Dormagen verschwindet von der Bundesligalandkarte - Eine Rückschau

  • Es heißt Abschied nehmen. Nach fast 30 Jahren verschwindet Dormagen von der Bundesligalandkarte.


    Zeit, zurückzublicken, sich an schöes zu erinnern.


    Ich möchte das für alle Dormagener Fans tun, die früher und heute zu "unserem" TSV gehalten haben.


    In einer losen Reihe lasse ich (meine) Highlights Revue passieren. Fühlt Euch alle eingeladen, diesen Rückblick zu Kommentieren.



    Los geht es:



    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:


    A) Die wilden Achziger, Teil 1 – Zwei Aufstiege in 4 Jahren



    1982/83
    Regionalliga West, Gruppe Süd 2. Platz und Westdeutscher Vize-Meister Aufstieg in die 2. Bundesliga


    Schnell hatte es sich herumgesprochen: die erste Mannschaft des TSV Bayer Dormagen klopft an das Tür zur zweiten Bundesliga.


    Nachdem die Entscheidungsspiele gegen Emsdetten 14:15 (mein erstes Handballspiel überhaupt; ich war 13 Jahre) und 16:15 (Das „Wunder von Emsdetten“) endeten stand der TSV in zwei Endspielen um den Aufstieg gegen den VTB Altjührden. Nach dem sensationellen 7-Tore Sieg aus dem Hinspiel galt es, den Aufstieg vor heimischen Publikum perfekt zu machen. Der TSV verlor mit einem Tor, stieg auf und feierte, was das Zeug hielt. Klaus Dyllong, Henner Kring, Heinz Badus, Uwe Klenzendorf und andere wurden zu Dormagener Legenden. Von da an war ich infiziert und habe seit dem kaum mehr ein Heimspiel verpasst.


    1983/84
    2. Bundesliga, Gruppe Nord 8. Platz


    Das erste Jahr „Profi“Handball in Dormagen – mit einer Mannschaft, die überwiegend aus Dormagen kam. Der Start in dioe Saison mißglückte mit 1:7 Punkten, bevor ausgerechnet gegen die Werksmutter Bayer Leverkusen die ersten zwei Pluspunkte Dormagens im Profihandball eingefahren wurden.


    Meine persönliche Historie beginnt mit dem ersten Hallenheft – ausgerechnet zum Spiel gegen TuRu Düsseldorf. Am 29.10.1983 kam der TSV mächtig unter die Räder: 13:25 hieß es am Ende für die Spitzenmannschaft von der Schäl Sick. Neuzugang Rüdiger Rüber konnte der Deckung noch nicht die nötige Stabilität geben. Auf Düsseldorfer Seite waren mit Dieter Bartke und Karl-Heinz „Kalle“ Töpfer zwei spätere Dormagener Publikumslieblinge am Ball.


    Das zweite Highlight war das Spiel gegen den OSC Thier Dortmund vom 01. Februar 1984. Nach einem 6:6 zur Pause steigerte sich die zweite Hälfte zu einem wahren Krimi: über 7:10 kam der TSV auf 11:12 ran, als mit dem 11:13 der TSV in doppelte Unterzahl geschickt wurde, kurz vor Schluss. Doch eines konnten Dormagener Mannschaften schon immer: Kämpfen bis zum Umfallen. Trotz des Handicaps glich der TSV noch aus, das Spiel endete 13:13 vom Ergebnis und mit einer handfesten Schlägerei auf dem Spielfeld, mit dem Ergebnis, dass Dormagens Torwart Jost-Michael Vogel zum nächsten Spiel mit einem dicken Veilchen antrat.


    Die Saison endete mit dem Heimspiel gegen den VfL Lichtenrade, bei dem nicht nur der Klassenerhalt in der 14-er Liga gefeiert wurde, sondern auch mit 24:16 der höchste Saisonsieg.


    Doch halt. Ein Ereignis gab es noch, dass im Kollektivgedächtnis aller Dormagner Handballanhänger für immer einen Spitzenplatz einnehmen wird:


    Am 10.März 1984 kam in der ersten DHB-Pokal-Hauptrunde der Erstligist THW Kiel zum Aufsteiger nach Dormagen. Die Dreifachhalle platzte mit ca. 2000 Zuschauern aus allen Nähten und der Underdog spielte in seinem ersten Pflichtspiel gegen einen Bundesligisten ein unglaubliches Spiel und rang dem schon 13:17 führenden Favoriten nach 60 Minuten ein 18:18 ab. Auch nach den ersten 5 Minuten Verlängerung stand es unentschieden, 20:20 und die Halle Kopf. Am Ende verlor Dormagen 20:23 aber die Handballeuphorie in Dormagen war geboren. Noch heute gibt es bei denen, die damals dabei waren dieses Glitzern in den Augen, wenn über dieses Spiel gesprochen wird.


    1984/85
    2. Bundesliga, Gruppe Nord 9. Platz


    Die zweite Saison trat der TSV mit fast derselben Mannschaft an, die sich in ihrem ersten Zweitligajahr so wacker geschlagen hatte. mIt einem 20:19 gegen den Lokalrivalen Olympia Longerich hatte man schon nach dem ersten Spieltag die ersten Pluspunkte auf dem Konto. Im letzten Heimspiel des Jahres 1984 ging es gegen den Aufstiegsrivalen von vor zwei Jahren, den VTB Altjührden und erstmals gibt es etwas über die Schiedsrichter zu berichten. Nachdem Altjührden in einem spannenden Spiel das 20:21 markierte, verzögerte man geschickt das Spiel und die Schiedsrichter ließen die Uhr runterticken, so dass Dormagen nicht mehr zum Ausgleich kommen konnte.


    Auf Grund der deftigen „Kritik“ an den Schiedsrichtern in diesem und dem darauffolgenden Spiel (In Longerich, 19:19), sah sich der Verein genötigt, die Zuschauer im Hallenheft zum Spiel gegen Fredenbeck am 26.01.1985 zu sportlicher Fairness zu ermahnen!


    Mit den Spielen in Longerich und Leverkusen hatte der TSV übrigens zwei Heimspiele mehr, denn der überwiegende Teil der Zuschauer kam aus Dormagen zu den Spielen, ein Trend, der sich in den kommenden Jahrzehnten fortsetzte.


    1985/86
    2. Bundesliga, Gruppe Nord 2. Platz und Relegationsspiele (26:25 und 21:22 gegen TuS Schutterwald)


    Alles Neu in der dritten Saison: Günther Klein auf der Trainerbank wurde abgelöst von Hannes Krieg und erstmals wurden Spieler „zugekauft“. Neben Bert Fuchs, Armin Holst vom Tus Derschlag (Sohn Max, ein TSV-Eigengewächs bestritt vor wenigen Tagen sein erstes Länderspiel) ist hier vor allem DIE Legende Dormagens schlechthin zu nennen: Vladimir „Gerry“ Vukoje heuerte beim TSV an. Gleich im ersten Saisonspiel in Herzhorn trag Gerry 6 mal – der Anfang der „großen Zeit“ des TSV.


    Am 05.10.1985 feierte der TSV Bayer Dormagen erneut einen Rekord: den höchsten Zweitligasieg bis dahin. Erneut war der Gegner Lichtenrade, diesemal endete das Spiel 28:13.


    Redaktionell legte das Hallenheft der „Bayer-Baller“ ebenfalls in Sachen Professionalität nach. Neben Vor- und Presseschau gab es unter anderem ein „Sportquiz für die Halbzeitpause“, die Regelecke und ein Fotorätsel für „Insider“.


    Am 10.11.1985 stürzte der TSV den Spitzenreiter TuRa Bergkamen von der Tabellenspitze. Uwe Klenzendorf machte 3 Sekunden vor Schluss vor den euphorisierten Dormagener Fans in der Bergkamener Halle den 22:23 Sieg perfekt. Bester Werfer der TuRa war mit 6 Treffern übrigens ein gewisser Richard Radtka.


    Am Ende der Hinrunde war der TSV sogar Halbzeitmeister, vor dem VfL Hameln. Garant dafür war die Mannschaftliche Geschlossenheit, aus der Gerry Vukoje mit seinen Toren herausragte.


    Die Führung verteidigte der TSV bis zum letzten Heimspiel, als der Tabellenelfte, Lokalrivale und Abstiegskandidat Olympia Longerich in das Sportcenter kam.


    Im Spiel zuvor verloren die Dormagener in Wanne-Eickel die Nerven, verloren nicht nur das Spiel, sondern auch Vukoje, der 40 Sekunden vor Schluss die Schiedsrichter beleidigte und mit einer 4 wöchigen Sperre versehen wurde. Der TSV fühlte sich verschaukelt (Zeitspiel nach 8 Sekunden), die Fans machten ihrem Unmut (wieder einmal) deutlich Luft und Hameln og mit dem TSV nach Punkten gleich. 12 Tore war der TSV vor dem Schlussakt besser.


    Doch den Ausfall Vukojes konnte der TSV nicht kompensieren: In eigener Halle reichte es gegen Longerich nur zu einem Unentschieden. Während Longerich den Nicht-Abstieg feierte, kauerten die Fans auf der Tribüne und am Spielfeldrand und warteten auf den Hallensprecher Claus Radtke, der das Endergebnis aus Hameln verkünden sollte. Hameln gewann, deutlich, der Traum des Aufstiegs war ausgeträumt.


