in der Startaufstellung nur die Hannoveraner Mädels. Auch die schwedische Mannschaft mit einer eher passiven, defensiven Deckung. Genau darauf sind die Mädels vorbereitet und zeigen sich nun auch in der Deckung von ihrer besten Seite. Recht bald kann ZeeBee bunt durchwechseln, denn Habo fällt gegen eine so offensive Deckung wenig ein. 21:8. Parallel gewinnt die C am Freitag sowohl gegen Finnland als auch gegen Norwegen souverän. Ein guter erster Turniertag. Oder doch nicht. In der Unterkunft testen die Co-Trainerinnen beide Mannschaften durch, ZeeBees schnellste Spielerin muss zum mitgereisten Papa in Isolation.

    Fortsetzung folgt

    Ich schließe mich dem mal an. Corona scheint schlimmere Folgen für lebenswichtige Organe zu haben, als bislang angenommen:

    Mit der letzten Änderung des bislang unübersichtlichen § 55 [Festspielen] wurde die Anwendung fast kinderleicht. Keine Ausnahmen mehr zu Saisonbeginn, keine Ausnahmen mehr am Saisonende. 


    Festgespielt ist, wer zwei aufeinanderfolgende Spiele der oberen Mannschaft bestreitet (Spiel Nr. 1 und 2). Frei wird, wer entweder zwei aufeinanderfolgende Spiele aussetzt (Spiel Nr. 3 und 4) oder 6 Wochen lang nicht in der Ersten spielt (Coronapause von 9 Wochen zwischen Spiel Nr. 7 und 8). 


    Der Wortlaut von Absatz I: Für Vereine mit mehreren Mannschaften in derselben Altersklasse wird das Spielrecht der Spieler in Meisterschaftsspielen des Vereins in der Weise eingeschränkt, dass ein Spieler nach der Teilnahme an zwei aufeinanderfolgenden Spielen der höheren Mannschaft/en für die niedrigere Mannschaft erst wieder teilnahmeberechtigt wird, wenn zwei weitere aufeinanderfolgende Meisterschaftsspiele der höheren Mannschaft/en ohne ihn ausgetragen worden sind bzw. nach der letzten Teilnahme an einem Meisterschaftsspiel der höheren Mannschaft ein Zeitraum von sechs Wochen verstrichen ist.


      

    Mit der Änderung von vier auf sechs Wochen Pause wurde diese Variante des Freiwerdens nahezu unbedeutend, denn meist waren vorher schon zwei Meisterschaftsspiele der Ersten gelaufen. Und dann kam Corona.


      

    Jetzt gibt es die lustigen Fälle unterhalb der 3. Liga, dass ALLE Spieler mindestens sechs Wochen Pause hatten und niemand mehr festgespielt ist. Also wie zu Saisonbeginn. Genau wie zu Saisonbeginn. Das überfordert bundesweit die Staffelleiter:


      

    Spielerin A spielt Spiele Nr. 1 - 7 in der ersten Mannschaft, es kommt die Coronapause von 9 Wochen, spielt Spiel Nr. 8, ein Spiel in der Zweiten und dann Spiel Nr. 9.


      

    Die Lösung ist ganz einfach: Ab Spiel Nr. 2 bis Spiel Nr. 7 war sie festgespielt, nach sechs Wochen Pause innerhalb der Coronapause wurde sie frei, Spiel Nr. 8 war wieder das "erste" Spiel in der Ersten (wie bei Saisonbeginn), sie durfte dann in der Zweiten mitwirken und spielt sich in Spiel Nr. 9 wieder fest.


      

    Ganz einfach? Überforderte Staffelleiter streichen die Punkte des Spiels der zweiten Mannschaft und verhängen eine Geldstrafe. Sie habe ja in Spiel Nr. 7 und 8 an zwei aufeinanderfolgenden Spielen teilgenommen.


      

    Ist natürlich Unfug, in Spiel Nr. 7 war sie schon festgespielt. Dann wird sie durch die Pause frei. Dann geht es bei "null" los und erst nach Spiel 8 UND 9 ist sie wieder festgespielt. Unfug? Mein Kollege Helge fragt beim DHB nach. Die Staffelleiterin habe Recht! Ich versuche das mal zu entschlüsseln:


      

    Spiel Nr. 7: Spielerin ist festgespielt 

    Spiel Nr. 8: Spielerin spielt sich erneut fest (?!)


    Durch die sechs Wochen Pause zwischendurch war sie wohl nur ein bisschen festgespielt, hätte zwischen Spiel 7 und 8 in der Zweiten spielen dürfen, aber definitiv nicht mehr nach Spiel 8.

    Jeder Spieler kann also den Status haben:

    - nicht festgespielt

    - festgespielt

    - a bisserl festgespielt


      

    Ich gebe beide Urkunden zu den juristischen Staatsexamen zurück.

    Mal was ganz anderes.

    Zweifach- und Gastspielrecht (§ 19 a, b SpO DHB)

    Vor allem das Zweifachspielrecht kommt in Niedersachsen immer mehr zum Zuge, für das Gastspielrecht kenne ich aktuell nur ein Beispiel. Was hat es damit auf sich?

    1. Zweifachspielrecht

    Von C bis A-Jugend können Talente ein zweites Spielrecht beantragen und für einen weiteren Verein spielen. So bluten die Breitensportvereine nicht so schnell Talente aus, nebenbei können talentierte Jugendliche aber noch Trainings- und vor allem Spielpraxis in einer höherklassigen Mannschaft sammeln.

    Möglichkeit 1

    Das Talent spielt im Erstverein in seiner Altersklasse (ggf. noch eine Altersklasse höher) und im Zweitverein in seiner Altersklasse, aber mindestens eine Liga höher als zu Hause.

    Möglichkeit 2

    Das Talent spielt im Zweitverein in der nächsthöheren Altersklasse, allerdings darf der Einsatz nur in einer Liga erfolgen, die mindestens eine Liga höher ist als im Heimverein. Dort kann weiterhin gespielt werden.

    In beiden Varianten hat der Heimverein das Sagen bei Terminkollisionen. Es ist zwar nicht ausdrücklich geregelt, ich nehme aber an, wenn gegen den Willen des Erstvereins bei zeitlich parallelen Spielen dann im Zweitverein gespielt wird, hierfür keine Spielberechtigung besteht. Es droht die Wertung des Spiels. Sollte der DHB ggf. noch mal konkretisieren.

    Jeder Verein kann pro Altersklasse A bis C je drei Talente aufnehmen und drei Talente "verleihen" (aktuelle Saison ausnahmsweise 5). Die Option eigener Verein D-Jugend und Zweitverein C-Jugend gibt es nicht. Die Meldefrist läuft vom 01.07. bis 30.11. (aktuelle Saison ausnahmsweise 31.12.).

    Fallstricke:

    - alle Beteiligten müssen die 48-Stunden-Regelung für Jugendliche im Auge behalten, die Punkte des 3. Spiels in dem Zeitraum sind dann weg

    - der Zweitverein darf das Talent ausschließlich in einer Altersklasse einsetzen

    - Vorsicht bei Einsätzen in der Reserve im Zweitverein: Auch die Mannschaft muss zum Erstverein höherklassig sein und Festspielen ist natürlich auch hier im Zweitverein möglich, aber nur im Verhältnis zur dortigen zweiten Mannschaft.

    In der Praxis

    Wir haben eine wC in der Oberliga und meine wC II in der Landesliga eine Liga tiefer. In der Oberligamannschaft spielen aktuell 3 Mädchen mit Zweifachspielrecht aus zwei unterschiedlichen Vereinen, die wiederum spielen mit ihren Heimvereinen gegen meine C II, dürfen also nicht bei mir spielen. Ich wiederum habe eine Spielerin aus der untersten von vier Ligen bei mir, die auch Einsätze in der Oberliga bekommt, wo sie sich natürlich nicht festspielen darf.

    Andersherum verfolge ich die Entwicklung von Mädchen, die aus der Landesliga an andere Vereine in die Oberliga verliehen werden. Da findet eine starke Entwicklung statt, die sich sowohl im Heimverein als auch im Zweitverein bemerkbar macht. Extrembeispiel siehe Handballtagebuch, eine Landesauswahlspielerin ist zu Hause in der LL C-Jugend völlig unterfordert und spielt parallel noch Oberliga B-Jugend im Zweitverein. Eines der größten Talente im HVN derzeit, die sicher den richtigen Schritt gemacht hat.

    2. Gastspielrecht

    Aufgrund der Voraussetzungen naturgemäß wesentlich seltener. In allen Jugendaltersklassen kann ein Gastspielrecht für einen Zweitverein beantragt werden, wenn die eigene (und ggf. auch die nächsthöhere) Altersklasse zu Hause nicht besetzt ist. Das Gastspielrecht gilt für die eigene Altersklasse, im genannten Ausnahmefall auch für die darüber. Ich gehe davon aus, dass das auch für Mädchen gilt, wenn der Heimverein in der E oder D nur eine Jungsmannschaft hat, in der das Kind mitspielen dürfte.

    Die Fristen wie oben (eine Besonderheit zum Gastspielrecht für Quali-Spiele vor der Saison ist in § 19 b Abs. III SpO geregelt). Es gibt keine zahlenmäßige Beschränkung.

    3. Das Kreuz

    Im Idealfall haben wir

    - die Abwehrspielerin aus ihrem Sektor/"Streifen" an den Rand des Sektors gezogen,

    - immer noch Körperkontakt Abwehrspielerin/Ballführerin

    - der Ball ist in der taktisch richtigen Hand, von der Abwehr abgewandt

    - reinkreuzende Spielerin im Sprint

    - die drei Spielerinnen im Moment des Passes auf einer schrägen Linie

    - einen Pass über anderthalb, zwei Meter

    DANN sind die Chancen auf Überlaufen der Abwehrspielerin gut. Das Wettrennen um die aufgezogene Lücke kann klappen.

