Liebes Handballtagebuch!
Großes Programm am Wochenende! Die neue D-Jugend spielt wie jedes Jahr den Auftakt beim großartigen Ulzburgcup, die alte D-Jugend tritt Samstag in der Endrunde der inoffiziellen Landesmeisterschaft der D-Jugend in der dreiteiligen Mini WM an. ZeeBee ist also bei zwei Turnieren zeitlich überlappend vertreten.
Die Anfahrt nach Henstedt-Ulzburg ist trotz Anreise mit der Bahn komplett störungsfrei, pünktlich erreichen elf Spielerinnen plus Trainer den Turnierort. Langjährige Routine. Anmelden, Klassenzimmer beziehen, Betreuer / Handballpapa Maze und ZeeBee holen die Pizza. Nicht beim Bringdienst um die Ecke, sondern beim Antipastiteller und vino beim gediegenen Italiener. Eigentlich könnte der Abend hier gern noch etwas länger dauern, allerdings warten elf hungrige Mäuler auf die Pizza. Abends macht ZeeBee die Runde, begrüßt reichlich alte Bekannte auf dem Gelände.
Die Vorrunde spielen die Mädchen in Halle IV, Sportland. Multifunktionshalle mit Bistro aber beschissener Akustik. Das Vergnügen ist zwiespältig. Den Auftakt macht die männliche D von Fortuna Brandenburg gegen die Bezirksauswahl Wiesbaden/Frankfurt. Wird ja wohl der jüngere Jahrgang der Auswahl sein, anderenfalls ergibt ein solcher Ausritt keinerlei Sinn. Optisch jedenfalls ist es nicht ein jüngerer D-Jugend Jahrgang der Auswahl, im Gegenteil. Mit 26:3 richtet die Bezirksauswahl Wiesbaden/Frankfurt die Vereinsmannschaft hin. >>Memo an mich selbst: Sollte mein Fortpflanzugsorgan einmal auf unter 5 cm schrumpfen, werde ich wieder Auswahltrainer und melde zu Vereinsturniere gegen gleichaltrige Mannschaften.<< Mit Sicherheit könnte ZeeBee psychiatrische Beteuung vertragen. Andere Trainer wären aber offensichtlich noch viel dringender dran... Im Laufe des Turniers kommt es bei der weibliche D in einem 30 minütigem Spiel zu einem 50:0 der Wiesbaden/Frankfurter. ZeeBee ruft den psychiatrischen Notdienst.
9:05 das Auftaktspiel. Der Gegner ist EBT Berlin, durch die letzten Jahre vorbelastet und auf ZeeBees Schwarzer Liste. Offene Manndeckung bereits in der gegnerischen Hälfte. Dagegen spricht auch nichts. Dann aber Klammeraffendeckung ohne jeglichen Sinn und Verstand. Komplett fachfremde Trainer am Werk. ZeeBee hat seine Mädels vorab geimpft. Wenn die Gegner knuddeln wollen, dann geben wir ihnen Knuddeln. Bis die Schieris kotzen. Ohnehin ist der Plan, wie jedes Jahr, nicht unter die ersten Acht zu kommen, sondern gemütlich Platz 9 zu erreichen. Kurz nach dem Altersklassenwechsel sind die Prioritäten noch ganz Andere. Berlin "enttäuscht" alle Erwartungen, spielt eine extrem offene Manndeckung... aber komplett regelkonform. Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Nach dem letztjährigen Turnier ist der Eindruck entstanden, ganz Berlin spielt außerhalb der IHF Handballregeln. Auf dem Papier ist Berlin der Gruppenfavorit, die Mädels haben den klaren Auftrag, im Auftaktspiel ohne Punkte in Spiel zwei zu gehen und Gruppenplatz zwei zu sichern. ZeeBee hat die Rechnung ohne die Mädels gemacht. Trotz bunter Mischung Jung- und Altjahrgang und Neuzugängen verteidigen sie wie die Großen, spielen mit den Tiefenräumen, lassen anprellen, stoppen anprellen, klauen Bälle... ZeeBee kann das 17:12 nicht verhindern.
Zweite Chance auf eine Niederlage gegen Schwerin II, die wiederum ihr Auftaktspiel deutlich gewonnen haben. Das Spiel verläuft wesentlich offener als der Turnierauftakt, wieder kann ZeeBee das 12:11 nicht verhindern. Im Turnierverlauf muss die Korrektur nun am Samstag erfolgen, gegen Henstedt-Ulzburg III ist keine Niederlage mit regelkonformen Mitteln zu erwarten. ZeeBee übergibt bereits im letzten Vorrundenspiel das Zepter an Betreuer Maze, der am Samstag ohnehin wird übernehmen müssen.
"Bist Du eigentlich immer entspannt? Ich habe Dich noch nie unentspannt erlebt."