    In den anschließenden Relegationsspielen des späteren Relegations-Rekordhalters gegen den TuS Schutterwald reichte es ebenfalls nicht zum Aufstieg. Eine tolle Saison endete tragisch.


    1986/87
    2. Bundesliga, Gruppe Nord 1. Platz und Aufstieg in die 1. Bundesliga


    Auf ein Neues hieß es am 13.09.1986. Das Team des TSV wurde erneut verstärkt mit dem Torwartriesen Dieter Bartke, Jörn-Uwe Lommel, Spielmacher Michael Klemm und den Eigengewächsen Dieter Springel und Norbert Nowak. Die größte Verstärkung allerdings saß auf der Trainerbank: Petre Ivanescu gab sich die Ehre und wurde Dormagens Idoltrainer.


    Erst am 5. Spieltag gab der TSV im Heimspiel gegen Minden (11.10.1986) seinen ersten Punkt ab. Nicht nur der einzige Punkt, den der TSV in der Hinserie abgab, sondern auch bis zum Unentschieden am letzten Spieltag (!) in Fredenbeck der Einzige! Der TSV Bayer Dormagen stieg mit einer bis dahin einmaligen Bilanz in die erste Handball-Bundesliga auf.


    Der Spielplan wollte es, dass ausgerechnet beim Nachbarn Longerich, die in der Vorsaison noch der große Spielverderber waren am 07.03.1987 mit einem 24:20 der Aufstieg gefeiert werden konnte. Die Halle in Chorweiler platzte dabei aus allen blau-weißen Nähten Was für eine tolle Feier!


    Wieder wurden Legenden geboren, das Aufstiegsteam ist bis heute das populärste in Dormagen!


    Zwischendurch gab es noch ein weiteres Highlight in der Super-Saison: am 28.03.1987 nahm der Underdog aus Dormagen erfolgreich Revanche am THW Kiel in der Dreifachhalle. Mit 26:19 fegte man die Nordlichter aus der Halle.


    Dormagen war in der Belle Etage angekommen.

  • Weiter geht es:


    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:


    A) Die wilden Achziger, Teil 2 – Von Bundestrainern und Ausländerkontingenten


    1987/88
    1. Bundesliga 5. Platz


    Am 12.09.2007 wurde mit dem Spiel beim TuS Hofweier der TSV Bayer Dormagen in den Kreis der Bundesligisten aufgenommen. Die Premiere ging gründlich daneben. 30:23 unterlag das nur punktuell ergänzte (Thomas Schulz, Dirk Kelle) Meisterteam.
    Zum zweiten Heimspiel stellte sich der MTSV Schwabing in der Dormagener Dreifachhalle vor. Ich weiss noch, wie mir ob der enormen Waden des Münchner Starspielers Andreas Dörhöfer fast die Augen aus dem Kopf fielen. Über Jahre wurde er in unserem Freundeskreis nur ehrfürchtig „Wade“ genannt. Zum ersten Bundesligasieg reichte es auch hier nicht: 22:23 war das verdiente Endergebnis.
    Den ersten Sieg gab es dann endlich am 10.10.1987 zu feiern: ausgerechnet das Starensemble des TuSEM Essen wurde von den Bayer-Ballern und einem fanatischen Publikum mit 18:16 geschlagen. Um dabei zu sein, standen die Leute auf Turnbänken rund um das Spielfeld in zweiter Reihe, die Türen der Gerätzeräume wurden geöffnet, um auch hier den Zuschauern das Dabeisein zu ermöglichen. Zu dieser Zeit waren sicherlich jedes Mal 1600-2000 Zuschauer in der Halle, die 1444 Plätze offiziell fasste.
    Erstmals überregional aufhorchen lies der TSV am 10.Spieltag, als er als Tabellenletzter dem bis dahin verlustpunktfreien VfL Gummersbach in einer hochdramatischen Partie beim 14:14 einen Punkt abknöpfte. Bedröpplet schlichen auch Andreas Thiel, Christian Fitzek und Kristjan Aarason, alle später auch beim TSV aktiv, vom Feld.
    Das Unentschieden setzte beim Aufsteiger ungeahnte Kräfte frei: von den kommenden 5 Spielen wurde nur das Erste –in Kiel verloren. Vor dem Duell mit Essen war der TSV plötzlich mit 16:16 Punkten im Mittelfeld der Tabelle, nur 2 Punkte hinter dem TuSEM. Doch dieser zeigte den Dormagenern die Grenzen auf: über ein 10:4 zur Halbzeit hieß es 17:13 am Ende. Die mitgereisten Dormagener waren in der ungewohnten Grugahalle restlos bedient.
    Und weitere dunkle Wolken zogen am Dormagener Himmel auf: Erfolgstrainer Ivanescu war als neuer Bundestrainer ausgeguckt worden und er nahm das Amt im Mai 1988 an. Die Bundesligavereine allerdings wehrten sich gegen die Doppelfunktion beim TSV und in der Nationalmannschaft, so dass Ivanescu schweren Herzens zum Saisonende sein Amt in Dormagen aufgeben musste. Bei der Suche nach dem Nachfolger kam es zur „Posse“ um HaDe Schmitz, der erst öffentlich verkündete, nach Dormagen zu wechseln, dann aber doch in Essen blieb. Das wiederrum erzürnte einen uns wohlbekannten Pressevertreter (Stichwort: „Tunnelblick“) so stark, dass ein gewisser „duz“, derzeit Pressesprecher des DHCRheinlnd im Hallenheft zum Spiel gegen Kiel am 16.April 1988 schrieb: „Was da in der […] Zeitung in den letzten Wochen an unsachlicher Kritik über die Arbeit des Vorstandsteams zu lesen war, geht schon kaum noch auf die berühmte Kuhhaut. Man kann Unruhe auch wirklich dadurch erzeugen, dass man bestimmte Themen immer wieder hochkocht. Wem esletztlich nützt, mag der Redakteur wissen.“
    Am 22. Spieltag kam Altmeister Göppingen nach Dormagen und brachte einen Spieler mit, dem es in Dormagen gut gefiel: Ulrich „Uli“ Derad. Das Spiel endete 20:15, Derad blieb blass – vielle sagen, seit damals hätte das sich bei ihm auch nicht geändert. Mit diesem Erfolg war die Bayer-Sieben das erfolgreichste Team der Rückrunde und der bis dahin erfolgreichste Aufsteiger jemals in der Handball-Bundesliga.


    1988/89
    1. Bundesliga 7. Platz
    Die zweite Saison im Oberhaus fing bescheiden an. Zwar hatte man sich mit Kalle Töpfer einen klasse Kreisläufer geangelt, die restlichen „Verstärkungen“ erwiesen sich allerdingsschnell als Mitläufer und Fehleinkäufe. Auch auf der Bank hatte der TSV kein Glück: die Fußstapfen Ivanescus waren für Nedeljko Vujinovic als zu groß. Im Dezember 1988, zur Rückrunde, wurde er, trotz sich einstellender, beginnender Erfolge, von Werner Enders abgelöst.
    Immerhin: am 6. Spieltag wurde ein Traum für die Dormagener Handballer und ihre Fans wahr: mit 18:15 –ohne Denker und Lenker Michael Klemm- gewann der TSV in der Eugen-Haas-Halle gegenGummerbach. Ich weiss noch, wie enttäuscht ich über die Halle war: wir hatten Stehplätze und die niedrig gezgene Decke schluckte nicht nur den Schall unsererRufe, sondern ermöglichte auch nur eine eingeschränkte Sicht auf das Spielfeld. Doch am Ende hatte sich die Fahrt gelohnt.
    Auch im Rückspiel gegen Gummersbach brandete lautrer Jubel auf: nicht nur ob des 24:19 Sieges, sondern auch wegen des ersten Saisontores von „Urgestein“ und Abwehrchef Klaus Dyllong. Eine echte Rarität!
    In einer ansonsten recht ereignislosen Saison gab es dann noch eine Nachricht, die die Dormagener Handballfans schockierte. Mit der Verpflichtung des norwegischen Nationalspielers Oystein Havang endete das Kapitel Vladimir Vukoje in Dormagen, weil zur damaligen Zeit nur ein (!!!) Ausländer erlaubt war. Gerry ist sicher ein Kandidat für die „Ehren-7“ des TSV Bayer Dormagen.

  • @ Bayerwisser
    Zuerst habe ich gedacht was soll so ein Thread, aber ich muss sagen Du schreibst das echt gut und rufst bei mir Handball-Erinnerungen wieder ab die sonst wohl verschütt geblieben wären. Ich bin auch Anfang der 80er zu Regionalligazeiten beim TSV eingestiegen. Schreib weiter so, macht Spaß es zu lesen ;-)
    Leider werden uns wohl nur diese Erinnerungen bleiben! :-(

    Ich denke oft an die Zukunft, denn das ist der Ort wo ich den Rest meines Lebens verbringen werde.
    (Al Pacino)

  • Danke für die Blumen, Las Vegas, das war es auch, was ich im Sinn hatte.


    Heute schließe ich die 80'er ab, bevor es mit den sportlich erfolgreichen 90'ern weitergeht.



    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:


    A) Die wilden Achziger, Teil 3 – Die Saison des Arno E. und Oystein H.


