Besuch bei THW-Kiel-Legende Marek Panas
Marek Panas hat sich vorbereitet. Der-Dauerbrandofen knackt und knistert. Jugendherbergsflair. Auf einem Röhrenfernseher setzt ein Mann mit schwarzem Schnurrbart zu einem waghalsigen Wurf an. Er trägt ein Trikot mit der Nummer drei und die Kapitänsbinde am linken Arm. Dieser Mann ist eine Schlüsselfigur in der Historie des Handball-Rekordmeisters THW Kiel und hat heute nicht mehr viel mit Handball zu tun.
„Wir waren technisch gut, der Handball ist einfach nur viel schneller geworden“, sagt Panas bei einer Tasse dampfendem Kaffee. Er bezeichnet sich als „Dirigent von einem Orchester“ und lacht so, dass die Augen unter den buschigen Augenbrauen mitlachen: „Es war nicht so interessant, was Trainer gesagt haben.“ Panas, der Eigenwillige, der Unangepasste. Schon immer. Panas ärgert sich, wenn junge Trainer die damalige Spielweise belächeln: „Wir waren nur langsamer, aber wir waren gut und haben mit dem Kopf gespielt.“
Manchmal vermisse er die Ostseehalle, das Autogrammeschreiben. „Das gemeinsame Essen im THW-Heim im Krummbogen.“
Der Start in Kiel war holprig. Das Ende abrupt. Panas erinnert sich an seinen ersten Tag: „Ich kam in eine Drei-Zimmer-Wohnung in der Robert-Koch-Straße und dachte, ich gucke nicht richtig. Eine Tür vom Schrank ist fast rausgefallen.“ Er grinst, ein schelmisches Grinsen dort, wo bis vor fünf Jahren dieser prägnante Bart war. „Ich habe zu Heinz Jacobsen gesagt: ,Mit diesem Sperrmüll und einem Schwarz-Weiß-Fernseher wohnen wir nicht. Ich gebe dir zwei Tage. Wenn ich dann keine neuen Möbel und einen Farbfernseher habe, reisen wir wieder ab.“ Der Rest ist Geschichte. Wenig später zog Panas in einen Mehrfamilien-Neubau in der Rendsburger Landstraße (und wurde Nachbar des Autors dieser Zeilen), ganz nah bei der Helmut-Wriedt-Halle, in der der THW Kiel damals trainierte.
Wer weiß, ob alles so gekommen wäre, hätte nicht der THW Kiel im Jahr 1987 – noch war die Wiedervereinigung nicht in Sicht – drei Spieler aus der DDR verpflichtet: den Halblinken Henry Blatter, Linksaußen Fred Radig und Rechtsaußen Mario Wille. Sie waren geflohen, über Schwabing nach Kiel gekommen. „Ich hätte vielleicht einen aus diesem ,Rostock-Päckchen‘ genommen, eher keinen“, sagt Panas, der die politischen Hintergründe nicht verstand. „Keiner hat mir erklärt, warum die drei so wichtig waren. Und dann? Kommen dann ein Jahr danach noch mal drei?“ Also verlängerte Panas seinen Vertrag nicht, ging zurück nach Polen.
Quelle KN