    Korrekturen:

    - Die Abwehrspielerin ist nicht am Rande des Sektors: Dann bleibt die Mitspielerin auf ihrer Position und geht parallel! Es wird nicht gekreuzt oder aber aus dem Kreuz gleich die Folgehandlung vorbereitet, wenn man die Abwehrspielerin schon mal in Bewegung hat. Für mich geht (jedenfalls bei der Einführung, wo ich sehr penibel bin) "parallel" immer vor kreuzen, wenn der Auftakt nicht den kleinen Stellungsvorteil für die reinkreuzende Spielerin bringt.

    - Kein Körperkontakt: Wenn die Abwehrspielerin dafür immer noch volle Konzentration auf die Ballführerin hat, passt das schon. Ansonsten soll die Ballführerin aktiv den Körperkontakt suchen und die Abwehrspielerin mitziehen.

    - Kreuz in Höchstgeschwindigkeit: Antraben reicht nicht, es muss der Wettlaufcharakter rausgestrichen werden. Neue Ballführerin gegen die sich wieder schließende Lücke.

    - Keine "Linie" der drei Spielerinnen:

    a) Reinkreuzende Spielerin ist im Moment des Passes noch weit weg, es kommt der 3m und mehr Pass. Die Abwehrspielerin hat reichlich Zeit zum Richtungswechsel und schließt die Lücke.

    b) Der optimale Moment ist verpasst, die reinkreuzende Spielerin ist am taktisch richtigen Arm vorbei. Die Ballführerin muss nun entweder überdrehen und den Ball hinterherschubsen oder die Hand wechseln, um den Ball loszuwerden. Kostet alles zu viel Zeit.

    Hier muss am Timing gefeilt werden. Hilfreich als Vorübung immer wieder ein Passkontinuum. Zwei Reihen auf benachbarten Positionen, ein Ball und dann Dauerkreuzen. Der "Kreuzpunkt" immer im Wechsel leicht rechts und links von der gedachten Mitte zwischen den beiden Positionen. Schwerpunkt weniger der torgefährliche Auftakt, als viel mehr das Timing und das Raumgefühl. Für Anfänger einfach mal den Ball übergeben statt passen lassen. Das Timing stimmt, wenn die Ballführerin keine Kaffeepause einlegen muss, während sie den Ball nach hinten anbietet.

    - Die Distanz ist zu groß: Der Abstand beim Pass muss möglichst klein sein, um der Abwehrspielerin einen möglichst späten Start in den Richtungswechsel zu geben. Geht der 3m Pass erst einmal zur Seite oder nach hinten, reicht der Zeitraum, um die Lücke wieder zu schließen. Hier ist aber auf die Gefahr bei 50 cm Pässen zu achten, die der Partnerin schnell mal an den Kopf geworfen werden. Bei ganz enger Übergabe den Ball nur leicht schubsen.

    - Im Training gehen 2/3 aller Auftakthandlungen nach rechts: Statistisch üben im Regelfall zwei Rechtshänderinnen nebeneinander. Die Ballführerin wählt immer den einfachen Weg zur Hand, die reinkreuzende Spielerin bekommt den undankbaren Weg gegen die Hand. Gegensteuern, damit wir halbe/halbe in beide Richtungen die Kreuzung trainieren.

    - Die verlockende Abkürzung: Anfängerinnen biegen gerne mit dem Pass sofort ab und gehen auf die angegriffene Lücke der Auftakthandlung. Besonders verlockend, wenn wir noch im 1:1 plus 2 sind, also eine Lücke zwischen Abwehrspielerin und Hütchen haben. Hier muss klar werden:

    große Lücke = gut

    kleine Lücke = doof

    Wie bei der Einführung ins Positionsspiel und Stoßen muss der Schwerpunkt darauf liegen, die große Lücke auszugucken und anzugreifen, nicht die nähere Lücke. Aus dem Feldmann'schen Angriffsprinzip Nr. 2 "Vorfahrt für den Ballführer!" folgt fast denknotwendig: "Nicht dieselbe Lücke wie die Nachbarin angreifen!" Zumindest nicht, solange wir die Grundlagen schulen.

    - Die Abwehrspielerin schiebt ohne Mühe die reinkreuzende Spielerin weiter: Bei uns die erste Auffälligkeit, als ich den Ball übergeben statt passen ließ. Der Winkel des Laufwegs war nun parallel zum Neuner, mit wenig Kraft kann die Abwehrspielerin ihre übernommene Gegenspielerin quer schieben. Auch beim kurzen Pass droht die Gefahr. Wir brauchen noch eine kleine Kurve/ein kleines Hakenschlagen, um mit spitzerem Winkel in die Lücke zu gehen.

    - In der Ausgangsübung folgt nun das Endloskreuz: Vor jeder einzelnen Entscheidung, ob Kreuzen oder Parallel, muss wieder die Beobachtung erfolgen, ob die Abwehrspielerin a) am Rande des Sektors ist und b) noch auf den Zweikampf fokussiert. Wenn absehbar ist, dass ich in die Arme der Abwehr laufe, dann parallel gehen (oder einen tollen Plan haben). Hier werden die entscheidenden Weichen gestellt: Bekomme ich Spielerinnen, die Handball verstehen oder Spielerinnen, die auf Laufwege dressiert sind! Beobachten... richtig entscheiden!

    - Im Training spekuliert die Abwehrspielerin auf das Kreuz und löst sich früh, öffnet den Weg zum Tor, die Ballführerin ist aber auf das Kreuz fixiert: Als wir den Ball übergeben ließen, konnte die reinkreuzende Spielerin das Kreuz ausschlagen und das Signal setzen, selbst zu gehen. Mit Wiedereinführung des Passes gab es kein Ausschlagen des Kreuzes mehr. Kommando: "GEH!" vor dem Pass kann das Problem lösen

    An anderer Stelle schon erwähnt:

    wC Landesliga TV B - TUS B 39:40

    Zwei der bislang überzeugendsten Abwehrreihen, meine halbe C/halbe D gegen eine der körperlich stärksten Mannschaften. 79 Tore in 50 Minunten... und ich war hinterher auf meinen Angriff sauer, wo nichts der letzten beiden Trainingseinheiten umgesetzt wurde.

    Nachholspiel gegen den ungeschlagenen Tabellenführer in der C-Jugend. Wir mit halber D-Jugend, der Gegner mit den Leistungsträgerinnen fast ausschließlich aus dem älteren Jahrgang C-Jugend und körperlich deutlich überlegen. Nach dem Spiel (39:40 - bislang zwei der statistisch stärksten Abwehrreihen, man mag es kaum glauben) rege ich mich eigentlich nur über die Angriffsleistung auf, weil die zwei Trainingseinheiten zuvor vollkommen für die Katz waren und die Mädels nichts von den vier Auslösehandlungen mit Varianten umgesetzt haben (vielleicht ist das auch schon des Rätsels Lösung). In der Abwehr lief natürlich auch nicht alles rund, es wird eine elementare Baustelle aufgedeckt. Der Gegner düpiert uns dreimal mit einem dressierten Dreierkreuz in der Variante, wie ich sie auch Zirkustieren beibringen könnte. Übergeben/Übernehmen haben wir im D-Jugend Training mal in der Theorie angeschnitten und in Grundspielen touchiert. Setzt aber natürlich voraus, dass Kreuzen an sich schon mal auf dem Lehrplan stand. Hätten wir also eine sinnvolle Beschäftigung.

    Einführung Kreuzen

    Das große Mysterium. Jeder kennt es, die Meisten wenden es an, fast niemand versteht es. Von Peter Feddern gab es vor Urzeiten in der "handballtraining" mal den Artikel "Kreuzen oder Parallel". Lesenswert! Notfalls mal in der Unibibliothek mit Sportwissenschaften raussuchen! Ich tippe auf Anfang der Neunziger.

    Erste Einheit Einführung Kreuzen. Einfacher Aufbau. Abgesteckter Sektor im Zentrum als Durchbruchraum, von Vorne Mitte bewacht. Der Rückraum ist vollständig besetzt (bei uns in der D-Jugend Version, also RL/RR eher eng und nicht auf der Seitenauslinie). RM soll entweder a) den Zweikampf gegen VM gewinnen oder b) VM an den Rand ihres Sektors ziehen und das Kreuz mit der Nachbarin einleiten.

    Ich habe zwei E-Jugendliche, drei C-Jugendliche und fünf D-Jugendliche (Stützpunkttraining, Impfung, Aua, Bauchweh beim Rest). In der Abwehr parke ich ausschließlich abwehrstarke Mädels, die ihren Zweikampf auch gewinnen können und nicht ständig überlaufen werden. Verlorener Zweikampf gegen RM, dann Sonderaufgabe für VM. Die Übung ist so gedacht und ausgerichtet, dass die Aufgabe in der Regel besser im 2:1 gelöst werden kann. RL/RM sind zunächst mitstoßende Anspielstationen, die erst über die Kreuzung aktiv in das Geschehen eingreifen dürfen.

    1. Der Ausgangszweikampf

    RM soll nicht nur Torgefahr ausstrahlen, sondern auch den Abschluss suchen. Sonst gehen die Alibi-Kreuzungen los. Wenn keine Torchance rausspringt, soll im Regelfall der Zweikampf dazu führen, dass RM von VM bis zum linken oder rechten Rand des Sektors begleitet wird (die Abwehrspielerin aus ihrer Position ziehen). Im Idealfall haben wir nicht nur Körperkontakt, sondern die Abwehrspielerin hat ihre Hauer in den Hals der RM geschlagen und lässt erst los, wenn der Torpfiff nach dem Kreuz kommt. Der Körperkontakt darf ausdrücklich gesucht werden, der Passarm samt Ball muss allerdings geschützt nach hinten abgewandt bleiben. Der Ball befindet sich in der taktisch richtigen Hand, auf der Passempfängerin zugewandten Seite.

    Korrektur: Die Abwehrspielerin antizipiert das Kreuzen (Kreuzen ist ja Trainingsinhalt und kommt nicht ganz überraschend) und lässt kurz vor dem Pass ab, um (eigentlich zu) früh übernehmen zu können. Hatten wir gestern reichlich. Jetzt KANN der automatisierte Pass zur Nachbarin kommen, die dann in die Arme der VM läuft. ODER RM behält einfach den Ball und tippt, wenn sich die Abwehrspielerin löst... UND SCHMEISST DIE KUGEL INS TOR.