    1989/90
    1. Bundesliga 9. Platz


    Mit 6 neuen Spielern nahm der TSV die Saison 1 ohne Vukoje auf. Gleich zu Beginn zeigte sich, dass man mit „Shooter“ Havang offenbar richtig eingekauft hat: 7, 6 und 8 Tore in den ersten drei Saisonspielen etabliertenn Havang unter den Top5 Torschützen der Liga.
    Am 01.11.1989 spielte der TSV beim TuS Schutterwald und der Ausgang des Spiels sollte sich Jahre später an ähnlicher Stelle ähnlich dramatisch fü den TSV gestalten: Eigengewächs Norbert Nowak warf ca. 20 Sekunden vor Schluss den Ausgleich für den TSV, doch die Schiedsrichter pfeifen den Angriff wg. Stürmerfoul ab, Dormagen verliert unglücklich 25:24. Wer denkt jetzt nich an das „legendäre“ Spiel in Willstätt Jahre später?
    Einen Tag vor Ende des Jahres 1989 erwischte es den TSV bei der 23:26 Niederlage gegen Essen zum ersten mal im Kalenderjahr. Trotz einer bemerkenswerten Leistung vom zweiten Mittelmann, Dieter Springel, der sich immer wieder klasse an den Kreis durchtankte und 7 Tore warf, nichts zu holen: die Flügelzange Fraat/Quarti verlagerte das Spiel nach Außen, weg vom starkenDormagener Innenblock.
    Ansonsten wäre die Saison so dain geplätschert, wenn sie nicht eine Brisanz durch die neu eingeführten Meister- und Abstiegs-Playoffs gehabt hätte: man musste mindestens 8. Werden, um die Meister-Playoffs zu spielen.
    Doch im 40. Jahr ihres Bestehens war die Auswärtsschwäche dafür verantwortlich, dass es mitdiesem Ziel nicht klappen sollte. Am Ende lief der TSV auf einem enttäuschenden 11.Platz ein.
    Als Konsequenz daraus führte der nur für diese Abstiegsrunde eingekaufte Arno Ehret Mannschaf als Trainer durch diese Runde. Nach einer 16:20 Niederlage zum Auftakt verlor Ehret kein Spiel mehr mit den Dormagenern und sicherte so dem TSV den Klassenerhalt. Im letzten Saisonspiel warf dann Havang erstmals 10 Tore und wurde Abstiegsrundentorschützenkönig. Auf der Gegenseite verfehlte Rainer Cordes den Uraltrekord von Jerzey Klempel mit 16 Toren in einem Spiel nur um 2 Tore.

  • Ich bin schon auf 2000er Jahre gespannt. Wo ich dann auch dazustieß :)


    In den 80/90ern war ich nur als Kind und mir fehlen jegliche Erinnerungen. Erinner mich nur an eine Autogrammstunde auf dem Weihnachtsmarkt in Dormagen als der TSV anwesend war und ich Autogramme [hab ich leider in der Pupertät entsorgt :( ] geholt habe und ganz ehrwürdig vor Andreas Thiel gestanden habe und meine mama gefragt habe, ob dies der Hexer sei ;)

    Sebastian Faißt *o7.o3.1988 - † o3.o3.2oo9
    In unseren Herzen lebst du weiter

  • Ich erinnere mich immer noch noch sehr gerne an die Zeit in der ich als Ordner in der Schweinehalle mittendrin und dabei war. Alleine schon die fachsimpelei nach den Spielen an der improvisierten Theke am Eingang mit den Spielern war ein Genuss. Ganz zu schweigen von der Stimmung in der "Dreifachhölle". Namen wie "Gerry" Vukoje, Springel, Dyllong, Klemm, Nowakowski, Jacobsen, Kelle, Bartke, Baldus, Thiel usw. werden immer einen Platz in der Handballgeschichte von Dormagen haben.
    Aber die tollste Erinnerung ist immer noch das Spiel mit der ersten der SG Zons gegen die damalige Bundesligatruppe des TSV mit allen Stars im, Rahmen eines Benefizspiels.


    Auch wenn es nie für die großen Erfolge gereicht hat war es eine "superjeile Zick".

  • Meine ersten Erfahrungen mit dem Handball hatte ich, ich glaub es war 1997, als Martin Rubin der Nachbar von meinem Onkel war. Ich war damals 12 Jahre und richtig Stolz ein Autogram von ihm zu haben. Es hat dann aber trotzdem noch bis 2002 gedauert bis ich mein erstes Spiel gesehn habe. Es war gegen Flensburg in der Dreifachhalle einen Tag vor Karneval. Leider ging die Partie verloren. Die Saison danach habe ich auch ein paar Spiele in der 3.Liga im neuen Sportcenter verfolgt. Doch das Jahr 2003 war dann mein richtiger Einstieg. Es war das Spiel gegen Solingen, Derby. Geile Stimmung , fast 2000 Zuschauer. Dormagen gewann 29:21. Ich im Rausch, und Aschenbroich war mein persönlicher Held;-) Von da an bin ich bis ende der Saison zu fast jedem Heimspiel gegangen. Bis zu der legendären Abschlussparty im Sportcenter, als Peter Sieberger auf der Theke tanzte und Freibier zapfte. Von nun an hatte ich ein neues Idol , Peter Sieberger!!! ;-) In den Jahren bis heute gab es viele Topspiele, aber eins war für mich an Spannung nicht zu überbieten. Es war der 3.12. 2004, der TSV empfing die Startruppe aus Kronau/Östringen. Das Spiel war die ganze Zeit auf Messers Schneide, mit ständig wechelsenden Führungen Pro TSV bzw PRO Kröstis. Aber am Ende gewann der TSV 28:27. Das war für mich das geilste Spiel. Klar kammen dann noch die dramatischen Spiele der Relegation, in den folgenden Jahren,aber das Spiel werde ich nie vergessen. 2005 bin ich dann dem Fanclub Blauweiss in meiner ersten Auswärtstour nach Friesenheim, beigetreten. Von dem Tag an entwickelten sich einige Freundschaften, es waren immer schöne Stunden bei sämtlichen Auswärtstouren. Vergessen werde ich auch nicht, als wir mit drei Leuten mit dem Auto, Mittwochabends, nach Gelnhausen fuhren. Im Aufstiegsjahr, bildeten die Jüngeren aus dem Fanclub Blauweiss, die Gruppierung THEKENREITER. Ich habe da Doppelhalter , Fahnen und einen großen Banner gebastellt(der leider verloren ging). Von nun an standen wir immer hinter dem Tor und sagen was das Zeug hielt. Es war echt schön. Im Aufstiegsjahr , waren wir 25 Leute. Und leider wurde das Projekt von einigen im Verein nicht so angenommen, wie wir es wollten. Deshalb wurden es immer weniger. Aber der harte Kern steht heute noch oben hinterm Tor , ander Theke. Leider sind wir in der Regel nur noch 5 Leute.Die Bundesliga zeiten der letzten Jahre waren anfangs ja ein Genuss. Kiel, Hamburg, Gummersbach, Flensburg .....man waren das geile Spiele. So geile Stimmung, der Hexenkessel Sportcenter.Leider, ging es jetzt in den letzten beiden Jahren so unrühmlich zu Ende. Aber eins muss man festhalten, die Jungs auf dem Platz haben(fast) immer gekämpft. Man denke nur an die Rückrunde im letzten Jahr,nach der Nachricht der Insolvenz.Leider sieht es in dieser Saison nicht immer so aus.Aber man kann die Jungs auch verstehn,nach so einer Geschicht(wozu ich mich ja nicht mehr Äussern muss) Ich für meinen Teil kann sagen, ich komme auch in der dritten Liga. Und wer weiss, vielleicht sieht man den TSV in ein paar Jahren auf der "großen" Handballbühne wieder. In diesem Sinne frei nach dem Motto: Et kütt , wie et kütt!!



    PS: Für die Reschtschreibfehler , kann ich nix.Habe einfach aus meinem Rausch der Gedanken geschrieben!

  • @
    DHC-Girl
    Woody1962
    ForeverTSV


    und ein wenig auch LasVegas


    Sorry Ihr lieben,
    aber kann es sein das Ihr den Sinn dieses Thread´s nicht so richtig verstanden habt und mit euren Beiträgen die leicht lesbare Chronologie ein wenig stört. Wenn Ihr von euren Erlebnissen mit dem TSV/DHC berichten möchtet so macht dies doch in einem eigenen/neuen Thread damit allen anderen, hier die Christian´s Erinnerungen verfolgen möchten nicht gestört werden. evtl. läßt sich am Ende seiner Erzählungen der Thread für alle hinzuzufügenden Erinnerungen eröffnen- dies kann Christian aber dann auch freigeben.


    im Wissen das auch ich nun zum aufblähen des Threades beigetragen habe auch wenn es unfreiwillig geschehen musste, verbleibe ich in der Hoffnung das nun Christian bis zum 2ten Insolvenzantrag des DHC seine Ausführungen ungestört zum Ende bringen kann, bin mal gespannt was alles noch so kommt. (man muß der Abends Zeit haben, es gibt doch noch andere Dinge- oder :ficken: )


    LG


  • Sorry...vollkommen richtig. Wegen mir können die Mods hier aufräumen :hi:

  • Willkommen in den 90'ern:


    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:


    B) Die erfolgreichen Neunziger, Teil 1 – Fünfmal Tusem Essen und die Schweinehalle


    1990/91
    1. Bundesliga 5. Platz und Teilnahme an den Play-Off-Spielen zur Meisterschaft


    Was noch keiner wusste: die Saison beginnt, wie sie endet; mit einem Spiel gegen TuSEM Essen, den stets erfolgreicheren, aber immer in Schlagdistanz verweilenden Rivalen. Zur neuen Saison wurde der Kader des TSV gezielt verstärkt, um nicht nur statt der Abstiegsrunde nun die Meister-Playoffs zu erreichen, sondern auch die Qualifikation für die neue Gesamtdeutsche Liga, die im nächsten Jahr ausgespielt werden sollte. Dormagen sollte übrigens in der DHB-Geschichte der einzige Sieger der Abstiegsrunde, da diese wieder abgeschafft wurde.


