Auch wenn es hier niemand hören will, wir haben ein Problem auf der rechten Abwehrseite.
Dafür sprechen die 4 min Zeitstrafe von Steinert und die 9 Siebenmeter.
Wir haben ein Abwehrproblem und das habe ich auch gestern schon so geschrieben. Allerdings mache ich das nicht an den kassierten Zeitstrafen fest, sondern eher daran, dass es zu wenige gab.
Die Deutschen tippen den Gegner mal kurz an und das war es dann auch. Wer permanent in die Abwehr reinrammelt, muss da einen Widerstand spüren. Die Franzosen haben's doch auch so gemacht. Warum liegen immer nur die Deutschen am Boden und krümmen sich vor Schmerzen?
Ich vertrete weiterhin die Philosophie: Angriff wirft Tore, Abwehr gewinnt Spiele. Ja, wir haben deutliche Defizite im Angriff. Und das fängt für mich beim Trainer an. Symptomatisch war gestern die Auszeit, als alle 5 Sekunden der angedachte Spielzug übern Haufen geworfen wurde und die Kommentatoren am Ende (zurecht) fragten, ob die Spieler denn jetzt mitbekommen haben, was wirklich gespielt werden soll. Da kann man nur Anschauungsunterricht bei Bennet Wiegert empfehlen.
Aber selbst die Schwächen im Angriff wären verschmerzbar, wenn wir eine Abwehr stellen würden, die diesen Namen auch verdient. Was die Franzosen taktisch gezeigt haben, war selten Weltklasse. Aber wenn man nicht einmal versucht, den Spielfluss des Gegners zu stören und sie dann ohne Gegenwehr von 9 m werfen lässt, dann ist das einfach zu wenig. Handball ist eine Kontaktsportart, bei den Deutschen hat man aber oft den Eindruck, dass sie den Kontakten in der Abwehr aus dem Weg gehen wollen.
Rückblickend wird ja z.B. Roggischs Abwehrarbeit als grob und rüpelhaft bezeichnet. Aber am Ende zählt nicht Schönspielerei. Niemand wird sich an die Mannschaft erinnern, die den Fairplay-Pokal gewonnen hat. Auch kleine Kontakte hinterlassen ihre Spuren. Wir hatten in unserer Liga mal 'nen Gegner, der für die eigene Abwehr den Slogan hatte: Kein Wurf (des Gegners) ohne Kontakt.
Stoppfouls sind bei den Deutschen völlig aus der Mode gekommen. Gar keine langen Laufwege oder Kreuzungen zulassen und den Gegner so ins Zeitspiel zwingen. Man steht jedoch lieber hinten an der 6 m und lässt sich dann in den Kreis drücken, was die hohe Anzahl an Strafwürfen gegen Deutschland erklärt.