Beiträge von nozdormu

    ja stimmt, ist im Kontext von einer handvoll Spiele sicherlich reißerisch formuliert. Aber wenn Deine Datenbasis ständig wächst und Du immer mehr Spiele hinzunimmst, wovon ich stark ausgehe, wird die Auswertung aufwändig bzw. rechenzeit- und speicherplatzintensiv.

    Bei Kopftreffern wird schon durchgegriffen aber alles andere ist immer noch deutlich zu wenig... Schwitzkasten artige Umarmungen werden fast gar nicht geahndet und wenn dann von jedem Schiedsrichtergespann unterschiedlich. Da liegt meiner Meinung nach auch das Hauptproblem... werden sie wirklich immer gut geschult ? Findet auch eine Auswertung /Videoanalyse mit den Schiedsrichtern dann statt? Da habe ich so manchmal meine Zweifel...

    Die Schiedsrichter würden sich einen Gefallen tun und das Spiel weiterentwickeln, wenn sie (noch) transparenter werden würden. Dazu gehört meiner Meinung nach viel mehr "Öffenlichkeitsarbeit" ala "Gemeinsam statt einsam". Für mich spricht da auch nichts dagegen, dass man vor den Turnieren bzw. Spielrunden einen gemeinsamen Workshop mit den Trainern macht und aufeinanderzugeht. Die Ergebnisse kann man dann ja medienwirksam platzieren und dann haben alle was davon.

    Was für eine Verhältnismäßigkeit gestern bei den Spielen Rom- Nordmazedonien, Ist- HU,Slo- Faröer,Den-Por.

    Da bekommt der junge Rumäne bei einem Überzieher im Angriff( trifft unabsichtlich das Kinn des Abwehrspielers) die rote Karte. Und in den besagten anderen Spielen schlägt der Slovene Mittun beim Durchbruch ins Gesicht,Iturriza mit voller Absicht mit dem Ellenbogen gegen Gidsel,der Ungar fasst Gisli beim Durchbruch in den Wurfarm. Alles Entscheidungen mit Videobeweis und die letzten drei alles Deckungsspieler ,die mit Absicht den Angreifer foulen. Darum ist die rote Karte des rumänischen Angreifers nicht zu verstehen. Zumindest nicht für mich.

    Bin gespannt, ob die roten Karten auch alle nochmal geprüft werden und dann ggf. doch noch Unterschiede (Sperren) bei rauskommen.

    Schön, dass Dir mein Vergleich gefällt. :cool:

    Die zunehmende Dynamik im Handball ist tatsächlich keine Folge der aktuellen Regelauslegungen – da bin ich ganz bei dir. Sie resultiert in erster Linie aus der stetig verbesserten Athletik der Spieler, die heute einfach auf einem anderen Niveau trainieren als früher.

    Zum eigentlichen Thema:
    Ich habe den Eindruck, dass die Schiedsrichter bei der EM bislang gut zwischen einem bewussten Schlag und einem unglücklichen Abrutschen unterscheiden können. Der Videobeweis hilft dabei, weil er mehrere Perspektiven bietet. Wichtig ist nur, dass man nicht ausschließlich Standbilder oder Zeitlupen bewertet – das kann die Dynamik einer Aktion völlig verfälschen. In diesem Punkt vertraue ich durchaus der Erfahrung der Schiedsrichter. Die anschließende öffentliche Entscheidung trägt natürlich auch zur Spannung und Dramatik bei – sportlich notwendig ist sie nicht zwingend, aber fürs Publikum durchaus reizvoll.

    Deinen zweiten Punkt sehe ich ähnlich kritisch. Schauspielerei nimmt spürbar zu, ob das aber wirklich eine Folge des Videobeweises ist, lässt sich momentan kaum belegen. Möglich wäre auch, dass die gestiegene Anzahl an Offensivaktionen schlicht mehr Gelegenheiten dafür schafft. Das sollte man auf jeden Fall genauer beobachten und gegebenenfalls mit klaren Maßnahmen gegensteuern.

    Beim Thema Außenspieler bin ich anderer Meinung – ich habe selbst in den 90ern höherklassig auf Außen gespielt. Schon damals haben gute Außen genau geschaut, wo der Abwehrspieler steht, und gezielt die Bewegung dorthin gesucht. Das ist kein neues Phänomen. Neu ist eher, dass der Außen im Anlauf heute fast unantastbar geworden ist. Damit muss man wohl leben – ich sehe das jedoch nicht als großes Problem und finde, dafür braucht es keinen Videobeweis.