    So wurde neben Christian Fitzek und der „Tormaschine“ Marian Dumitru auch ein neuer Trainer verpflichtet: endlich hatte es mit HaDe Schmitz geklappt, der im Nachgang der erfolgreichste Dormagener Trainer sein sollte. Und auch für den Ex-Essener Schmitz wurde es eine besondere Saison gegen seinen alten Verein.


    Dabei wäre HaDe eigentlich gar nicht Trainer in Dormagen geworden, denn der Wunschkandidat war Martin Schwalb für die TSV-Verantwortlichen. Doch trotz eines lukrativen Angebotes ging Schwalb zur SG Wallau Massenheim. Begründung: "Mir reicht es, wenn ich einmal im Jahr in dieser Schweinehalle spielen muss." Für alle Dormagener, die schon länger dabei sind, war die Halle an der Konrad-Adenauer Straße seit dem die „Schweinehalle.“


    Im Gedächtnis ist mir chronologisch zunächst einmal das Spiel des 6. Spieltages beim VfL Fredenbeck geblieben. Eigentlich stand der TSV auf verlorenem Posten: in der 56. Minute stand es 21:15 für Fredenbeck, die das Spiel deutlich dominierten. Dann legte der TSV den Schalter um und eine Leistung hin, die ich nie wieder gesehen habe: in den letzten 4 Minuten machte der TSV aus dem 21:15 noch den 21:21 Endstand! Publikmsliebling „Kalle“ Töpfer traf eine Sekunde vor Schluss zum Ausgleich. Unglaublich!


    Doch immer wieder Verletzungen, diese Saison mal wieder Michael Klemm und Marian Dumitru machten den Dormagener Ambitionen einen Strich durc die Rechnung, sich in der Spitzengruppe der Liga zu etablieren. So beendete der TSV die Hinrunde zwar auf Platz 5, mit 13:13 Punkten war man den Abstiegsplätzen (Niederwürzbach 12. Mit 10:16) allerdings näher, als der Spitzengruppe.


    Der Auftakt der Rückrunde gegen Essen hatte es in sich: schließlich verpflichtete der TuSEM während der Saison mit Alexandr Tutschkin einen russischen Hünen – nicht selbstverständlich zu dieser Zeit. Ein hart umkämpftes Spiel gewannen die Essenener (mal wieder) hauchdünn: 23:24. Es war das einzige Spiel des Superstars gegen Dormagen in dieser Saison:Tutschkin brach sich später den Fuß.


    Nach Abschluss der Runde war klar, dass Dormagen wieder gegen den TuSEM ranmusste: in den erhofften Meister-Playoffs. Vor den Spielen wurde der TuSEM übrigens noch DHB-Pokalsieger – übrigens mit dem kurzfristig für Tutschkin nachverpflichteten „Gerry“ Vukoje! Dieser sollte auch in den Playoffs für den TuSEM spielen.


    Die Runde wurde im Best of Three Modus ausgetragen, wobei der Bundesligaerste gegn Dormagen mit einem Heimrecht begann. Mit einem mageren, hart umkämpften 5:5 wurde in der Grugahalle die Seiten getauscht. In der zweiten Halbzeit drehte der TuSEM dann aber auf und führte mit 15:12, aber Dormagen fightete zurück und rettete sich in die Verlängerung. Dort aber siegte der Tusem dann 22:16.


    Das Rückspiel in Dormagen ist Legende. In einem dramatischen Fight vor überfüllten Tribünen peitschten die TSV Anhänger en Außenseiter zum sensationellen 13:12 Sieg. Essens Top-Torschützen Fraatz und Vukoje gelangen jeweils nur 2 Treffer, für die auf den Tribünen dabei gewesenen wieder ein Spiel, dass für immer in Erinnerung bleiben sollte. Den ohrenbetäubenden Lärm in der ehrwürdigen Halle an der Konrad Adenauer Straße haben viele nie mehr aus dem Ohr bekommen. Im dritten Spiel setzte sich dann der TuSEM mit 25:21 entgültig durch. Ich meine mich zu erinnern, dass bei diesem Spiel erstmals Absperrungen und Leibesvisitationen durchgeführt wurden, weil man Angst vor den Dormagener handballfans hatten, die in den ersten Jahren wahrlich icht immer den besten Ruf hatten.

  • Schöen Zusammenfassung, Bayerwisser, :respekt: ! Ich denke, dass ich das später noch mit eigenen Erinnerungen ergänze, die um 1975 beginnen, als ich erstmals dabei war. Damals war der TSV Bayer Dormagen erstals in die zweithöchste Spielklasse aufgestiegen (Regionalliga West, Gruppe Süd).


    Hier ist Dir aber ein Fehler unterlaufen, den ich richtig stellen muss:


    Dabei wäre HaDe eigentlich gar nicht Trainer in Dormagen geworden, denn der Wunschkandidat war Martin Schwalb für die TSV-Verantwortlichen. Doch trotz eines lukrativen Angebotes ging Schwalb zur SG Wallau Massenheim. Begründung: "Mir reicht es, wenn ich einmal im Jahr in dieser Schweinehalle spielen muss." Für alle Dormagener, die schon länger dabei sind, war die Halle an der Konrad-Adenauer Straße seit dem die „Schweinehalle.“


    Martin Schwalb war damals (1990) 27 Jahre alt und wurde nicht als Trainer kontaktiert, sondern als Spieler. Gute Halbrechte waren schon immer begehrt und auch, wenn in Dormagen sonst alles stimmte: die "Schweinehalle" ging gar nicht. ;):lol: Mit dem Spruch hat er sich in Dormagen unsterblich gemacht. :lol: Als er viele Jahre später mal in Dormagen von einem Presse- oder Vereinsvertreter darauf angesprochen wurde, konnte er sich nicht mehr daran erinnern.


    Gruß Flevo


    PS: Mach weiter so. :hi:

    Es kann passieren, was will: Es gibt immer einen, der es kommen sah. (Fernandel)

  • Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:


    B ) Die erfolgreichen Neunziger, Teil 2 – Goldene Jahre


    1991/92
    1. Bundesliga, Gruppe Nord 7. Platz und Qualifikation zur eingleisigen 1. Bundesliga Gewinn des IHF-Liga-Cups und Erreichen des Europapokals (IHF-Pokal)


    Die Saison 91/92 war für den Deutschen Handball, wie für den TSV etwas Besonderes, denn am Ende stand nicht nur die Qualifikation für die eingleisige, gesamtdeutsche Bundesliga, sondern der TSV errang erneut einen Titel, der nie wieder ausgespielt wurde.


    Der TSV hatte spektakulär personell noch einmal nachgelegt und den Hexer, Andreas Thiel an den Rhein lotsen können! Trotzdem setzte es zum Saisonauftakt eine mehr als deftige 25:17 Niederlage beim Aufsteiger Hameln.


    Weniger eingeschlagen hatte die Verpflichtung des Hageners Olaf Mast, der bereits Anfang Dezember wieder –an Zweitligist Rheinhausen- ausgeliehen wurde, offiziell um Spielpraxis zu sammeln. Doch die Geister, die man ruft, wird man nicht mehr los…


    Am Mittwoch, 15.01.1992 feierte der TSV seinen bis dahin höchsten Bundesligasieg: mit 35:19 wurde der völlig überforderte Stahl Brandenburg wieder nach Hause geschckt. Bereits zu diesemfrühen Zeitpunkt der Saison war klar, dass Domagen die angestrebte Qualifikation zur gesamtdutschen Bundesliga schaffen wird.


    Doch immer wieder unerklärliche Leistungsschwankungen auswärts sorgten dafür, dass der TSV die angestrebten Meister-Playoffs verfehlte. Immerhin, der kuriose „IHF-Ligacup“, einmalig ausgesprielt für die Mannschaften zwischen Platz 5 bis 8, war für den TSV erreicht.


    In diesem Konstrukt schaltete der TSV nacheinander (in Hin- und Rückspielen) Ex-Meister Goßwallstadt, in beeindruckender Weise den TSV Milbertshofen und dann die SG Hameln aus – dabei gewann Dormagen als einziges Team der Saison in der Rattenfängerhalle.


    Wie und wo der TSV sich dann für den IHF-Pokal qualifizierte, kann ich leider heute nicht mehr nachvollziehen. Klar war allerdings: der TSV war in der kommenden Saison international dabei



    1992/93
    1. Bundesliga 12. Platz DHB-Pokal-Finalist (21:24 gegen Wallau-Massenheim) IHF-Pokal-Finalist (24:20 und 20:26 gegen Teka Santander)


    Die Saison 1992/1993 geht als die erfolgreichste in die Geschichte des TSV Bayer Dormagen ein. Abermals wurde das Team des TSV verstärkt und hat mit dem Rückraum Klemm/Springel, Robert Andersson (später Kiel) und Nationalspieler Karsten Kohlhaas mit den besten Rückraum der Liga. Hinzu kamen Thiel im Tor und Dyllong in der Abwehr, Fitzek und Maik Handschke am Kreis, Scheuermann auf Linksaußen. Beeindruckend.


