Kein Unentschieden mehr in der 2. Liga?

  • Doch, das gibt es: Man nennt es Fußball. :lol:  :lol: :lol:

    Weshalb sind im Handball Unentschieden bei Punktspielen ein Problem?

    Gruß Flevo

    Wir haben gar kein Problem!

    Die Ausgangssituation ist, dass in F die 1:1 Punkteteilung in der Form in der 2. Liga abgeschafft wird. Daraufhin kamen Ideen ob man das in D nicht auch probieren könnte, und was dafür und dagegen spricht!

    Wie du siehst hat hier niemand ein generelles Problem mit einem Remis der aktuellen, herkömmlichen Art!

    Meinungsfreiheit ist essentiell und in keiner Form diskutier- oder verhandelbar!

    "Herr, sag mir was das Rezept für ein langes, zufriedenes Leben ist!" - "Streite dich nicht mit Hohlköpfen." - "Herr, ich bin anderer Meinung!" - "Da hast du Recht."

  • Ich bin dagegen, aber dein Beispiel sehe ich nicht im realen Leben. Man kann im Handball nicht auf unentschieden spielen. Wenn eine Mannschaft zwei Punkte braucht, wird sie kurz vor Schluss sich nicht mit einem Unentschieden zufrieden geben, in der Erwartung das 7m Werfen zu gewinnen.

    Über weite Strecken der Saison weiß eine Mannschaft nicht, wie viele Punkte sie braucht. Ziel ist es in jedem Spiel möglichst viele Punkte zu bekommen.

    Beim Thema 7:6 hatte Dr. Rolf Brack es stochastisch betrachtet und sinngemäß argumentiert, dass diese taktische Variante für schwächeren Mannschaften die statistische Wahrscheinlichkeit eines Torerfolgs im Positionsangriff mehr erhöht als das Risiko von (zusätzlichen) Gegentoren durch Würfe ins leere Tor zunimmt.

    Die in Frankreich eingeführte neue Punkte-Regel kann man ebenfalls mathematisch betrachten. Wie ist der Erwartungswert hinsichtlich der Punkte, wenn es nach 59:30 Minuten unentschieden stehen sollte und meine Mannschaft in Ballbesitz ist. Sollte ich dann auf Sieg spielen oder lieber das Unentschieden halten und ins Siebenmeterwerfen gehen.

    • Die einfachste Annahme ist, dass ein Siebenmeterwerfen zu 50% gewonnen und zu 50% verloren geht. Das bedeutet, wenn ich meiner Mannschaft vorgebe das Unentschieden zu halten, dann ist der Erwartungswert: 0,5 * 2 Punkte + 0,5 * 1 Punkt = 1,5 Punkte
    • Gebe ich meiner Mannschaft die Anweisung auf Sieg zu spielen, dann müssen wir uns Gedanken machen wie die Chancen auf den Siegtreffer, ein Unentschieden oder gar noch eine Niederlage in dieser Situation sind. Wenn ich meiner Mannschaft eine 60%-Chance auf einen Torerfolg zuschreibe und die übrigen 40% gleichmäßig auf die Risiken verteile, dass es beim Unentschieden bleibt oder dass sich meine Mannschaft sogar noch ein Gegentor einfängt und verliert, dann wäre der Erwartungswert: 0,6 * 2 Punkte + 0,2 * 1 Punkt + 0,2 * 0 Punkte = 1,4 Punkte

    Mathematisch betrachtet sieht man, dass ich meiner Mannschaft eine deutlich höhere Erfolgsquote im letzten Angriff zutrauen müsste als in einem Siebenmeterwerfen, damit es objektiv sinnvoll ist in dieser Situation auf Sieg zu spielen. In der HBL erreichen die Topmannschaften ein Offensivrating (ORTG), d.h. Tore pro 50 Angriffe, von 30 bis 32. Das entspricht einer Angriffsquote von 60% bis 64%. Das bedeutet selbst für Topmannschaften mit einer hohen Angriffsquote wäre es bei der neuen Punkteregel in der zweiten französischen Liga besser in den Schlusssekunden ein Unentschieden zu halten anstatt auf Sieg zu spielen.

  • Über weite Strecken der Saison weiß eine Mannschaft nicht, wie viele Punkte sie braucht. Ziel ist es in jedem Spiel möglichst viele Punkte zu bekommen.

    Beim Thema 7:6 hatte Dr. Rolf Brack es stochastisch betrachtet und sinngemäß argumentiert, dass diese taktische Variante für schwächeren Mannschaften die statistische Wahrscheinlichkeit eines Torerfolgs im Positionsangriff mehr erhöht als das Risiko von (zusätzlichen) Gegentoren durch Würfe ins leere Tor zunimmt.