    2. Die reinkreuzende Spielerin

    … geht zunächst immer erst einmal parallel mit! Wenn der einleitende Pass 3 Meter nach hinten gespielt wird, verpufft der Ausgangsvorteil der großen aufgerissenen Lücke, die Abwehrspielerin kann rechtzeitig die Richtung wechseln. Bei diesem Übungsaufbau hält RL/RR die Position bis VM tatsächlich den Rand des Sektors (bei uns Hütchen/Pylonen) erreicht hat. Notfalls verbleibt sie auf Halb und RM geht durch oder bricht ab, wenn VM sich nicht ziehen lässt. Im richtigen Leben (2:2) muss RL/RR natürlich auch noch die eigene Gegenspielerin beobachten, ob sie sich Richtung Ball locken lässt oder nicht. Das kommt als Beobachtungsaufgabe hinzu zur Entscheidung "Kreuzen oder Parallel".

    Erreicht VM den Rand des Sektors, wird in Höchstgeschwindigkeit die Kreuzung aufgenommen (sonst verpufft wieder der Vorteil) und so dicht hinter der Ballführerin langgelaufen, dass der Ball fast übergeben werden kann (s.o., deswegen vorher immer auch der Parallelstoß).

    Korrektur: Ich überlege ernsthaft, ob ich morgen die Übung so abändere, dass der Ball übergeben werden MUSS. Erstens haben mich die Mädels gestern wahnsinnig gemacht, weil 2 m Pässe auf 1,5 m bereits verhungert sind. Zweitens möchte ich die Entscheidung einbauen, dass das Kreuzen aus taktischen Gründen ABGELEHNT werden kann. Die Ballführerin bekommt in dem Eifer des Gefechts gar nicht mit, dass sich die Abwehrspielerin bereits in der Gegenbewegung befindet. Vielfach entging gestern RM eine klare Torchance, weil sie auf die Kreuzung programmiert war, obwohl VM längst weg war, der Nachbarin den Ball zuschmisst, die auf VM aufläuft. Wenn ich übergeben lasse, kann RL/RR ggf. verweigern/den Ball anticken oder wegwischen und so das Signal setzen für den eigenen Durchbruch. Die Variante erst einmal zur Einführung, den nächsten Schritt überlege ich mir noch.

    Fortsetzung folgt

    1-gg-1 Korrekturen in der Manndeckung

    Nach langer Pause wieder ein Punktspiel in der C-Jugend. Zweithöchste Liga, halbe/halbe C- (Jungjahrgang) und D-Jugend (Altjahrgang) auf unserer Seite. Erste Halbzeit spielen wir Halbfeldmanndeckung, zweite Hälfte erstmals diese Saison eine Raumdeckung. Die Prinzipien der Raumdeckung haben wir viel trainiert, nur hatte ich im Spiel bislang noch nie umgestellt. Die Heimmannschaft ist punktlos auf dem letzten Platz. Zwei torgefährliche Spielerinnen mit einem Schnitt von rund je 6 Toren pro Spiel. Linkshänderin auf RA/RR und die große RL. Es ist das Rückspiel, wir kennen den Gegner.

    "Mismatch" auf Halbrechts. Meine D-Jugendliche Jarla ist zwei Jahre jünger als RL und mindestens einen halben Kopf kleiner. Kampfgewicht sicherlich zwei Klassen Unterschied. 1:0, 2:0, 3:0 - lupenreiner Hattrick von Rückraum Links. Jarla wird dreimal einfach überlaufen, RL hat dann freie Bahn zum Tor.

    Nach dem 2:0 beginne ich mit der Korrektur: "Lass sie prellen! Zurücksinken! Erst beim Prellen Körperkontakt aufnehmen!"

    Jarla ist gedanklich noch etwas in der Einführung 1-gegen-1 Raumdeckung gefangen: Nachbargegenspielerin passt den Ball, im Moment des Passes aus der Abwehrkette raustreten/rauslaufen, Körperkontakt Schulter/Schulter bzw. Wurfarmschulter/Hüfte Gegenseite.

    Problem: Wir verteidigen gerade auf 13 bis 15 m tendenziell eher ohne Kooperation, die Gegenspielerin ist zwei Jahre älter und fast einen Kopf größer. Und hat halt die längeren Beine. Vor dem 3:0 kommt meine Korrektur noch nicht ganz an. Jarla sinkt noch nicht konsequent zurück, Gegenspielerin beginnt erst hinter ihr zu prellen. Ich hole sie mir an die Seitenlinie.

    Wir haben das Prinzip, dass die Mädels in der Deckung untereinander tauschen sollen, wenn sie mit ihrer Gegenspielerin nicht klar kommen (zu groß, zu schwer, zu klein, zu schnell, zu wendig). Das muss nicht immer meine Aufgabe sein. In lichten Momenten tauscht auch mal die stärkere Abwehrspielerin in Eigeninitiative. Meist ist es aber anders herum, die überforderte Abwehrspielerin bittet um den Tausch. Oder auch nicht (zu stolz, zu eigensinnig, zu abgelenkt, zu angefressen, Prinzip vergessen).

    Hier sehe ich zwar das "mismatch", nicht aber die Überforderung. Klein gegen groß weit vor dem Tor, Rückraumspielerin ist keine Überspielerin.

    "Lass sie erst prellen, vor der Prellhand schräg zur Mitte zurücksinken, erst beim Prellen Körperkontakt aufnehmen, linke Hand zur Prellschulter, rechte Hand greift den Ball an!" (In Wirklichkeit etwas kürzer, das wäre die Langfassung unter weniger Zeitdruck.) Jarla setzt die Korrektur aber genau so um.

    Der Spuk ist vorbei, Rückraum Links (im Schnitt 6 Tore/Spiel, also auch gegen stärkere Gegner) macht im gesamten Spiel noch ein einziges Tor (insgesamt 4) gegen eine körperlich kleinere Deckung (erste Halbzeit Halbfeldmanndeckung, zweite Halbzeit 1:5 fast genauso offensiv).

    Ganz ähnlich hatte mal meine ehemalige Kreisläuferin gegen eine deutlich größere RL zu kämpfen, die sich auf den Überzieher spezialisiert hatte. Zwei, drei Durchbrüche in Folge und eine Abwehrspielerin mit Tränen in den Augen. Auch dort war das Zurücksinken das Geheimnis, danach waren die technischen Möglichkeiten der Rückraumspielerin schon erschöpft. Der eine Trick verpufft vor der Abwehr, nun müsste sie mit Handballspielen anfangen... schade.

    Häufige Korrektur von mir: "Wir verteidigen nach vorne, nicht zur Seite!", wenn die Abwehrspielerin zögert, nur reagiert und Lücken anbietet, statt die Angreiferin anzugreifen. In manchen Fällen verteidigen wir aber erfolgreicher erst einmal nach hinten!

    Noch mal pointiert:

    1:1 Manndeckung

    Wenn deutlich in der Fernwurfzone oder weiter vom Tor weg, vor der Ballführerin zurücksinken. Wenn sie vor mir prellt... gut, wenn sie hinter mir prellt... böse. Abwehrspielerin sinkt vor dem Prellarm zurück (muss ja gar nicht der Wurfarm sein, gibt es manchmal), bzw. sinkt Richtung Tormitte zurück. Nach ein, zweimal prellen dann die spiegelverkehrte Hand zur Prellschulter, die freie Hand greift den Ball an.

    1:1 "normale" Raumdeckung

    Hier möchte ich - in der Regel - Körperkontakt bei der Ballannahme und keine Erst-Aktion der Ballführerin vor der Abwehrkette. Schrägstellung, Orientierung an der Wurfamschulter, die Wurfarmseite kontrollieren. Weit vor dem Neuner reicht mir ein "Stellen" der Gegenspielerin, Schrittstellung, schräg auf Wurfhandseite. Der Weg zum Tor kann auf der Gegenhandseite sogar offen sein, die Wurfarmseite wird verstellt und bleibt zu. Rechtshänderin auf RR eher die Mitte zustellen als die Wurfhand. Kommt dann aber auch auf die Gegenspielerin an, wie stark sie zur Hand ist.

    Beispiel 1: Olympiade 2008. Freiwurf für Dänemark auf RL in letzter Sekunde bei 24:24. Die russische Mauer formiert sich. Wie immer: Wie die Orgelpfeifen die Großen in die Mitte, ganz links und rechts die lütten Außen. Mikkel Hansen wemmst den Ball auf Wurfhandseite über den - hier niedrigen - Block ins lange Eck.

    Beispiel 2: Eulencup Tarp, Jugendspiel, Unentschieden, Freiwurf nach Schlusspfiff auf etwa 15 m. Ich sitze auf der Tribüne und murmele: "Die Mauer muss weg! Die Mauer muss weg!" Mein Nachbar schaut mich entgeistert an. Anpfiff, Wurf durch die Mauer, der Ball wird halb geblockt und abgefälscht, landet im Tor. Mein Nachbar schaut mich entgeistert an.

    Beispiel 3: Irgendein Spiel meiner Mädels. B oder C Jugend. Freiwurf in letzter Sekunde. Das Spiel ist längst entschieden. Wie IMMER in so einer Situation beordere ich alle Mädchen weg. Schieri zeigt mir Gelb wegen Unsportlichkeit.

    Die Abwehr beim direkten Freiwurf

    Mal ehrlich... hat schon mal wer einen direkten Freiwurf gesehen, bei dem der Schütze mittig über den Block geworfen hat, also dahin, wo der Torwart hinter der Mauer steht? Wir sind uns zwar alle einig, dass wir keinen quer liegenden Spieler unmittelbar hinter der Mauer brauchen. (Witzigerweise haben die Fußballer nach über hundert Jahren gemerkt, dass das nützlich sein kann...) Aber warum zum Teufel werden ÜBERALL die Zwerge vor die Wurfhand gestellt?! Bis hin zur russischen Nationalmannschaft! Wer eben noch über die Fußballer geschmunzelt hat...