    Im ersten Heimspiel der Saison, am 23.09.1992 gab es ein wiedersehen mit Gerry Vukoje. Er war kurzfristig als Trainer verpflichtet worden. Auf der Platte gab es neben Richard Radtka noch einen anderen Hünen zu bestaunen: Hedinn Gilsson. Das 26:19 war der deutlichste Sieg des TSV bis zum 16. Spieltag. Überhaupt: bis zum 16. Spieltag ab es nur ein weiteres Spiel (verloren), dass mit mehr als 3 Toren unterschied ausging. Die Nerven der Dormagener Zuschauer wurden ganz schön strapaziert.


    Bis zum 26. Spieltag hielt der TSV sich in den Top-5 der Bundesliga, ehe sich die Doppelbelastung mit Europa- und DHB-Pokal bemerkbar machte: von den letzten 8 Saisonspielen verlor der TSV gleich 7 und landete am Ende auf dem 12. Platz.


    Viel spannender als die Bundesliga war für die Dormagener Fans aber in diesem Jahr der Europapokal. Nachdem in Runde 1 Hapoel Tikva aus Israel zweimal deutlich geschlagen wurde, folgen in Runde 2 die Italiener von Ortiga Siracusa, die nicht ganz so deutlich, aber auch zwei Mal bezwungen wurden. Damit stand der TSV schon im Viertelfinale. Dort wartete das Weißrussische Top-Team SKA Minsk auf die Dormagener!


    Das Hinspiel „kaufte“ der TSV den Weißrussen ab und spielte in der Solinger Klingenhalle. Die Dormagener Fans triebenden TSV nach vorne, (die Solinger Zuschauerunterstützten unverständlicherweise Minsk), der am Ende 29:26 gewann. Im Rückspiel in Dormagen gab es im 6. Auftriff im IHF-Cp den 6. Sieg. Der TSV brandte ein Feuerwerk ab beim 27:20 Sieg.


    Auf Grund der ominösen Regelung, dass zwei Mannschaften aus einem Land nicht im Finale aufeinandertreffen dürfen (!!!), wurde beim Losen des Halbfinals nur noch bestimmt, dass Dormagen zunächst Heimrecht gegen die SG Leutershausen haben würde.


    Nach einem umkämpften Heimsieg (18:14) machte sich der Dormagener Tross auf nach „Hause“, wie der beliebte Schlachtruf der Leutershausener war. Zunächst sah es so aus, als könne die SG ihren Heimvorteil nutzen und Dormagen den Finaleinzug noch streitig machen, doch der TSV urde immer souveräner und blieb am Ende weiter ungeschlagen im Wettbewerb. Das 24:24 markierte den größten Erfolg in der Dormagener Handballgeschichte, den Einzug ins IHF-Europapokalfinale gegen die zu der Zeit wahrscheinlich beste Vereinsmannschaft der Welt: TEKA Santander


    Da der IHF die Halle in Dormagen ungeeignet als Austragungsort des Dormagener Heimspiels erschien, musste der TSV am 22.Mai 1993 nach Leverkusen in die dortige Rundsporthalle ausweichen. Die anfangs in Ehrfurcht erstarrenden Dormagener Spieler tauten langsam auf und gewannen hinten raus das Spiel noch sensationell mit 24:20.


    Pfingstsonntag der Woche darauf kam es zum Rückspiel. Auch hier waren die Dormagener zu Anfang nicht wach, Santander hatte schon früh en Rückstand aufgeholt und war klar das bessere Team. Beim 26:20 konnte der TSV nur noch Ergebniskosmetik betreiben.


    Dennoch: der TSV konnte hoch erhobenen Hauptes aus der Saison gehen, zumal nach dem überraschenden Sieg in Gummersbach im DHB-Pokal-Viertelfinale noch eine weitre Titelchance oder zumindest die Möglichkeit zur erneuten Europacup-Quali hatte.


    Keine Premiere ohne den TSV Bayer Dormagen war deshalb auch im DHB-Pokal das Motto. Erstmals wurde das Halbfinale und Finale als „Final Four Wochenende“ gespielt. Der TSV sollte dabei in Frankfurt in seinem Halbfinale auf den Zweitligisten Eintracht Wiesbaden treffen. Mit 26:18 siegte der TSV deutlich und stand im Endspiel gegen die SG Wallau-Massenheim.


    In diesem zweiten Finale der Saison wurde der lange Rückraumshooter Matthias Schmidt zur tragischen Figur: bis weit in die zweite Halbzeit hinein führte der TSV gegen Wallau und hatte den erstn „echen“ nationalen Titel vor Augen. Doch dann drehte das Schiedsrichtergespann den Spielverlauf: Bei einer Abwehraktion in der Rückwärtsbewegung traf Matthias Schmidt einen Wallauer Spieler unglücklich. Doch während alle Anwesenden mit einer zwei Minuten Strafe rechneten, kreuzte die Schiedsrichter die Arme: Ausschluss wegen Tätlichkeit. Natürlich Premiere im Pokalfinale und nie wieder vorgekommen. Mit dauerhaft 5 Feldspielern konnte der TSV seinen Vorsprung nicht verteidigen und verlor am Ende unverdient 21:24.


    Keine Titel, zwei verlorene Finals, viel Sympathie und die erneute Europacup-Teilnahme blieben unter dem Strich übrig.

  • Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:


    B ) Die erfolgreichen Neunziger, Teil 2 – Goldene Jahre



    1993/94
    1. Bundesliga 8. Platz Halbfinale Europapokal der Pokalsieger (26:20 und 12:21 gegen Olympique Marseille)


    Fangen wir diesesmal mit dem Europapokal an: bei seiner zweiten und letzten Teilnahme konnte der TSV in dieser Saison auch noch einmal glänzen: Das schwere Erstrundenlos Cheljabinsk, erwies sich als echter Prüfstein, denn es galt aus dem Hinspiel einen 4 Tore Rückstand wettzumachen. Das gelang dem TSV hauchdünn, er siegte mit 5 Toren Differenz.


    Die Achtelfinals gegen Kumanovo aus Mazedonien waren dann nicht ganz so spannend. Nach einem 14 Tore Sieg im Hinspiel konnte man sich in Mazedonien eine 2 Tore Niederlage erlauben.


    Auch das Achtelfinale war eine eindeutige Angelegenheit für den TSV. Nach dem 28:13 (!) im Hinspiel gegen das dänische Spitzenteam GOG Gudme aus Dänemark reichte eine Ergebnisverwaltung und 3 Tore Niederlage zum Einzug ins Halbfinale des Pokalsieger-Cups.


    Dort traf der TSV auf das französische Spitzenteam Olympique Marseille Vitrolles. Am 23.03.1994 gab es erneut ein Debakel für Dormagen: nach einem 12:5 Halbzeitstand hieß es am Ende 12:2 aus TSV Sicht. Es war absehbar, dass das “Abenteuer Europapokal“ für den TSV im Rückspiel des Halbfinales enden würde – leider für immer. Olympique lies sich im Rückspiel nicht die Butter vom Brot nehmen, hielt ein 12:12 zur Halbzeit und verlor am Ende 26:20. Dormagen hatte alles gegeben, OM war besser.



    Die Saison 1 nach der Erfolgreichsten ging das Team es TSV personell fast unverändert an. Und sie begann gleich mit einer Überraschung, denn der TSV konnte in einem Auftaktspiel punkten! Am 12.09.1993 führte der TSV eine Viertelstunde vor Schluss bereits mit 5 Toren Differenz, nur um 8 Sekunden vor Schluss durch einen Rückhandwurf von Alexander Rymanov doch noch den Ausgleich zu kassieren.


    Am 18.September stellte sich der TuSEM Essen zum ewig jungen Westderby und brachte gleich zwei Superlative mit: den kleinsten (Co) Trainer der Bundesliga, Bob Hanning, sowie den größten Feldspieler der Liga, Mark Dragunski. Das war schon unheimlich, den spielen zu sehen – Selbst ein Spieler wie Abwehrrecke Klaus Dyllong konnte die hohen Anspiele an den Kreis nicht unterbinden, die Dragunski oft einhändig fing. Trotzdem siegte Dormagen vor ausverkauftem Haus 24:19. Im Rückspiel prallten übrigens Frank Arends und Andi Thiel zusammen, der mit Schien- und Wadenbeinbruch die Saison beenden musste.


    Der 17. Spieltag am 30.01.1994 wird –wahrscheinlich- unauslöschlich in den Statistik- und Geschichtsbüchtern des TSV Bayer Dormagen stehen bleiben. Wieder gab es einen Rekord, diesesmal allerdings einen negativen: mit 29:12 (!) verlor der TSV in der Ostseehalle in Kiel jegliche Fassung.


    Trotz einer passablen Rückrunde erreichte der TSV nicht die angestrebten Europapokalplätze: erneut die Auswärtsschwäche (4 Punkte in der Rückrunde) kosteten den TSV vordere Ränge.