    Die in Frankreich eingeführte neue Punkte-Regel kann man ebenfalls mathematisch betrachten. Wie ist der Erwartungswert hinsichtlich der Punkte, wenn es nach 59:30 Minuten unentschieden stehen sollte und meine Mannschaft in Ballbesitz ist. Sollte ich dann auf Sieg spielen oder lieber das Unentschieden halten und ins Siebenmeterwerfen gehen.

    • Die einfachste Annahme ist, dass ein Siebenmeterwerfen zu 50% gewonnen und zu 50% verloren geht. Das bedeutet, wenn ich meiner Mannschaft vorgebe das Unentschieden zu halten, dann ist der Erwartungswert: 0,5 * 2 Punkte + 0,5 * 1 Punkt = 1,5 Punkte
    • Gebe ich meiner Mannschaft die Anweisung auf Sieg zu spielen, dann müssen wir uns Gedanken machen wie die Chancen auf den Siegtreffer, ein Unentschieden oder gar noch eine Niederlage in dieser Situation sind. Wenn ich meiner Mannschaft eine 60%-Chance auf einen Torerfolg zuschreibe und die übrigen 40% gleichmäßig auf die Risiken verteile, dass es beim Unentschieden bleibt oder dass sich meine Mannschaft sogar noch ein Gegentor einfängt und verliert, dann wäre der Erwartungswert: 0,6 * 2 Punkte + 0,2 * 1 Punkt + 0,2 * 0 Punkte = 1,4 Punkte

    Mathematisch betrachtet sieht man, dass ich meiner Mannschaft eine deutlich höhere Erfolgsquote im letzten Angriff zutrauen müsste als in einem Siebenmeterwerfen, damit es objektiv sinnvoll ist in dieser Situation auf Sieg zu spielen. In der HBL erreichen die Topmannschaften ein Offensivrating (ORTG), d.h. Tore pro 50 Angriffe, von 30 bis 32. Das entspricht einer Angriffsquote von 60% bis 64%. Das bedeutet selbst für Topmannschaften mit einer hohen Angriffsquote wäre es bei der neuen Punkteregel in der zweiten französischen Liga besser in den Schlusssekunden ein Unentschieden zu halten anstatt auf Sieg zu spielen.

    Ich habe zwei Fragen zu deinen Aussagen:

    Gibt es kein Risiko für ein weiteres Gegentor wenn ich auf Unentschieden spiele?

    Sind 20% nicht ziemlich hoch als Wahrscheinlichkeit für ein Gegentor?

    Nun sind die Antworten nicht unabhängig voneinander.
    Die Mannschaft kann ja den Torerfolg erst kurz vor Spielende suchen und damit die Wahrscheinlichkeit sowohl für den eigenen Torerfolg als auch für ein Gegentor reduzieren.
    Mit dieser Taktik wäre es erfolgversprechender noch den Torerfolg anzustreben.

  • ...

    Nun sind die Antworten nicht unabhängig voneinander.
    Die Mannschaft kann ja den Torerfolg erst kurz vor Spielende suchen und damit die Wahrscheinlichkeit sowohl für den eigenen Torerfolg als auch für ein Gegentor reduzieren.
    Mit dieser Taktik wäre es erfolgversprechender noch den Torerfolg anzustreben.

    Das sehe auch so: Wenn es bei 59:30 unentschieden steht und meine Mannschaft in Ballbesitz ist, baue ich einen Positionsangriff auf, spiele die Zeit runter und werfe idealerweise ca. drei Sekunden vor Schluss aufs Tor. Folge: Entweder zwei Punkte, wenn der Ball drin ist oder ein Punkt, wenn der Ball nicht drin ist. Hauptsache, der Gegner kommt nicht mehr in Ballbesitz, um selbst ein Tor zu machen. ;)

    Was würde sich durch die französische Regel am Spiel ändern?

    Gruß Flevo

    Es kann passieren, was will: Es gibt immer einen, der es kommen sah. (Fernandel)

  • Im Eishockey hat es sich völlig problemlos etabliert, dass es kein Remis mehr gibt.

    Im Handball würde ein direkter Sieg (nach okoModifikation) nach 60 Spielminuten am meisten gewürdigt. Ein Remis bringt für beide Kontrahenten eine (Teil-) Würdigung, mit der Aussicht auf einen Bonus bei gewonnenem Siebenmeterwerfen. Nur der Loser kriegt generell gar nix.

    Mir würde das gefallen, unabhängig von allen grauen Theorien und Statistiken. Da käme zusätzlich Feuer rein.

    Meinungsfreiheit ist essentiell und in keiner Form diskutier- oder verhandelbar!

    "Herr, sag mir was das Rezept für ein langes, zufriedenes Leben ist!" - "Streite dich nicht mit Hohlköpfen." - "Herr, ich bin anderer Meinung!" - "Da hast du Recht."