    Ich habe es selbst erlebt. Wir liegen sieben Tore zurück. Stellen auf Manndeckung um. Ich coache mit zu dem Zeitpunkt noch nicht erkannter Lungenentzündung. Zum Freiwurfpfiff in letzter Sekunde führen wir mit einem Tor. Ich bin krankenhausreif und habe nicht mehr die Kraft und Konzentration, die Mauer irgendwie zu stellen. Der Freiwurf ist auf 14, 15 m, die Mädels sortieren sich vollkommen chaotisch in Paaren zwischen 6 und 11 m. Bevor ich einschreiten kann, folgt der Pfiff, Wurf, einer der drei Mini-Mauern fälscht den Ball ab, der bekommt mächtig Spin, landet bei meiner Torhüterin vor den Füßen... und springt wie ein Dreher um sie rum. Zumindest im Mädchenhandball nehme ich den Block weg, wenn der Freiwurf deutlich außerhalb des Neuners geworfen werden muss.

    Und warum ich damals eine Verwarnung bekommen habe, weil ich bei einem vollkommen unbedeutenden Freiwurf von 9m die Mauer weggenommen habe, weil ich keinen Kopftreffer mehr riskieren wollte, weiß ich bis heute nicht. In der Situation stelle ich NIE eine Mauer. Warum auch? Weil der verkalkte Schieri es so noch nie erlebt hat? "Die Mauer muss steh'n! Die Mauer muss steh'n!"

    Moin!

    Ich suche Ideen für eine oder mehrere Falltechniken für Kreisläufer. Meine KM wD hat neulich bei einem Turnier sensationellen Einsatz gezeigt und sich richtig reingehauen, allerdings ohne Rücksicht auf Verluste. Sie springt in den Sechser und fällt dann wie ein Stein zu Boden. Am folgenden Trainingstag war die Hüfte grün und blau, sie musste pausieren. Das Durchgleiten/den "Pinguin" üben wir im Training, passt aber nicht für die Situation, dass die Spielerin mehr oder minder senkrecht fällt. Und bloßes "Abfangen mit den Armen" erscheint mir nicht ausreichend.

    Fällt wem was dazu ein? Gibt es Techniken für KM? Ich habe mir für Januar erst einmal einen Weltklasse Judoka zum Training eingeladen, um über Falltraining überhaupt mal zu Lösungsansätzen zu kommen. Da finge ich aber bei Null an. Es kann aber eigentlich nicht sein, dass ich das Rad neu erfinden muss.

    Liest hier vielleicht ein Kreisläufer mit, ggf. auch mit Erfahrung aus dem Leistungsbereich?

    - Exkurs: Bremsbewegungen
    Zwei Arten von Bremsbewegungen sind mir bislang aufgefallen, die ich korrigiere. Zum einen gibt es eine Stoppbewegung der Schultern. Die Oberkörperverwringung wird im Wurf aufgelöst und wenn die Schultern wieder die reguläre Haltung haben, wird gestoppt. Ab da arbeitet der Wurfarm ohne den Oberkörper. Auf dem Bildschirm habe ich aus der seitlichen Perspektiv kurz vor der Landung den Blick auf die Wurfarmschulter und sehe weder Brust noch Rücken.

    Dann wird der Wurfarm gerne abgebremst und runtergenommen, sobald der Ball losgelassen wird. Entweder verharrt der Arm noch kurz in der Wurfstellung oder er sackt runter. Der Wurfarm stoppt wenige Zentimeter nachdem er den maximalen Armzug durchgeführt hat. Das Abbremsen MUSS sich bereits auf den Wurf ausgewirkt haben.

    Statt des Schulterstopps möchte ich auf dem Bildschirm ein klein wenig Rücken erkennen können, ein Überdrehen der Schulterachse über die Normalstellung hinaus. Und bei der Wurfbewegung heißt es klassischerweise für Anfänger: "Zieh den Wurfarm durch und klatsch mit der Handfläche auf den gegenüberliegenden Oberschenkel!"

    - Die Königsdisziplin: Korrektur des Wurfarms
    a) "Kurbel" oder "Windmühle"
    Auf dem Bildschirm lässt sich schön ein Halbkreis nach hinten zeichnen von der Brust oder vom Bauch, am Hintern vorbei, dann nach oben - der Weg des geführten Balls. "Bist Du eine Windmühle?"

    Ja... im Spitzensport ist die Bewegung auch zu sehen. Einfache Frage: Wenn das Sprungbein nach oben arbeitet, das Schwungbein nach vorne und oben, der Nichtwurfarm ebenso... kann es dann richtig sein, dass der Wurfarm nach HINTEN Schwung holt?! Wäre es nicht optimal, wenn alle Körperteile zusammenarbeiten?

    Ich wünsche mir jedenfalls entweder ein schwungvolles Hochreißen mit dem "Ball am Ohr vorbei" oder bei vorgezogener Ausholbewegung dann zumindest ein schnelles Hochstrecken des Balls.

    b) Sprungwurfabsicht "verraten"
    Eine unserer eleganteren Spielerinnen hatte die Eigenschaft, den Wurfarm auf den letzten beiden Schritten schon hochzunehmen, die Ausholbewegung zu einem Großteil vorwegzunehmen. Sah elegant aus, verriet der Abwehr aber früh ihre Absicht zu springen. Wir konnten die Ausholbewegung auf den Absprung verschieben.

    c) Stoßen statt werfen
    Anfängerinnen praktizieren schon beim Schlagwurf etwas wie Kugelstoßen, der Ellenbogen hängt durch und der Arm bildet eher ein "V" als ein "L". Der Ball muss wesentlich weiter nach hinten gestreckt werden, der Ellenbogen soll mindestens auf Schulterhöhe und zwischen Ober- und Unterarm muss mindestens ein rechter Winkel her, eben das "L".

    Eine unserer Gastspielerinnen mit Zweifachspielrecht nimmt den Arm zurück, der Ellenbogen hat die richtige Höhe aber der Unterarm bildet eher einen 80° Winkel als ein "L" mit 90°. Ich habe zunächst vergeblich korrigiert, bin dann aber in mich gegangen. Der Wurf war trotz der für mich suboptimalen Armhaltung recht stramm. Dann haben wir ihren Wurf noch mal analysiert. Aus dem an sich zu kleinen Winkel schießt der Ellenbogen nach vorn, der Unterarm klappt nach hinten und sie katapultiert den Ball über den Ellenbogen mit recht anständiger Wurfkraft nach vorn. Mit weiterer Korrektur bekäme ich vielleicht den Abwurfpunkt etwas höher, aber die Wurfgeschwindigkeit womöglich nicht schneller. Also gebe ich bei überwiegend "ästhetischer" Korrektur nach und lass ihr ihren eigentümlichen Wurf.

    d) Arm wird nicht durchgezogen
    Siehe oben unter "Bremsbewegungen"

    e) Armführung
    Auch wenn ich bei der Ausholbewegung darauf beharre, dass der Ball am Ohr vorbei geführt wird, beim Wurf darf es deutlich über Kopfhöhe sein.

    - Handgelenk
    a) Arm schiebt den Ball
    Auch eher ein Anfängerproblem, der Arm scheint unter dem Ball durchzuschieben, die Handfläche zeigt durchgängig nach oben und es kommt ein Würfchen. Hier zunächst mit einfacheren (kleineren) Wurfgeräten als dem altersangemessenen Handball üben. Das Handgelenk wird beim Ausholen zurückgeklappt, erreicht eine Vorspannung und wird dann beim Wurf nach vorn geklappt ("Mausefalle"). Insbesondere von Eckenaußen wichtig.

    b) Rechtshänder auf der rechten Seite oder beim Wurf zur WA-Gegenseite
    Der Wurf leicht oder extrem gegen die Hand geht immer links am Tor vorbei. Häufig hat der Ball noch einen Spin. Kleines anatomisches Problem, das den Wurf auf der schwierigeren Spielfeldseite oder gegen die Hand anspruchsvoll macht. Die Hand liegt beim Wurf eher nicht hinter dem Ball, sondern schräg rechts hinten. Beim Wurf selbst dreht die Hand auf die rechte Seite des Balls. Ist eben ein anatomisches Problem. Anweisung: "Den Daumen beim Wurf nach vorn drehen!" (Natürlich nicht vor den Ball, aber zumindest deutlich auf die linke Seites des Balls.

    - Und neu im Programm: Die Hüfte
    Die zweite große Baustelle meiner Langen neulich war erst in der dritten oder vierten Wiederholung aufgefallen. Der Wurf fiel extrem unrund aus. Ich hatte die Schrägstellung der Schulterachse erkannt. Es gab einen Kick des Schwungbeins, so dass ich ausschließen konnte, dass das rechte Knie nach links verrissen wurde. Und dennoch war die Verwringung total misslungen... warum nur? Bis ich den Blick etwas tiefer senkte, wo die junge Dame unmittelbar vor der Wurfbewegung die Hüfte blitzschnell gegen den Uhrzeigersinn, also mit der Wurfrichtung, schraubte. Die Hüfte nahm die Wurfbewegung vorweg und simulierte quasi den Durchbruch zur Wurfarmgegenseite mit seinen sperrigen Tücken - nur eben mitten im Sprung! Wie ich das rausbekomme, weiß ich noch nicht. Aber die Hüfte darf sich halt nicht in den Wurf einbringen und muss "ungedreht" bleiben.


    Nur am Rande: Für mich UNERLÄSSLICH in der E und D-Jugend, mindestens einmal die Woche (totally old school) 10 Minuten stumpfes Ballern auf den Boden und gegen die Wand! Wo soll der Wurf sonst herkommen?

    So... ich erwarte dann alsbald die Nominierung für das HE-Verdienstkreuz :D und HÄTTE GERNE NACHAHMER! :hi: Liest hier niemand mit ein wenig Trainererfahrung? Ich kann fast ausschließlich aus dem Kinderhandball referieren. Wäre doch mal interessant, aus dem Leistungsbereich Jugend oder Damen/Herren zu lesen!

    Und noch mal was für das Training, allerdings im Bereich der Beobachtungsaufgaben. Über einen Korbballtrainer in der Elternschaft bin ich zur Videoanalyse (Dartfish express, genügt für den Einstieg, lässt aber keine Exporte der Videodateien zu) im Techniktraining gekommen. Samstags mache ich zwei Stunden Kleingruppentraining mit Vierergruppen, zusammengestellt aus E bis A-Jugendlichen und seit letzter Woche auch mit talentierten Brüdern meiner Mädels.

