Für viele User mag die eine "Nerd-Diskussion" sein, aber für die HBL hätte dies bei Einführung der Torlinientechnik bereits eine notwendige Fragestellung sein müssen. Vor Einsatz eines Messmittels muss die Genauigkeiten der Messung bekannt sein und auf ihre Tauglichkeit für die eigentliche Messaufgabe.
Die aktuell eingesetzte Technik erzeugt zumindest bei mir und Rheiner erhebliche Zweifel an der Tauglichkeit.
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In vielen Aspekten des Spiels ist der Videobeweis eine Hilfe für die Schiedsrichter.
Aber das hier diskutierte Beispiel zeigt für mich ein grundsätzliches Problem auf. In den meisten anderen Sportarten (Fußball, Basketball, Eishockey, American Football, Hockey, Tennis, ...), in denen der Videobeweis zum Einsatz kommt, treffen die Schiedsrichter zunächst immer eine Entscheidung auf dem Feld auf Basis ihrer eigenen, subjektiven Wahrnehmung. Erst danach können sie die Videobilder nutzen, um ihre eigene Wahrnehmung zu verifizieren oder zu falsifizieren und nur wenn die Videobilder eindeutig sind, sollen/dürfen die Schiedsrichter ihre subjektiv wahrgenommene Entscheidung revidieren. In der HBL ist die explizite Anweisung an die Schiedsrichter keine direkte Entscheidung auf dem Feld zu treffen, sondern erst nach Ansicht der Videobilder zu entscheiden. Das ändert bei einem Torwurf in der Schlusssekunde komplett das Mindset. Die Schiedsrichter müssen per Vorgabe der HBL ihre persönliche Wahrnehmung außen vor lassen und primär den ihnen vorgelegten Videobildern vertrauen. Wenn der im Videobeweis eingeblendete Zeitstempel 59:59 Minuten anzeigt als der Ball vollständig hinter der Torlinie ist, dann müssen sie auf Tor entscheiden. Wenn der Schiedsrichter weiß, dass er ohnehin den Videobeweis wird nutzen müssen, dann ändert das etwas an der Aufmerksamkeit und Wahrnehmung der Schiedsrichter. Wozu soll er noch selber darauf achten, wann er die Schlusssirene hört, wenn er kurz darauf sowieso "objektive" und "richtigere" Videobilder vorgelegt bekommt? Aufgrund der Vorgaben der HBL gleicht der Schiedsrichter die Videobilder nicht mehr mit seiner persönlichen Wahrnehmung ab, sondern vertraut ausschließlich auf diese Bilder.
Das Schiedsrichter-Gespann Marcus Hurst und Mirko Krag stand nach dem Spiel zwischen dem VfL Gummersbach und dem SC Magdeburg im Dezember 2025 öffentlich im Fokus und wurde innerhalb der Handball-Szene dafür kritisiert den zur Verfügung stehenden Videobeweis nicht genutzt zu haben. (Auch ich habe sie dafür kritisiert.) Seitdem haben sie sich mehrfach in Bundesligaspielen in den Schlusssekunden per Videobeweis abgesichert, anstatt auf ihre eigene Einschätzung zu vertrauen. Insofern würd ich Dir widersprechen, dass der Videobeweis nicht die subjektive Wahrnehmung der Schiedsrichter ersetzt. Bei Marcus Hurst und Mirko Krag erlebe ich, dass sie ihre persönliche Wahrnehmung hintenanstellen und sich gänzlich auf die Videobilder verlassen, um eine vermeintlich richtige Entscheidung zu treffen und sich selbst aus der Kritik zu nehmen.
Der Soziologe Hartmut Rosa hat sich in seinem Buch "Situation und Konstellation. Vom Verschwinden des Spielraums" damit beschäftigt, wie der Verlust von Handlungsspielräumen das Verhalten der Menschen beeinflusst, u.a. auch am Beispiel des VAR im Fußball.
ARD-Mediathek, ttt - Titel Themen, Temperamente: Vom Verschwinden der Spielräume: Hartmut Rosa und Christian Streich
Literaturkritik.de: Im Würgegriff der Konstellationen
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Peter2000
Danke für Deine sachlichen und inhaltlich bereichernden Beiträge zur Diskussion.