ZeeBee hat völlig ungewohnt auf der Bank Platz genommen, Neben ihm die D-Jugend von der befreundeten Peiner SG und deren kommunikativste Spielerin hat sich zur Aufgabe gemacht, ZeeBee für 2x 15 Minuten mit jeder erdenklichen Frage zu löchern. ZeeBee bekommt vom Spiel wenig mit, die Mädels holen sich mit 22:10 den nicht gewollten Gruppensieg. ZeeBee verabschiedet sich von den Mädels und übergibt endgültig das Zepter an Maze, reist wieder zur alten D-Jugend. Samstag erreichen die Mädchen durch einen 7m in letzter Sekunde gegen eine körperlich deutlich überlegene schwedische Mannschaft das 7m Werfen, verschwarken erst einmal zwei Würfe, holen durch vier gehaltene Bälle von Dampfplauderin Jule den Nachteil wieder auf und erreichen die nächste Runde. Der nächste Gegner ist eine Nummer zu groß, die Begegnung geht deutlich verloren und im Spiel um Platz 7 dürfen die Mädels noch mal richtig was dazulernen. Erstaunlich, dass der Gegner vom Stralsunder HV I überhaupt des Englischen fließend mächtig ist. ZeeBees Mädels, allesamt "bitches" und allerlei Fäkalausdrücke mehr, erhalten eine Lehrstunde in trash talk. Die Mädels sind schwer beeindruckt, zeigen mit 21:18 den versierten Anglistikerexpertinnen aus Stralsund dann aber, worauf es auf der Platte ankommt. YO, MOTHERFUCKAAAAS! IN YOUR FACE, BITCH!
Zum dritten Mal richtet der HVNB die Mini WM für D-Jugendliche aus. O.k., eine Mini EM unterbricht die Serie. Großartige Sache, ansonsten trifft sich die Elite des Landes ja nie. Nach zweimal Silber hängen die Trauben dies Jahr - natürlich - wieder hoch, will man sich verbessern. Den ein oder anderen möglichen Gegner hat ZeeBee bereits in der Saison oder während des Turniers ausgespäht. Die Mädels rauschen punktverlustfrei durch die Vorrunde und auch in der Hauptrunde gibt es drei ungefährdete Siege. Im Viertelfinale kommt gleich das Finale des Vorjahres gegen Buxtehude. Der Bundesliganachwuchs allerdings auf dem Papier bei weitem nicht in der überragenden Verfassung des Vorjahrs und ZeeBee plant fest mit dem Halbfinale. Die Mädels wollen das Turnier für Eltern, Fans und Trainer aber doch noch etwas spannender gestalten, spielen wie eine Karre Mist und retten sich mit 7:7 in das 7m Werfen. ZeeBee fragt aus langjähriger Erfahrung die Freiwilligen lieber ab, als sie zu bestimmen. "Macht Euch keine Gedanken, Marit hält zweieinhalb Siebenmeter." Buxtehude verwirft einmal, Marit hält zwei 7m, Halbfinale.
Jedes Jahr lässt sich ZeeBee was Neues einfallen, um gegen Ende der Saison in der Landesmeisterschaft die Gegner vor Aufgaben zu stellen. Nach den traumatischen Erfahrungen beim Rödspätte Cup, wo gleich zwei Mannschaften höchst erfolgreich mit vier Rückraumspielerinnen und ohne Kreis agiert haben, fällt die Wahl der Waffen nicht schwer. Allerdings wird nie bloß kopiert, in mehreren Trainingseinheiten wird fleißig verbessert. Der ungewöhnliche Tiefenraum im Neuner wird genutzt, immer gleich zwei Einläuferinnen in drei Varianten auf den Weg zu schicken. Das Training, ein Trainingsspiel und die ersten beiden Turnierrunden zeigen auf, dass der teuflische Plan aufzugehen scheint. Das muss erst einmal wer verteidigen.
In der Hauptrunde (zwei Wochen zuvor) bei Werder Bremen kommt ZeeBee gerade noch rechtzeitig nach dem Samstagstraining zum 3:3 im Spitzenspiel zwischen Werder und Warberg/Lelm. Letztere das Überraschungsteam in Niedersachsen. Der Warberger Block hat in der Regionsauswahl gegen ZeeBees Block in einem Turnier im Oktober noch den schmutzigsten Handball gespielt, den ZeeBee in über dreißig Jahren im Kinderbereich je zu Gesicht bekommen hat. Jeder Wurf begleitet durch einen Schubser von der Seite, egal ob Schlag- oder Spungwurf. Die hannoversche Auswahltrainerin hat tatenlos zugeschaut, der Trainer des Gegners hat die Gunst der Stunde genutzt, dass das blutjunge Schierigespann über den Boden rollende Angreiferinnen als völlig normal empfunden hat. Mehrere Monate später hat Warberg in Bremen die Deckung etwas an die IHF Regeln angepasst. Die schmutzige Ganzfeldmanndeckung beschränkt sich darauf, den Gegnerinnen sofort bei Ballannahme die Luft aus der Lunge zu pressen. Werder hat kein Mittel dagegen, geht trotz eines sehr starken Kaders in heimischer Halle unter. ZeeBee hat Warberg daher ganz oben auf dem Zettel.
Fortsetzung folgt.