    Beobachtungsschwerpunkte Techniktraining Sprungwurf
    Ein weiteres Steckenpferd von mir ist die Bewegungsanalyse. Mit Hilfe von Zeitlupe (Viertelgeschwindigkeit, mit dem Zeigefinger auch steuerbar vor und zurück) auf dem Tablet kann sich fast keine Baustelle mehr verstecken, außer ggf. durch die Kameraperspektive. Mit den Mädels gehe ich alle relevanten Körperteile für den Sprungwurf durch.

    Übungsaufbau: Kastenoberteil zum Absprung auf 9m und RM, dahinter zwei Turnmatten Richtung Tor, das Kastenoberteil angehoben und mit der Kante ganz an die erste Matte rangeschoben. Der Fuß soll mittig und niemals auf die vordere oder hintere Kante gesetzt werden. Durch den erhöhten Absprung habe ich einen etwas höheren Sprungwurf und dadurch mehr auf dem Video zu sehen. Ich filme auf der Wurfarmseite etwa auf Höhe des Absprungs mit dem Tablet.

    - Sprungbein
    Ich bin sicher, dass sich beim Sprungbein Fehlerquellen entdecken lassen. Ist mir noch nicht gelungen, bzw. mir noch nichts ins Auge gesprungen. Für Hinweise bin ich dankbar!

    - Schwungbein
    Und schon wird es richtig interessant. Wie der Name sagt, ich möchte Schwung sehen. Das Knie wird hochgerissen. Jungs tendenziell nach vorn, Mädchen auch mal vom Körper nach außen weg (warum auch immer). Und hiermit beginnt jede Besprechung mit der Werferin, wobei ich mir gerne die anderen Mädels als Jury hinzuziehe:

    a) Hüpfwurf
    Der Sprung kommt ausschließlich aus dem Sprungbein, das Schwungbein wird nur angewinkelt und das Knie zeigt nach unten oder schräg zu Boden, später grob Richtung vorn aber immer noch zu Boden. Bei Dartfish express lässt sich mit dem Finger zeichnen, ich zeichne den gewünschten rechten Winkel über das Knie, wobei die "Oberschenkellinie" horizontal Richtung Tor zeigt. Das Knie kann auch gern leicht nach oben zeigen und die Horizontale überschreiten.

    b) "Kick"
    Das Knie erreicht für einen Sekundenbruchteil den gewünschten Winkel, dann kommt der Kick nach unten, zur Seite, nach vorn. Der Wurf wirkt hektisch. Hier möchte ich ein wenig längeres Halten des Winkels.

    c) Oberschenkel erreicht trotz vielfacher Korrektur nicht die Horizontale
    Korrektur um Korrektur, das Knie zeigt nicht nach vorn sondern mehr oder weniger von der Ideallinie abweichend nach unten. Ist die Spielerin zu doof? Hopserlauf vorführen lassen mit maximalem Schwung! Ich habe schon beide Fälle gehabt, dass entweder beide Oberschenkel im Wechsel nicht die Horizontale erreichen oder der des Schwungbeins allein. Hier ist der vordere Oberschenkelmuskel verkürzt, Spielerin muss mit Stretching daran arbeiten.

    d) Oberkörperverwringung sieht seltsam aus
    Das Video wird wieder und wieder angesehen, der Sprung ist unrund. Irgendwie arbeiten die Gliedmaßen nicht zusammen, das Video zeigt aber die Fehlerquelle nicht. Kameraperspektive wechseln, von vorne filmen. Das Schwungbein arbeitet nicht nach vorne oder nach außen, das Knie wird "über Kreuz" nach innen hochgezogen und zeigt bei Rechtshändern nach links. Dauert ein wenig, bis man das Problem erkannt hat. Von vorne dann des Rätsels Lösung. Der extrem unelegante Sprung mit Problemen bei der Körperverwringung ist aber ein guter Hinweis.

    - Oberkörper
    a) Sprungwürfchen
    Die Wurfkraft ist eigentlich da, das Ergebnis ist ein Würfchen. Ich filme auf Höhe des Absprungs und korrigiere, dass wenn auf dem T-shirt auf der Brust ein breiter Aufdruck zu lesen wäre, ich auf dem Bildschirm bequem die volle Schrift in der Zeitlupe lesen möchte. Aufdrehen, bis die volle Breite der Brust zur Wurfarmseite zeigt.

    b) "Schlabberwurf"
    Die Oberkörperverwringung ist da, die schnelle Drehung des Rumpfs, der Armzug - dennoch passt unter dem Strich die Wurfgeschwindigkeit nicht dazu. Kommt häufig auch beim Schlagwurf vor, die Fehlerquelle ist ganz schwer auszumachen. Wenn die Bauchmuskeln nicht angespannt sind, arbeiten Rumpf und Arm nicht zusammen. Der Armzug kommt wie abgekoppelt daher, allein die Armbewegung überträgt sich auf den Ball und die Verwringung verpufft.

    c) hektischer Wurf
    Mit ein wenig Sprungkraft und Technik "schwebt" die Spielerin kurz vor dem Wurf und kann noch eine Entscheidung über die Wurfrichtung fällen, eine einzige meiner Spielerinnen in 30 Jahren erreichte sogar "hang time". In anderen Fällen kommt nach dem Absprung sofort ein ganz hektischer Wurf, um überhaupt dem SPRUNGwurf noch gerecht zu werden und es kein LANDEwurf wird. Video auf den Zeitpunkt des Absprungs zurückholen. Die Schulterachse wird immer noch parallel zum Kastenoberteil verlaufen. Die Achse verläuft (auf RM) im rechten Winkel zur Seitenauslinie und die Ausholbewegung erfolgt NACH dem Absprung. Und dann wird es in der Luft natürlich hektisch, denn die Ausholbewegung sollte schon beim Setzen des letzten Schritts auf das Kastenoberteil beginnen. Am höchsten Punkt ist die Verwringung dann abgeschlossen und es braucht nicht mehr hektisch geworfen zu werden.

    - Wurfarmgegenarm (bzw. linker Arm bei Rechtshänderin)
    Was macht eigentlich der andere Arm währenddessen? Habe ich mir jahrelang keine Gedanken drüber gemacht, nach einem Austausch mit Kollegen fordere ich nur ein Anwinkeln des Arms während der Ausholbewegung, eine "Drehschwungbewegung" nach vorn und in der Wurfauslage darf der Ellenbogen gerne in Wurfrichtung zeigen. So hat der Arm zum einen eine eigene Schwungaufgabe, zum anderen dient er der Selbstkontrolle. Wenn der Ellenbogen zum Ziel zeigt, ist die Verwringung korrekt.

    Der Ellenbogen wird angewinkelt, holt Schwung und alles gerät plötzlich furchtbar in Schieflage. Meine "Lange" hat mich Samstag vor eine Aufgabe gestellt, als sie zwei große und ungewöhnliche Baustellen gleichzeitig in den Wurf einbaute. Die leichtere Baustelle war noch, dass der Ellenbogen schräg nach oben und nicht zum Tor zeigte, die Schulterachse furchtbar Richtung Wurfarmseite kippte und der Wurf in Verbindung mit der noch schwierigeren Baustelle... grauenhaft aussah (sie trainiert nicht bei mir, spielt ausschließlich bei mir in der C II und ist Opfer der Zwangspause). Der Ellenbogen muss nach vorne zeigen und darf nicht nach oben verrissen werden.

    Fortsetzung folgt mit dem Wurfarm, der Schulterachse und einem erst Samstag als relevant entdeckten Körperteil (Baustelle Nr. 2, s.o. ).

    - Abwehr ist anfällig für "give and go" (Pass/Rückpass)
    Quasi der Härtetest für die Manndeckung. Ballführerin passt, überläuft ihre Gegenspielerin und erhält hinter ihr den Rückpass. Wenn der Gegner dieses Mittel gefunden hat, dann brennt's meistens. So hat mal beim Junior Sauerlandcup (C-Jgd.) eine Mannschaft unsere Deckung total auseinander genommen. Die Lösung hatte ich damals leider noch nicht parat.

    Die Spreu vom Weizen trennt sich bei der Abwehr gegen die Spielerin OHNE BALL. Wie oben beschrieben, Querstellung zur Ballführerin, mit einem Auge allerdings die Füße der Gegenspielerin beobachten. Sobald sie zum Anlauf ansetzt, Viertel Drehung und Kontaktaufnahme gegen Spielerin ohne Ball! Nur dann lässt sich z.B. auch in der C gegen stärkere Mannschaften eine Manndeckung spielen.

    Später verlange ich von meinen Abwehrspielerinnen, dass so Einläufer bekämpft werden.

    - Angreiferin bindet verdächtig häufig zweite Abwehrspielerin, passt dann erfolgreich weiter
    Manndeckung wie auch offensive Raumdeckung hat verhältnismäßig große Lücken. Greift die Ballführerin die Lücke an, verliert die Nachbarabwehrspielerin gerne mal die Nerven und hilft - wenig erfolgreich - aus und der Parallelstoß ist erfolgreich. Sie lässt sich "locken", wie Feddern so schön im 3:2:1 Videoklassiker sagt.

    Gerade für die Zwerge ganz schwer, die Abwehrspielerin muss jetzt anti-intuitiv handeln. Alle Instinkte in ihr ziehen sie zum Ball, während sich die eigene Gegenspielerin hinter ihrem Rücken schon davonschleicht. Stattdessen muss sie parallel zum Neuner quer so zurücksinken, dass sie weiterhin ihre Gegenspielerin im Blickfeld hat und trotzdem gegen den Ball aushelfen kann, allerdings erst WENN ES NÖTIG WIRD und nicht locken lassen. Gilt in der offensiven Raumdeckung wie in der Manndeckung. Und wenn ich helfe, muss ich den Ball sichern oder die Ballführerin in die Nachbarin schieben, dass die den Ball sichert.