    Am letzten Spieltag, dem 08.05.1994 durfte der TSV Bayer Dormagen erneut einmal wieder zusehen, wie eine andere Mannschaft geehrt wird. Diesesmal aber feierten die Dormagener mit: der THW Kiel war erstmals seit den 60er Jahren wieder Deutscher Meister geworden. Im Anschluss an das 26:28 erhielten die Spieler die Schale und die Fans hielt nichts mehr. Gemeinsam wurde schwarz-weiss gefeiert. Ich erinnere mich an Konfetti überall und einen Kieler Fan, der sogar einen weiss-schwarze Staßenbegrenzungspfahl dabei hatte, auf dem er Unterschriften sammelte. Ein feucht fröhlicher abend, bei dem aus Dormagener Sicht nicht nur HaDe Schmitz und Co-Trainer Biegler-Wirtz verabschiedet wurden, sondern auch –unwissend- die „goldenen Jahre" des TSV Bayer Dormagen.

  • Wie und wo der TSV sich dann für den IHF-Pokal qualifizierte, kann ich leider heute nicht mehr nachvollziehen. Klar war allerdings: der TSV war in der kommenden Saison international dabei

    Hatte man sich da nicht in Qualifikationsspielen gegen Hameln durchgesetzt (zu Hause +4 und im Rückspiel remis)?


    Ansonsten ein toller Rückblick. Respekt, dass Du Dir solche Mühe machst - hoffe du hälst durch :D.


    Wenn ich dann auf der anderen Seite sehe, dass die DHC-Ergebnisse auf der HP seit 10.02.2012 nicht mehr eingepflegt wurden..... :schlaf:

  • Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:


    B) Die erfolgreichen Neunziger, Teil 3 – Die letzte einstellige Saison und der HSV Bayer Niederrhein


    1994/95
    1. Bundesliga 6. Platz
    „Päng!“ hieß es ab dieser Saison in der Halle an der Konrad-Adenauer-Straße. „Päng!“ war nach 11 Jahren anders: DIN A4 statt A5. Und für einen Knall sorgt der TSV auch bei der Wahl des Nachfolgers für HaDe Schmitz: Kristjan Aarason, gerade erst 33 und Christian Fitzek als Co übernahmen beim TSV das Ruder erfolgreich: 1995 schloss letztmalig eine Dormagener Handballmannschaft in der Bundesliga mit einem einstelligen Tabellenplatz ab.
    Neu war auch, dass der TSV erstmals nicht mit der Bayer Pille und Aspirin warb, sondern Werbung für einen neuen Hustensaft von Bayer – Larylin, machte. Und auch ein Maskottchen gab sich der TSV in dieser Saison: einen zu dem Zeitpunkt noch namenlosen, blauen Bären! Der sollte später „Larry“ heißen
    Im Kader präsentierten sich zwei junge Leute, die lange mit Dormagen und der Region in Verbindung bleiben sollten: der blutjunge Torwart Matthias Reckzeh und der Kreisläufer Jörn Ilper. Und im März 1995 wurde für die kommende Saison noch ein neuer Linksaußen angekündigt, der in die gleiche Kategorie fällt: der 29jährige Ulrich „Uli“ Derad.
    Am 03.Oktober 1994 war der TSV Bayer Dormagen wieder einmal an einer „Einmaligkeit“ beteiligt:
    Im Rahmen des Sportpressefestes sollte den Höhepunkt in der Kölner Sporthalle (ca. 7000 Zuschauer) die Bundesligapartie zwischen dem TSV und dem VfL Gummersbach bilden.
    Doch durch die Sporteinlagen zuvor, bei der Turner Magnesia auf dem Boden verteilten und die Tanzformationen Pailletten, musste das Spiel nach nicht mal 10 Minuten abgebrochen werden, weil der Boden zu glatt war und die Spieler reihenweise ausrutschten. Auch das ein Kuriosum mit Ewigkeitswert. Das Spiel wurde am 08. Februar 1995 wiederholt – erneut in der Kölner Sporthalle. 20:20 endete die Begegnung.
    Am Ende dieser Saison hieß es Abschied nehmen vom Urgestein des Dormagener Handballs schlechthin: Klaus „Dolo“ Dyllong hing mit 33 Jahren seine Handballschuhe an den Nagel.
    Und ein weiteres Kuriosum bot die Saison mit ihrem Abschluss: Da Dormagen und Hameln punkt- und torgleich die Saison beendet hatten, aber nur eine Mannschaft platzierungstechnisch am Europacup teilnehmen konnte, waren auch hier mal wieder Entscheidungsspiele notwendig um die Teilnahme am City-Cup. Interessanter weise wurden diese Spiele aus Termingründen vor der kommenden Saison ausgespielt.


    Noch ein Nachtrag zum IHF-Ligacup am Ende der Saison 1991/1992:
    Der TSV spielte damals zunächst gegen den TV Großwallstadt um die Platzierung „besserer 7.“ Und war nach Hin- und Rückspiel Sieger dieser Runde.
    In Runde1 des eigentlichen IHF-Liga-Cups ging es dann gegen den Meister-Playoff-Verlierer TSV Milbertshofen. Auch diese Runde entschied der TSV für sich und traf in Runde zwei auf den VfL Hameln. Nachdem auch diese Runde gewonnen wurde, sollte es in Runde drei gegen Dauerrivalen TuSEM Essen gehen. Doch –warum kann ich nicht mehr nachvollziehen- Essen verzichtete auf die Spiele der dritten Runde, so dass der TSV kampflos das Finale gegen den SC Magdeburg erreichte. Diese Spiele gewann der TSV Bayer Dormagen ebenfalls und hatte damit den IHF-Liga-Cup gewonnen.
    Zur EC-Cup-Teilnahme musste der Sieger des Liga-Cups nun noch in zwei Spielen gegen den Vizemeister (SG Leutershausen) antreten, nur der Sieger war qualifiziert für den Europacup. Diese Spiele entfielen aber, da in dem Jahr Wallau-Massenheim den Europapokalsieger wurde und als Meister im Meistercup starten würde; somit wurde ein weiterer Startplatz im Europacup frei. Dormagen und Leutershausen waren qualifiziert.



    1995/96
    1. Bundesliga 11. Platz
    Die Saison begann früh für den TSV: mit neuformierter Mannschaft (Bernau, Derad, Martin Rubin), neuformiertem Anspruch der TSV Leitung („Wir wollen eine deutsche Spitzenmannschaft sein!“) und neuem Bayer-Produkt auf der Brust ging es am 02.August in das erste von zwei Entscheidungsspielen um die City-Cup-Europapokalteilnahme. Diese Spiele gewann mal nicht der TSV, wenn auch äußerst knapp (28:24, 16:21), sondern Hameln, dass anschließend bis ins Finale des City Cups vordrang.
    Diese Spiele waren nicht die einzige Enttäuschung für den TSV und dessen Anhang. Es began mit der Neuverpflichtung auf der Königsposition: Martin Rubin. Ich habe ein Foto gefunden vom Saisonanfang, da steht unter seinem Namen aus einer Spielszene: „Immer einen Schritt schneller als seine Gegenspieler: Martin Rubin“. Die Wirklichkeit sah anders aus und bestätigte das Klischee, dass man gewöhnlich von den Eidgenossen hat, nämlich das alles etwas gemächlich und laaaaaaangsam geht. Und so spielte Rubin auch: wenig Esprit, wenig Torgefahr, nicht bundesligatauglich. Nach 10 Spielen hatte der „Shooter“ erst 30 Tore erzielt, gilt bis heute als erster richtiger (und teurer) Fehleinkauf.
    Bemerkenswert an dieser Saison war ansonsten eigentlich nur noch, dass zur kommenden Saison auch das „Bosman-Urteil“ greifen würde, also mehr Ausländer in den Vereinen zugelassen werden. Vielleicht im Rückblick mit ein Grund für den Niedergang des TSV, der mit deutschen Nationalspielern und Spitzenkräften Akzente gesetzt hat. Nicht zu verschweigen ist, dass in der Saison erstmals „finanzielle Schwierigkeiten“ bekannt wurden, die den TSV zwangen, den Gürtel in der kommenden Saison enger zu schnallen.
    Ach, und dann das noch: zum (letzten Saison-)Heimspiel am 06. April 1996 wird in der Rubrik „Päng klatscht“ folgendes berichtet: „Volker Koch zeigte seine Talente und tat sich da auf ganz andere Weise hervor: Mit seinem Aprilscherz der Fusion des TSV Bayer Dormagen und des HSV Düsseldorf zum HSV Bayer Niederrhein hatte er die Lacher auf seiner Seite. Für alle Dormagener Handballfreunde, die im letzten Jahr Schlagzeilen machten, hatte Koch einen netten Seitenhieb in der NGZ vom Montag parat“ – Die Geister die ich rief reloaded!

  • Hallo Bayerwisser,
    viele Grüße vom Bodensee!
    ich hoffe, es kommt auch noch eine Erinnerung an die 3 Zweitligajahre mit der HSG Konstanz!?
    Es war jedenfalls eine tolle Zeit mit dir im Handball-Board!
    Schade, dass ihr von der Bundesligakarte verschwindet!
    Ich habe gar nicht alles im Einzelnen verfolgt. In welcher Liga spielt ihr denn nächste Saison und bleibst du weiter dabei?