    - Ballführerin bricht stets zur Mitte durch
    Einfache Torwürfe in der Mitte, schwierigere Torwürfe Außen. Das muss die junge Abwehrspielerin schnell lernen. Droht der Durchbruch, so quer stellen und die Querachse verteidigen, dass die Ballführerin nach Außen weg muss. Auch Handballerinnen folgen den Naturgesetzen, der Weg des geringsten Widerstands ist verlockender als der Weg des Schmerzes. Außen durchlassen und so weit es geht nach Außen weiter schieben ohne Foul.

    - Freiwurfexzess statt Ballgewinne
    a) schwächere Gegner
    Gerade bei den Jüngsten hat der Schieri schnell Mitleid mit der Mannschaft, der ständig der Ball geklaut wird. Und auch fortgeschrittene Abwehrspielerinnen fehlt noch der nötige Handballverstand, die hilflose Ballführerin NICHT zu bedrängen.

    Hat die Abwehrspielerin ihre Gegenspielerin erst einmal "gestellt", eine Armlänge Abstand, kein Drängeln, kein Körperkontakt, KEIN FOUL. Mit Armeinsatz den guten Pass verhindern, den hilflosen Pass für die Mitspielerinnen zum Abfangen erzwingen.

    b) 1:1 Situation weit vor dem Neuner
    Freiwürfe auf 15, 16m? Zum Haareraufen! So unnötig! Gegnerin bekommt den Ball, auf der Prellarmseite zurücksinken, sie zum Prellen einladen, dann Kontakt zur Prellschulter und den Ball angreifen. Gegen stärkere Gegenspielerin lautet die Regel eher: Lad sie zum Prellen ein, unterbinde das Prellen wieder, eine Armlänge zurücksinken.

    - Abwehrspielerin wird weit vor dem Neuner nach Ballannahme der Gegnerin vor dem Prellen mit drei Schritten überlaufen
    Häufig stimmt das Stellungsspiel nicht. Hier ist zu unterscheiden:
    a) Die Ballannahme einer schwächeren Gegenspielerin zu verhindern, wäre taktisch unklug. Soll sie doch den Ball bekommen, anfangen zu prellen...

    b) Die gleichstarke Gegenspielerin kann ggf. auch noch den Ball bekommen, wird aber die Abwehrspielerin ggf. nach Ballannahme schon überlaufen. Diese braucht vor der Ballannahme einen Sicherheitsabstand von zwei Schritten bei Ballannahme, um reagieren zu können. Dann sofort Kontakt zur Prellschulter und den Ball angreifen.

    c) stärkere oder überragende Angreiferin
    Nun wäre es von Vorteil, die Spielerin gar nicht an den Ball zu lassen. Das würde eine ganz enge Deckung bedeuten. Eine lauffaule starke Angreiferin lässt sich so ausschalten.

    Wir hatten es neulich in der D mit einer überragenden Einzelkönnerin zu tun, die nicht lauffaul war. Sie traf bis dahin immer zweistellig, gerne auch mal 16, 17 Tore. Allerdings ist sie deutlich stärker als der Rest der Mannschaft. DAS war dann ihre Schwachstelle. Meine Abwehrexpertin (s. Tagebuch) hat sie übernommen, die unmittelbaren Nachbarinnen haben wir besonders stark unter Druck gesetzt, so dass der Ballfluss sowohl zu als auch von ihr weg deutlich gehemmt war. Trotz Halbfeldmanndeckung konnte wir die Dame bei vier Toren halten. Ein 7m gegen uns, zwei gelbe Karten, keine Hinausstellung und keine gelbe Karte gegen meine Abwehrexpertin. Es war ein Auswärtsspiel, die Schieris stellte der Heimverein. In der Deckung eine Glanzleistung der Mädels.

    Falls mir noch was einfällt, folgt eine Fortsetzung.

    Eigentlich ist ja die 3:2:1 mein Steckenpferd. Aber wenn ich diese Saison sehe, wie erfolgreich wir mit einer halben D-Jugend in der zweithöchsten Liga der C-Jugend mit einer Halbfeldmanndeckung verteidigen... Keine "wilde Sau", sondern eine ernsthafte erfolgreiche Abwehr. Sollte ich noch mal in der Oberliga C-Jugend aktiv werden, würde ich wahrscheinlich - noch einmal - die Gegner, meine Mädels, die Eltern und vor allem die Landesauswahltrainer auf die Palme bringen und immer wieder die Manndeckung einstreuen.

    Ich habe früher den Umbruch von Mann- auf Raumdeckung immer dann vollziehen wollen, wenn ich meine Mädels im 1:1 für reif gehalten habe. Dafür braucht es aber ein gewisses Standing als Trainer. Wenn alle anderen Mannschaften längst 1:5 spielen, man selbst aber an der Manndeckung gegen den Mainstream festhält... lange bin ich eingeknickt und habe umgeschaltet, auch wenn ich noch gar nicht vom richtigen Zeitpunkt überzeugt war.

    Niedersachsenmeisterschaft 15/16 weibliche C-Jugend: Dreikampf um den Titel bei sechs Mannschaften. Gegen den späteren Meister Oldenburg verlieren wir JEDEN EINZELNEN ZWEIKAMPF auf den Halbpositionen. Zur Halbzeit liegen wir mit sieben Toren hinten, in der zweiten Halbzeit stellen wir auf Halbfeldmanndeckung um, kämpfen uns auf zwei Tore ran. Die Landesauswahltrainer auf der Tribüne kotzen Augenzeugenberichten zu Folge im Strahl. "Wie können die in der C eine Kinderdeckung spielen!?" Die Kraft reicht nicht, wir verlieren mit vier Toren, werden insgesamt Dritter.

    Saison 16/17: Meine C ist noch stärker als im Vorjahr. Als gebranntes Kind bestehe ich darauf, dass wir in Vorbereitungsturnieren und bis tief in die Saison Halbfeldmanndeckung spielen. Ich zwinge die Mädels in maximal viele Zweikämpfe. Bei der Landesauswahl sind sie am kotzen. Krisengipfel zwischen Auswahltrainer und Verein. Ich verteidige mein Vorgehen, verspreche aber, nach den Herbstferien 3:2:1 zu spielen. Im November nehme ich eine Auszeit bis Saisonende. Die Mädels gewinnen überlegen die Niedersachsenmeisterschaft. Die Gegner haben zwar fast alle eine Maschine im Rückraum. Es gibt aber keine einzige Rückraumspielerin, die der Mannschaft im 1:1 ernsthafte Probleme bereitet.

    Dennoch verzweifeln viele Trainer schon in der D oder gar E an der Manndeckung und suchen alsbald ihr Heil in der Raumdeckung und gerne in der verbotenen Fleischmauer. Im Kollektiv wird dann versucht zu kompensieren (VERTUSCHEN), was im 1:1 nicht gelernt wurde. Je offensiver die Deckung (auch höher als D-Jugend) erfolgreich spielen soll, desto besser muss die individuelle Ausbildung sein. Siehe oben zum individuellen Abwehrtraining. Das Training ist eine Sache, wenn es im Spiel dann aber doch nicht klappt...

    Wie coache ich eine (Halbfeld-)Manndeckung?

    - Gegner lullt die Abwehr ein, ist dann mit Einzelaktionen erfolgreich
    Ich habe meine Hausaufgaben (fast) gemacht, die Manndeckung verhindert den Torwurf und der durch die Manndeckung eingeschüchterte Gegner spielt in Altherrenhandballmanier. "Passives Spiel" ist mal wieder über Nacht abgeschafft worden. Und irgendwann ist eine Abwehrspielerin eingeschlafen oder die bullige Rückraumspielerin klemmt den Ball unter den Arm, nimmt den Kopf runter, stürmt in die Deckung rein, schiebt die Abwehr in den Sechser und aufgrund einer neuen, über Nacht eingeführten Regel, gibt es 7m. Alles Geschrei von der Bank: "Passiiiiiiiiiv!", hilft nichts.

    Dann habe ich meine Hausaufgaben nur zur Hälfte gemacht. Deckung soll Tore verhindern UND den Ball erobern. Konzentriere ich mich nur auf eine von beiden Aufgaben, verliere ich auch gegen deutlich schwächere Mannschaften, weil sie den Trainer, der offensiv deckt, und später seine Mannschaft in den Wahnsinn treiben. Ich habe mal gegen eine Mannschaft gespielt, die gezielt Altherrenhandball bis zu Exzess spielte. Zum Glück hatte ich sie vorher beobachtet gehabt, bin aus unserer 3:2:1 bei Ballbesitz außen auf halb in die Pressdeckung gegangen und habe so deren Schlafwagenhandball komplett zerstört. Ab Minuten fünf keifte die gegnerische Trainerin, die ihre Felle davonschwimmen sah, 30 Minuten lang: "Verbotene Einzelmanndeckung!", bis die Schieris mir Gelb zeigten. Warum... konnte mir der Schieri nicht erklären.

    Hilfloses Ballgeschubse des Angriffs vor der gut laufenden Manndeckung? Alle ballfernen Abwehrspielerinnen in die Querstellung, kurze Passwege erschweren oder zustellen, lange Pässe abfangen und Ballfallen auf Außen aufbauen (s.o.). Der Gegner war eben noch hilflos. Er wird es auch gegen eine ballhungrige Mannschaft sein. Keine Scheu die Räume ein wenig zu öffnen.

    - Ballferne Spielerin ist ballhungrig, attackiert die Pässe, wird aber stets erfolgreich hinterlaufen
    Häufig zu sehe, die Abwehrspielerin hat den richtigen Gedanken, springt entweder am Pass vorbei oder wird vorher schon hinterlaufen. Stellungsspiel! Wenn sich auf einer Abwehrposition diese Gelegenheit für den Ballklau ergibt, schiebt die Abwehrspielerin nicht Richtung Ballführerin die Lücke zu (ein Schritt Richtung Raumdeckung), sondern "spiegelt" ihre Gegenspielerin. Querstellung zum Ball, äußere Hand raus Richtung Passweg und ein Auge auf die Ballführerin, das andere Auge auf die Füße der Gegenspielerin. Wenn die zum Hinterlaufen ansetzt, noch ein, zwei Schritte weg von der Ballführerin und im Laufweg bleiben.

    Testzentrum ruft, bis bald!

    Fortsetzung folgt

    Liebes Handballtagebuch!

    ZeeBee ist auf der Jagd. Über eine Saison keine Spielbeobachtungen, Talentsichtungen oder Internetrecherche. Die Talente haben sich alle verstecken und in Sicherheit wiegen können. Nach und nach sammelt ZeeBee über die Torstatistiken eine neue Übersicht über die Mädchenhandballszene. Was der eigene Kalender nicht hergibt, wird an die Co-Trainerinnen delegiert. Und Co-Trainerin Charlotte meldet ein Talent in der Kreisklasse. :ball: Sonntagmittag ist das nächste Spiel der jungen Dame. Die Erdanziehungskraft unter ZeeBees Bett ist an diesem Sonntag ganz besonders ausgeprägt. Fast wird das nichts mehr mit der Talentsichtung, zur zweiten Halbzeit klappt es dann immerhin. Die Gastmannschaft kennt ZeeBee mittlerweile in und auswendig. Irgendwie spielt sie diese Saison immer dann, wenn der jeweilige Gegner im Fokus ist. Die zweite Halbzeit beginnt, die Heimmannschaft greift an, formiert sich und... ZeeBee traut seinen Augen nicht. Da ist er wieder! Der Exot unter den Spielweisen! Der... Yeti! :klatschen:

    Einige Jahre zuvor. ZeeBee sitzt in derselben Halle auf Talentjagd. Die höchst verzweifelte Suche nach einer Linkspfote hat ihn in eine Begegnung der Kreisklasse verschlagen, quasi das Pendant des McDonald's für den Gourmet. Eine Halbzeit sitzt ZeeBee staunend auf der Tribüne, wie zwei Anfängermannschaften mit... erstaunlichen Abwehr- wie Angriffskonzepten gegeneinander spielen und die jeweiligen Trainer entweder nicht korrigieren oder die Planlosigkeit sogar noch fördern. Das Angriffskonzept der einen Mannschaft hat es ZeeBee ganz besonders angetan. Es geht mit einer Kreisläuferin und fünf Rückraumspielerinnen los. Im Deckungszentrum geht es so eng zu wie beim Weihnachtseinkauf. Die erste Einläuferin. Die Zweite. Eine der verbliebenen drei Rückraumspielerinnen wagt einen Vorstoß in den 9m Kreis mit Ball, passt, vergisst sich aus dem Neuner wieder zu verabschieden. Zum Weihnachtsgeschäft kommt nun noch ein Schlussverkauf hinzu. Die nächste Rückraumspielerin taucht in das Getümmel ein. Mittlerweile drängen sich elf kleine Mädchen auf engstem Raum. Das Mikroklima im Neuner weist nun drei Grad Celsius höhere Raumtemperatur als der Rest der Halle auf. Die letzte Mohikanerin zieht es auch Angriff für Angriff immer wieder wie magisch Richtung Getümmel. ZeeBee hält den Atem an. Als ob sie von ihrem Gewissen gequält und zurückgehalten wird, hält sie immer wieder kurz den Fuß in den Neuner und zieht ihn dann doch wieder zurück. Der Handballverstand siegt... noch.

    Zweite Halbzeit. ZeeBee und Charlotte wären längst geflüchtet, wenn ZeeBee nicht das Ende der Geschichte hätte erleben wollen. Wieder drängen sich immer wieder elf kleine Handballerinnen auf engstem Raum im Neuner um den 7m Punkt. Die letzte Mohikanerin bekommt den Ball. Und... und... und... :schrei: "JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!" Die gesamte Tribüne dreht sich zu ZeeBee um, schüttelt verwundert den Kopf, angesichts des Freudenausbruchs in so vermeintlich unspektakulärer Situation. Der Rest der Tribüne hat ihn aber nicht wahrgenommen. Den 0:6 Angriff. Den YETI! 8o ZeeBee hat mal HE-Mitglied Balljäger von mehreren Sichtungen des Yeti berichtet. Klaus wollte das nicht glauben, vielleicht auch nicht wahrhaben. ZeeBee musste Videobeweise versprechen.

    Nun sitzt ZeeBee wieder in der Halle in A. und verfolgt gebannt das Schauspiel. Alle bisherigen Sichtungen des Yeti hatten gemein, dass es sich um schüchterne, zurückhaltende Auftritte gehandelt hat. Die Außen driften in den Rückraum oder versammeln sich gleich dort. Nach und nach laufen Rückraum Links Außen und Rückraum Rechts Außen ein, zögerlich verwandeln sich die echten Rückraumspieler in Kreisläufer, bis auch die sechste Spielerin umgewandelt ist. Was ZeeBee nun verfolgt, hat eine ganz andere Qualität der Sichtung, quasi eine Begegnung der dritten Art. Die sechs Angreiferinnen rennen systematisch auf die Kreisposition(en). Achtzehn Minuten lang verfolgt ZeeBee gebannt das Schauspiel wie einst Heinz Sielmann das geheime Liebesspiel zwischen einer Meerjungfrau und einem Beastie verfolgt hätte. Dann fällt ihm wie ein Donnerschlag ein, dass er Balljäger Videobeweise schuldet. Verdammt! ZeeBee zückt das Handy, filmt die letzten drei Angriffe der Heimmannschaft und begreift das ewige Dilemma der Nessie- oder Bigfoot-Jäger mit ihren unscharfen Aufnahmen. Die Chimäre, das Luder, ist kamerascheu. :D In den letzten drei Angriffen zeigt sich so etwas wie Struktur im Angriff, bzw. es geht nicht über einen 2:4 Angriff hinaus.

    Mit gemischten Gefühlen tritt ZeeBee die Heimreise an. Keine Beweise für die Existenz des Yetis gesammelt. Möglicherweise aber der Geburt einer Handballrevolution beigewohnt. Sechs Kreisläufer! Gleichzeitig! Entweder werden sie den Sport revolutionieren... :Hail: oder auch den Rest der Saison kein einziges Spiel gewinnen. :/:


    Dein
    Karsten

    Liebes Handballtagebuch!

    Ein freies Wochenende? Mitten in der Saison? ZeeBee ist verwirrt. Ach ja, der D-Jugend Spielplan der Hauptrunde ist noch in der Entstehung. Aber auch das würde nur ein Spiel an dem Wochenende bedeuten. ZeeBee wird nervös. Dann kommt die Anfrage eines Vereins ohne weiblichen Nachwuchs für ein recht kurzfristig angesetztes Turnier. Der Verein richtet einen Jungschiedsrichterlehrgang aus und möchte den Nachwuchs in schwarz in einem eigens organisierten D-Jugend Turnier an die Praxis heranführen. ZeeBee ist begeistert. Frischlinge an der Pfeife ärgern. :D

    Der Organisator bittet um Mithilfe bei der Teilnehmersuche. ZeeBee macht drei Vorschläge, alle drei Mannschaften sagen zu. Zwei Mannschaften sagen wieder ab, weil sie beim Erstellen des neuen Spielplans das Turnier nicht berücksichtigen. (Einmal mit Profis arbeiten...) Der dritten Mannschaft sind die Inzidenzen in der Landeshauptstadt zu hoch. ZeeBee benennt ein paar weitere Kandidaten nach ausgiebiger Recherche in nuLiga. Alles Mannschaften, die in ihren Vorrunden konkurrenzlos sind. ("Immortals... we put their name to the test.") Drei sagen zu, das vermeintlich exklusive Teilnehmerfeld steht. Zwei sagen wieder ab. ZeeBee sympathisiert mit dem gebeutelten Veranstalter, hat aber keine Ideen mehr. Das Teilnehmerfeld wird noch ergänzt, es werden immerhin drei Mannschaften spielen. Geht doch.

    Der Organisator meldet sich telefonisch bei ZeeBee und klärt die letzten Details ab.

    "Es spielen nun Vorsfelde, HSC und ihr."
    "Der HSC hatte doch abgesagt." ?(
    "Die männliche D."

    ZeeBee hat keinerlei Vorbehalte gegen Jungs zu spielen, aber der Erfahrung nach hat alles seine Grenzen.

    "Die erste oder zweite D?"
    "Die Erste."
    "Na dann dürfen Eure Schieris zwei Klatschen pfeifen."

    Da fehlt noch mindestens eine weibliche D und der Plan ist es, die ungeschlagene männliche D des aktuell konkurrenzlosen Tabellenführers der höchsten Liga als Ersatz einzuladen. Ganz ZeeBees Humor. Die untere Hälfte der Regionsoberliga männliche D hält ZeeBee für sportlich noch interessant, die Topteams der Region, immerhin best of 60 Mannschaften... ZeeBee hat Zweifel und behält die entscheidende Info erst einmal für sich. Unter den Mädchen spricht sich allerdings schon herum, dass Klassenkameraden oder Nachbarn seltsamerweise ein Turnier am selben Ort zur selben Zeit spielen. :lol: Die Aufregung ist groß, zunächst steht aber das Spiel gegen eine Mädchenmannschaft an.

    Der Gegner hält ein paar Minuten mit, Rückraum Mitte ragt aus der Mannschaft heraus und sorgt mit vielen Drehungen und Haken für ein wenig Wirbel in der Deckung. ZeeBee rochiert. Go-to-girl Emily übernimmt. Papa war Medaillengewinner bei einer Olympiade. Judo. Schwergewicht. Die kleine unscheinbare Emily ist... Abwehrexpertin. :D Ruhe im Karton, das erste Turnierspiel geht ab dann in ruhigen Bahnen weiter. Der Gegner muss danach gegen die Jungs vom HSC antreten. Einer der Jungstrainer relativiert: "Wir haben auch ein paar E-Jugendliche dabei." Na dann... ZeeBee versetzt sich in den Kopf der drei Trainer. Die Mannschaft plättet alle gleichaltrigen Gegner und hat in der höchsten Liga nahezu keine Konkurrenz. Dann suche ich mir also eine neue Herausforderung... und spiele gegen gleichaltrige Mädchen? Irgendwie vermag ZeeBee der Logik nicht folgen zu können und drückt die Daumen, dass das therapierbar ist.