  • Mensch Jojo, mein Lieber!
    Schön, von Dir zu hören.
    Wenn Deine Telefonnummern noch stimmen, rufe ich die die Tage mal an

  • Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:


    C) Die erfolglosen Neunziger, Teil 1 – Auf dem Weg zum Relegationsmeister


    1996/97
    1. Bundesliga 14. Platz und Relegationsspiele
    „Das Jahr der vielen Unbekannten“ titelte die Saisonvorschau von „Päng!“ und lag nicht ganz falsch damit. Im Zehnten Bundesligajah des TSV gab es erstmals mehr Ausländer, wieder mal einen neuen Trainer (Aarason war von der SG Wallau abgeworben worden, Fitzek nun Cheftrainer) und eine völlig neu zusammengestellte Mannschaft mit 6 neuen, darunter dem Nachwuchsmann Stefan Adam, heute Manager bei den Bergischen Löwen. Und mit dem neuen Manager Stefan Röhrich kam auch ein VIP-Raum im Gastronomiebereich dazu, der künftig Wichtig von Unwichtig trennte.
    Nach dem ersten Spieltag am 14.09.2011 fand sich der TSV gleich da wieder, wo er nach seinem Selbstverständnis nicht hingehörte: das 23:30 gegen Nettelstedt brachte den Abstiegsplatz 15 ein. Insbesondere das neuverpflichtete skandinavische Trio, auf dem die Hoffnungen des TSV basierten, floppte.
    Und weil mit Rubin, Springel und mal wieder Michael Klemm weitere Ausfälle, diese allerdings verletzungsbedingt, hinzukamen, schaffte es der TSV auch nicht, sich aus dem Tabellenkeller abzusetzen. Daran änderte auch die Nachverpflichtung des dänischen Mittelmannes Rene Boeriths nichts.
    Im Februar 1997, nach 6 sieglosen Spielen in Folge und dem Sturz auf den letzten Tabellenplatz zog der TSV die Notreißleine und entließ nach der katastrofalen 15:24 Niederlage bei TuSEM Essen Christian Fitzek. Wie in Dormagen üblich, wurde der Co- zum Cheftrainer befördert und der hieß nun Hans-Joachim Gossow. Auch mit ihm kam nicht wirklich die Wende, hohe Auswärtsniederlagen und knappe Heimergebnisse wechselten sich ab. Dormagen war am Ende das schlechteste Auswärtsteam mit nur 2 Pluspunkten und das schlechteste Rückrundenteam, gemeinsam mit Minden.
    Am Ende konnte sich der TSV knapp auf dem 14. Platz einfinden, weil die Konkurrenz aus Hameln und Fredenbeck ihre letzten Spiele hauchdünn mit einem Tor verloren.
    Überraschend kam die Ankündigung der TSV-Spitze, namentlich Theo Falkenberg, den Vertrag mit Kapitän Derad um drei Jahre zu verlängern und ihn künftig auch als Sportlichen Leiter beim TSV einzubinden. Überraschend deshalb, weil mit Nikolaj Jacobsen bereits ein Weltklasse Linksaußen für de kommende Saison verpflichtet wurde.
    In zwei Relegationsspielen setzte sich der TSV gegen den Zweitligisten HSG Dutenhofen/Münchholzhausen (Heute HSG Wetzlar) durch und gewann sein Heimspiel 24:20 und bei den heimstarken Hessen 16:14.
    Danach hieß es Abschied nehmen von Maik Handschke, verletzungsbedingt Michael Klemm und –viele werden aufgeatmet haben- dem Mißverständnis Martin Rubin.
    Diese Saison hatte nicht nur die Fans erschüttert, sondern auch die Bayer AG und ihre Vision einen nationalen Champion zu unterstützen. Für die kommende Saison sollte noch einmal Geld für Stars da sein, doch das Fiasko beim TSV wurde größer.


    1997/98
    1. Bundesliga 14. Platz und Relegationsspiele (24:21 und 19:25 gegen TuS Schutterwald) Abstieg in die 2. Bundesliga, Gruppe Süd
    Das elfte Jahr ununterbrochene Bundesligazugehörigkeit bei TSV wurde mit dem Saisonziel „nahe an die einstelligen Tabellenplätze kommen“ eröffnet. Um dieses Ziel zu realisieren wurde neben Jacobsen und Sighvartsson für den Kreis auch der Schatten der Vergangenheit, Olaf Mast verpflichtet – eine Notlösung, weil der bereits Monate zuvor angekündigte Transfer des Jugoslawischen Shooters Igor Butulja doch nicht zu Stande kam. Butulja erschien gar nicht erst in Dormagen!
    Mast machte sich in der Saison davor als Bankdrücker von Kiel mit guter 7m-Quote einen „Namen“ und sollte nun die erste Geige im rechten Rückraum des TSV spielen – nach Martin Rubin der nächste große „Pechgriff“ bei der Spielerwahl, auch, wenn er sich zunächst prächtig einführte.
    Am 19. Oktober 1997 lief der TSV erstmals in einem Bundesligameisterschaftsspiel in der Unihalle Wuppertal auf. Wer die Halle kennt, wird sicher sich noch bis heute wundern, wie man eine solche Halle bauen kann, bei der man von allen Plätzen irgendwie das Gefühl hat, nicht richtig sehen zu können. Beim 21:21 zog Chrischa Hannawald den Dormagenern den Zahn, es langte nur zu einem 21:21. Ein gewisser Joachim Kurth kam für Wuppertal nicht zum Einsatz.
    Sportlich lag der TSV nach 12 Spieltagen genau da, wo er nicht mehr landen wollte: Tabellenletzter mit gerade mal einem Saisonsieg. Auch der Rückzug des OSC Rheinhausen nach 15 Spieltagen konnte nichts daran ändern, dass Dormagen eine weitere Saison im Tabellenkeller spielen würde – trotz der Weltklasseleistungen von „Hej, Niko, Hej!“.
    Der TSV reagierte mit Kaderergänzungen auf die sportliche Misere und verpflichtete neben dem Rheinhausener Kottwitz ein (späteres) Dormagener Idol: Hedinn Gilsson!
    Zum ersten Heimspiel des Jahres 1998 gab sich ein Spieler in Dormagen die Ehre, der 5 Jahre zuvor in Dormagen nicht auflaufen durfte: mit dem TuS Nettelstedt kam der Weltstar Talant Duschebajew! Dormagen hielt lange mit, verlor am Ende jedoch verdient 23:29.
    Erneut der Februar wurde wieder zum Schicksalsmonat eines TSV Trainers und wieder war es ein Spiel gegen Essen: ein Jahr nach Amtsübernahme wurde Gossow nach der 19:22 Heimniederlage gegen TuSEM von seinem Amt entbunden. Peter Pysall wurde der neue Chef der Mission Klassenerhalt.
    Pysall schaffte es, der Mannschaft wieder Leben einzuhauchen und sich vom letzten (sportlichen) Tabellenplatz zu verabschieden und Hameln hinter sich zu lassen. Und das war wieder einmal hoch dramatisch:
    Am letzten Spieltag hatte der TSV zum zweiten Mal die Ehre, die Kür des Deutschen Meisters ausrichten zu dürfen. Doch diesesmal war es nicht ein einfaches Spalierstehen in einem bedeutungslosen Spiel: Dormagen lag auf einem Abstiegsrang, punktgleich mit Hameln aber 4 Tore schlechter – und Hameln hatte auch ein Heimspiel – gegen den „Nachbarn“ Minden!
    Und die Sensation wurde wahr: Dormagen schlug den feiernden Meister 25:20 –mit einer einmaligen Show von Niko Jacobsen, der 10 Treffer erzielte, und wartete gespannt auf das Ergebnis aus Hameln. Und auch hier die Sensation: Hameln verlor 28:29 und musste damit absteigen! Der Jubel von Dormagenern und Kielern gemeinsam kannte keine Grenzen!!!
    So kam es am Ende doch noch zum Showdown, der erneut Relegation hieß: Dormagen legte gegen Schutterwald in einem nervösen Spiel nur 24:21 vor, Martin Heuberger, heute Bundestrainer, hatte seine Mannschaft gegen verunsicherte Dormagener gut eingestellt. Im Rückspiel machten die Ortenauer den Sack zu und gewann 25:19 gegen erneut überforderte Dormagener.
    Nicht das letzte spannende Duell mit Schutterwald und seinen Nachfolgemannschaften, am Ende aber der erste Abstieg überhaupt einer Dormagener Handballmannschaft und der entgültige Anfang eines langen Niedergangs.

  • Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:


    C) Die erfolglosen Neunziger, Teil 2 – Der reparierte Betriebsunfall


    1998/99
    2. Bundesliga Gruppe Süd 1. Platz und Aufstieg in die 1. Bundesliga
    „Den Betriebsunfall reparieren“ war das Motto der Saison für den TSV. Und folglich gelang es, den Hauptsponsor Bayer zu überzeugen, mit einer starken Mannschaft den direkten Wiederaufstieg aus der zweiten Bundesliga Süd zurück in die Bundesliga anzupeilen. Dazu wurden die Leistungsträger gehalten und die Mannschaft sinnvoll ergänzt, unter anderem mit dem polnischen Klasse-Duo Nowakowski und Bedzikowski. Letzter würde Jahre später einmal auf traumatische Weise in die Dormagener Handballgeschichte eingehen.
    Und so kam es, dass am 12.09.1998 um 20:00 Uhr beim VfL Pfullingen der „Hexer“ Andi Thiel erstmals in seiner langen und großartigen Karriere in einem Zweitligaspiel auflief!
    Schon früh in der Saison war klar, dass der Aufstieg nur über den Luxuskader des TSV gehen würde. Von außen zaugerte Nowakowski wie weiland Niko Jacobsen die Bälle zweistellig in den Kasten der Gegner, Boeriths und Bedzikowski führten gekonnt Regie Sighvartsson riß am Kreis die Löcher oder netzte selbst ein.
    Am 30.09.1998 ging es erstmals nach Hagen in die bundesweit bekannte Ischelandhalle. Mann, was war ich enttäuscht von der Halle: ein Bau aus den –vermutlich- 50er Jahren, niedrige Decken im Foyer, übles Pils (Andreas Pils) und ein Interieur, dass mit „abgerantzt“ noch freundlich umschrieben ist. Das ist die legendäre Heimspielstätte von Brandt Hagen? Immerhin hat der TSV auch hier sich schadlos gehalten und gewann 28:31 mit 12 Toren von Nowakowski.
    Gegen Jahresende zeichnete sich ab, dass es einen Dreikampf um den Aufstieg geben würde, in der Dormagen, Willstätt und Leutershausen die dominierenden Teams waren.
    Am 16.12.1998 kam der TV Willstätt zum Gastspiel nach Dormagen und entführte in einem hochdramatischen und sehr emotionalen Spiel beim 24:24 (12:14) einen Punkt aus der Festung „Dreifachhalle“. Rot gab es kurz nach der Pause übrigens für Dragan Markovic, den Regisseur der Willstätter, der nach Griff in den Wurfarm vom Platz gestellt wurde. Von da an wurde es hektisch im Spiel, insbesondere auf Willstätter Seite, denn nur dank der daraus resultierenden 6:3 Überzahl fand der TSV zurück ins Spiel. 3 Sekunden vor Schluss, es stand 24:24 wurde dem TVW ein Tor aberkannt, da die Schiedsrichter den Vorteil abpfiffen und auf Freiwurf entschieden. Ein glücklicher Punktgewinn für den TSV und ein prima Nährboden für das Rückspiel, von dem noch zu sprechen sein wird.
    Zum Ende der Hinrunde war aus dem Drei- ein punktgleicher Zweikampf geworden. Nur die fast doppelt so hohe Tordifferenz bescherte dem TSV Platz 1, wie auch in der Torschützenliste mit Nowakowski.
    Diesen Platz sollte der TSV auch am denkwürdigen 01.April 1999 inne haben mit 3 Punkten Vorsprung vor dem TV Willstätt. Mit einem Sieg wären die Dormagener fast sicher aufgestiegen, für Willstätt war es die letzte Chance, noch mal an den TSV heranzukommen.
    Wir sind schon einen Tag vorher angereist und haben in Kehl ein Hotel gebucht, haben die Stadt und Strassbourg genossen und abends eine Kneipe gefunden die als Spezialität „Gaffel Kölsch“ anbot – mit steifem Schaum und 7 Minuten gezapft wie ein Pils.
    Am ersten April holten wir dann unsere zurückgelegten Karten an der Abendkasse ab – 18 DM pro Karte, Block A, Reihe 9 Platz 10 und 11. Die Hanauerlandhalle mit offiziell 2500 Zuschauern nicht ausverkauft, sondern überfüllt. Zunächst war ein reguläreres „warmmachen“ wegen eines verzögerten Jugendspiels nicht möglich, später ständig Zuschauer innerhalb des Spielfeldes, weil es so voll war. Das Spiel sollte am Ende über 100 Minuten dauern.
    Das Spiel dominierte der TSV in Halbzeit 1 trotz der aufgeheizten Atmosphäre und ständiger Provokationen von Vlado Sola und Dragan Markovic. Dreimal führte der TSV mit 3 Toren, ließ aber immer Big Points aus, so dass es 14:13 für den TSV zur Pause hieß. Aus diesem Rückstand machte der TVW dann ein 19:15, war zu dem Zeitpunkt klar besser im Spiel, aber der TSV kämpfte sich trotzdem insbesondere durch Gilsson wieder heran.
    6 Minuten vor Schluss stand es wieder unentschieden, 24:24, wie im Hinspiel. Markovic hatte gerade Kreisläufer Sigvartsson aus nächster Nähe mit voller Wucht und Absicht den Ball, ins Gesicht geworfen (ohne Folgen wie 2Minuten oder Rot). Danach das 25:24 und 25:25. Das 26:25 von Gilsson wurde Minuten später wegen Kreisberührung abgepfiffen, so dass kurz darauf Willstätts Dudzic das 26:25 warf. Der folgende Dormagener Angriff verpuffte, aber auch der nächste Willstätter Ball geht nicht ins Tor. Thiel hält, noch sind 10 Sekunden zu spielen. Thiel passt auf Gilsson, der aus der eigenen Hälfte losstürmt – und am Mittelkreis brutal von Markovic zu Fall gebracht wird – ohne dass dieser zum Ball geht oder eine Chance gehabt hätte. Gilsson wird lange behandelt, Markovic bekommt Rot statt des erwarteten und geforderten Ausschlusses für die Tätlichkeit. Der Dormagener Block kocht und kann nur mit Mühe davon abgehalten zu werden, das Spielfeld zu stürmen. Als Gilsson sich aufrichtet und wieder steht, macht er Markovic aus und läuft hinter ihm her, um ihn zu verdreschen, Markovic läuft weg, Betreuer und Spieler können Gilsson nur mit Mühe einfangen und bändigen. Derad und Trainer Horvat geraten aneinander, Schubserei, am Ende bleibt es beim schmutzigen Willstätter Sieg. Und einem Ereignis, dass den Dabeigewesenen sicher immer in Erinnerung bleiben wird.
    Einen Spieltag später, am 33. Gewann der TSV mit Mühe zu Hause gegen den Dritten Leutershausen mit 25:24 und Willstätt kam in Östringen nicht über ein 23:23 hinaus. Bei zwei Punkten Vorsprung und 100 Toren Differenz konnte noch am Abend der Wiederaufstieg gefeiert werden.
    Der Betriebsunfall war repariert.

  • Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:


    C) Die erfolglosen Neunziger, Teil 3 – Happy End zum Millennium


    1999/2000
    1. Bundesliga 15. Platz
    Neue Saison, neue Spieler (Joachim Kurth, Neu-Sportschaumoderator Alex Bommes) und ein Experiment mit zwei gleichberechtigten Trainern: Peter Pysall wurde Gudmundur Gudmundsson zur Seite gestellt. So stellte sich der TSV erneut in der Bundesliga vor.
    Und kurz nach Saisonbeginn konnte der TSV noch einen Transfererfolg verbuchen, kam doch mit dem Kapitän der französischen Weltmeistermannschaft von 1995 in Pascal Mahe ein wahres Abwehrbollwerk nach Dormagen. „Kalou“ war der Legitime nachfolger unserer Abwehrbrecher Klaus Dyllong oder Lars-Hendrik Walther und zog die Mannschaft mit Elan mit.
    Dennoch dauerte es bis zum 6. Spieltag bis der Aufsteiger den ersten Wiederaufstiegssieg feiern konnte, mit 30.25 gegen den ThSV Eisenach. Danach hatte sich der TSV allerdings gut zurecht gefunden und belegte am Ende der Hinrunde mit dem 15. Den ersten Nicht-Abstiegs-Rang – diesen sollte er auch nach der Rückrunde inne haben.
    Vom Rückrundenauftakt in der Unihalle in Wuppertal ist mir neben dem schmerzhaften 30:18 und dem damit verbundenen, kurzfristigen Sturz auf den Relegationsrang eigentlich nur noch der Spruch „Die Gebäudereinigung Stein macht schön sauber!“ samt der entsprechenden Werbeträgerinnen (die konnte man nicht einfach Wischerinnen nennen!) in Erinnerung geblieben.
    Und während die Dormagener sportlich ums Überleben kämpften, wurden außerhalb im März 2000 endlich Weichen gestellt, die bereits 10 Jahre vorher hätten gestellt werden müssen: zur Saison 2001/2002 sollte endlich eine Multifunktionshalle für die Handballer an der Sportanlage am Höhenberg gebaut werden! Das diese in der Regional- statt in der Bundesliga eingeweiht werden würde, daran dachte zu diesem Zeitpunkt noch niemand.
    Am 04.03.2000 –diesesmal nicht im Februar und nicht gegen Essen- war es mal wieder so weit: die alljährliche Trainerentlassung beim TSV. Statt einer Gala anlässlich des 40. Geburtstages von Andi Thiel verlor der TSV gegen Bad Schwartau sang- und klanglos mit 19:23. Gudmundsson wurde zum alleinigen Cheftrainer befördert. Im 5. Spiel unter seiner Regie, dem Heimspiel gegen Gummersbach gelang ihm der erste Punktgewinn, in der Schlussphase der Meisterschaft holt der TSV noch drei (Heim)siege und läuft am Ende mit einem Punkt vor Wuppertal auf dem 15. Platz ein. Nach den 25:20 gegen Nettelstedt im letzten Spiel, konnte der Nichtabstieg gefeiert werden - und Andreas Thiel würdig verabschiedet werden.
    Die 2000er Jahre waren angebrochen – eine (Ge)zeitenwende auch für den TSV.

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