    Nach fünf Minuten steht es 10:0 für die Jungs gegen die Mädchen aus Wolfsburg. Die Torhüterin hat sichtlich keine Lust mehr. ZeeBee regt gegenüber Trainerin und Veranstalter einen schnellen Torwartwechsel beider Mannschaften an. "Die guckt immer so." :lol: ZeeBee berichtet seiner Mannschaft von seinem Vorschlag. Torhüterin Lia ist entrüstet. ZeeBee: "Wir doch nicht! Warum sollen wir Torhüter tauschen!?" Wenig später wird dann aber doch das Personal gewechselt. Die Jungs spielen alsbald in einfacher Unterzahl, an der drückenden Überlegenheit ändert sich nichts.

    Kabine vor dem Spiel. ZeeBee bereitet die Mädchen darauf vor, dass es eine Packung geben könne, von zehn Spielen würden sie vielleicht eins gewinnen. ABER... erstens mit Anstand verlieren, zweitens mögen die Voltaren Vorräte der Gegner abends noch aufgebraucht werden müssen. ZeeBee fordert kompromisslosen Körperkontakt und ganz viel Bewegung ohne Ball im Angriff. Die Mädels sind zwar heiß auf das Spiel, so richtig zugehört haben sie nicht. Es wird in drei Dritteln gespielt, ein Schierigespann bliebe sonst über. Why not... ZeeBee sieht keinen kompromisslosen Körperkontakt, wenig Bewegung ohne Ball im Angriff und eine quirlige und schnelle Jungsmannschaft, die sich mühelos durch die Deckung der Mädchen arbeitet. 1:15 nach dem ersten Drittel. Das Ergebnis ist vollkommen leistungsgerecht, allerdings hatte sich ZeeBee das etwas anders vorgestellt. Und sollte einer der Jungs einen blauen Fleck haben, dann stammt der nicht von der Abwehr, sondern weil er sich womöglich beim Auswechseln an der Bank gestoßen hat.

    ZeeBee ist unzufrieden. :nein: "Die Jungs werden sich heute Nacht lachend ins Bett legen. Der Plan war es, dass sie nie wieder gegen Mädchen spielen wollen." Zum Glück ist ZeeBee inzwischen Frauenversteher und -pflüsterer. Was auch immer in der Drittelpause an Worten gefallen ist... ZeeBee kennt das Phänomen, dass im Spiel, gerne mal nach der Halbzeit, alle Spielerinnen gleichzeitig das Handballspielen verlernt haben: "Wer seid Ihr und was habt Ihr mit meiner Mannschaft gemacht?!" Andersherum? ?( Aufholjagden, erfolgreich nach bis zu sieben Toren Rückstand oder tragisch gescheitert. Reichlich. Aber ein Team von Hühnern nach der Halbzeit elf Spartaner? Was folgt, ist in etwa der Rückkampf zwischen Rocky und Clubber Lang. Die Mädels packen zu wie die Großen, im Angriff wirbeln sie, wie ZeeBee noch selten überhaupt eine D-Jugend in dreißig Jahren gesehen hat und Kreisläuferin Emma kämpft sich als Walküre in die Alpträume der Jungs. Statistiker zählen nach einem Tor im ersten Drittel nun fünfzehn Tore hinzu, während aufmerksamere Statistiker als ZeeBee ein paar Tore weniger beim HSC veranschlagen. Das dritte Drittel wird auf zehn Minuten verkürzt. ZeeBee steht mit Dauergrinsen an der Bank und lässt die Begegnung mehr als Beobachter an sich vorbeiplätschern. Einen Aufreger gibt es noch, plötzlich steht der gegnerische Haupttorschütze, herausragender Akteur auf dem Feld und Sproß einer ehemalig hochklassig spielenden Handballerin der E-Jugendlichen Frida gegenüber. Solche "mismatches" sollen eigentlich nicht vorkommen und innerhalb der Deckung untereinander gelöst werden. Niemand nimmt jedoch der kleinen E-Jugendlichen freiwillig den Job ab. ZeeBee ruft Frida zu sich: "Das soll eigentlich nicht passieren... Du machst das schon!" Im nächsten Angriff stößt das Ausnahmetalent an, Frida packt zu... und schiebt ihn zehn Meter quer über das Feld! :cool: Ihre Mama hat ebenfalls hochklassig Handball gespielt. :lol: Keiner der Jungs geht diesen Abend lachend ins Bett. Mit einem breiten Grinsen bedankt sich ZeeBee bei den drei Trainern des Gegners.


    Dein
    Karsten

    Liebes Handballtagebuch!

    Auswärtsspiel beim Tabellenführer. ZeeBee sehnt sich das Spiel herbei. Der junge Sarstedter Trainerkollege schreibt, wie ZeeBee auch, sehr ausführliche Spielberichte. Nur manche Details lässt ZeeBee eben weg, Sebastian hingegen legt auch taktische Informationen offen. ZeeBee liest sehr gerne Sebastians Spielberichte. :devil: Bereits beim Lesen verschiebt ZeeBee gedanklich seine Spielerinnen wie Schachfiguren. "Was macht Deine frisch eingeführte 3:2:1 Deckung eigentlich gegen zwei feste Kreisläuferinnen? Und wenn Du in der Halbzeit dann den Masterplan gegen den 2:4 Angriff erklärst, was machst Du dann, wenn wir...?" (Der geneigte Leser erkennt hier, dass Plan B für Halbzeit 2 nicht umgesetzt wurde und in der Folge noch gespielt werden soll.) ZeeBee legt eine Sonderschicht ein, mit ein paar Rückraumspielerinnen und zwei Kreisläuferinnen erarbeitet er Samstagmorgen ein paar Grundprinzipien des 2:4 Angriffs. Zwei Kreisläuferinnen hinzustellen ist eine Sache. Die Kunst ist es, sie auch einzusetzen. Die Ansätze sind... vielversprechend. :smokin:

    Der Auftakt geht erst einmal schief. ZeeBee möchte frühzeitig in der Halle sein, das vorherige Spiel nach Talenten absuchen. S-Bahn verpasst. Dann die Straßenbahn verpasst. Die nächste Straßenbahn verschwindet von der Anzeige und hat wohl einen Umweg über das Bermuda Dreieck genommen. Co-Trainerin informiert. Die ist auch verspätet. Wie eine Amateurtruppe müssen sich die Mädchen erst einmal ohne Trainer aufwärmen. O.k., ZeeBee liebt Understatement. Die Oberliga C-Jugend Mannschaft des TVB muss wegen Auswahlmaßnahmen ein Spiel nach dem anderen verlegen. Für alle unmittelbar und mittelbar Beteiligten muss das amateurhaft wirken, wenn der Verband seine eigenen Termine nicht auf die Kette bekommt. Für ZeeBee hat das den Effekt, dass seine ehemaligen Schützlinge Nelli und Aimi noch nicht festgespielt sind. Beide zunächst noch verkannt und vorerst nicht im Oberligakader gewesen, Beide aber echte Waffen auf RL und KM.

    ZeeBee beordert von Beginn an Nelli und Lia an den Kreis. Keine Übergangsphase, kein institutionalisiertes Einlaufen. Die Sarstedter Spielerinnen sollen gleich wissen, was die Stunde geschlagen hat. Die dritte Kreisläuferin, D-Jugendliche Emma, hatte das Sondertraining ausgesetzt und sitzt nun am lauten Ende der Bank. ZeeBee erklärt ihr einige Angriffe lang, was gerade in der gegnerischen Deckung passiert und was ihre Aufgabe sein wird. "Nun haben sie die zweite Kreisläuferin entdeckt, sie wundern sich und geraten in Panik." Die zweite Kreisläuferin wird in Manndeckung genommen, erst einmal keine Überraschung. "Und... und... und... sie geben das Abwehrzentrum auf!" :smokin: Der Angriff zwingt der Abwehr eine Formation auf, die sie gar nicht spielen möchte.

    Das erste Tor durch Aimi fällt jedoch nach zwanzig Sekunden, so dass ZeeBee noch ein paar Angriffe benötigt, Emma ihre Aufgabe zu erklären. Die Taktik geht zunächst auf, Sarstedts Deckung bleibt zunächst mit freiseziertem Deckungszentrum. Und die eigene Abwehr hält den gegnerischen Rückraum weit jenseits des Neuners. Ein Traum. Sebastian greift zur ersten Gegenmaßnahme und spielt Pressdeckung auf Halb bei Ballbesitz Außen. Die Außen finden keine Anspielstation, der Angriff kommt ins Stocken, es gehen sogar Bälle verloren. ZeeBee ruft beide Kreisläuferinnen ran, sie müssen nun auf Ballseite die erste Anspielstation für die Außen werden. Die Außen sollen notfalls hinter der Pressdeckung durchprellen (tun sie natürlich nicht...) Der Angriff nimmt wieder Fahrt auf. Beim 5:9 kommt die fällige Auszeit. Sebastian stellt jeweils die ballferne Kreisläuferbewacherin als Libero für Hinten Mitte frei und beorderte die Außen zur ballfernen Kreisläuferin. Auf der hinteren Verteidigungslinie wird nun gependelt, eine sehr kreative Idee. Nicht kreativ genug, denn nun suchen ZeeBees Rückraummädels die ungedeckte Außen. Verletzungsbedingt ist ZeeBee ohne Linkshand unterwegs, so dass Rechtshänderin Anni auf der undankbaren rechten Außenbahn spielt... und traumwandlerisch sicher verwandelt.

    Never change a winning System. ZeeBee bereitet die Mädels in der Halbzeit zwar auf Plan B vor, nämlich **** ***** *** ***** *****, darüber hinaus die geradezu undenkbare Variante ********* ***** **** *****, verschiebt die Umstellung aber auf den Fall, dass dem Gegner eine Lösung für sein Dilemma einfällt. Wir müssen ja nicht gleich das gesamte Pulver verschießen. HZ 12:17, 14:21, 19:24, 22:29, 26:34 Ende. Plan B wird auf das Rückspiel verschoben, die zweitjüngste Mannschaft der Liga stürzt eine der körperlich stärksten Mannschaften - und das mit der womöglich offensivsten Deckung aller C-Jugenden des Landesverbands. :cool:

    Dein
    Karsten