    Gibt es dazu eine Quelle? Das wäre ein massiver Regeleingriff

    Guter Punkt. Ist nicht so einfach direkt zu belegen, die EHF ist hier leider nicht transparent (wie so oft). Gefunden habe ich dazu erst mal nur zwei Aussagen in Pressemeldungen:

    - "Die EHF beurteilt im Anschluss jede direkte Disqualifikation, eine blaue Karte muss dafür nicht gezeigt werden."
    - "Der Kontinentalverband überprüft jede direkte Disqualifikation im Nachgang auf eine mögliche Sperre, eine Blaue Karte wird bei der EM nicht gezeigt."

    Und bei Bedarf werden dann auch Sperren verhängt, wie kürzlich beim polnischen Star Wiktor Jankowski (zwei Spiele gesperrt).
    Quelle: Disciplinary Commission suspends Wiktor Jankowski

    Man könnte also meinen, dass auch blaue Karten gezeigt werden (können), aber dagegen spricht, dass in den offiziellen Dokumenten blaue Karten nicht erwähnt werden. Wenn es welche gäbe, dann müssten diese meiner Meinung nach in den Fair Play Rankings auftauchen, dort steht aber nur "Red cards: 8 points" und auch „EHF will instigate disciplinary proceedings against the perpetrators [...] in accordance with the EHF [Legal Regulations]“.

    Quelle: EHF EUROREGULATIONS - Men’s EHF EURO 2026
    dazu noch Quelle: EHF EURO 2026: Referee guidelines and supportive tools


    Absicht würde blau statt rot bedeuten. Wenn meine "natürliche Bewegung" dazu führt dass mein Ellbogen dem Abwehrspieler ins Gesicht fliegt dann habe ich als Angreifer diese nicht regelkonform ausgeführt.

    Stimmt normalerweise, aber bei dieser EM gibt es keine blauen Karten. - Anscheinend wird jede rote Karte nachträglich nochmal überprüft und ggf. eine Sperre ausgesprochen.

    Das ist aber auch nur eine Meinung!


    Für mich ist das kein Pro / Contra des Videobeweises, sondern schlicht eine Fehlentwicklung im Handball (siehe Post davor)!!

    Die Meinung wird u.a. durch die Entscheidung der Schiedsrichter gestützt. Und diese haben nicht den Eindruck erweckt, als hätten sie sich die Entscheidung leicht gemacht.

    Ich verstehe, dass dich das Thema sehr nervt – kann ich gut nachvollziehen. Regeltechnisch ist aber wichtig: Ob Absicht vorlag oder ob eine Bewegung „natürlich“ war, spielt in der Bewertung keine Rolle.

    In den IHF‑Regeln zählen vor allem Art, Heftigkeit und Wirkung eines Vergehens, nicht die subjektive Intention. Er versucht durch „Abräumen“ sich einen Vorteil zu verschaffen, damit ist es zu ahnden – selbst Gidsel hat schon Rot bekommen, weil er in den Gegner ausgerutscht ist.

    Handball vor 20 Jahren war ein deutlich langsameres Spiel, mit vielen ungeahndeten Aktionen gegen den Kopf des Angreifers. Dementsprechend waren damals mehr „Schlachtrosse“ und weniger „Rennpferde“ unterwegs. Heute steht Athletik, Tempo und vor allem der Schutz der Spieler im Fokus, weshalb Kopf‑, Hals‑ und Luftlage‑Kontakte deutlich strenger geahndet werden. Wer solche alten „Schlachtross‑Aktionen“ sehen will (warum eigentlich?), findet sie eher in unteren Ligen, wo Klasse immer noch gern durch Härte ersetzt wird.

    Außenspieler haben schon immer Kontakt „gesucht“, was vor allem mit den Laufwegen zusammenhängt. Schon früher war es selten, von außen völlig „frei“ und ohne Druck durch den Gegenspieler zu werfen. Die Unsitte, den Werfer in der Luft durch gezielte Berührung an der Hüfte aus dem Gleichgewicht zu bringen, sieht man zum Glück seltener, weil allen klar ist, dass das sehr schnell zur roten Karte führt. Lässt man die Hände als Abwehrspieler weg, dann rückt man halt näher an den Angreifer ran. Daraus ergeben sich halt Konsequenzen...

    Wenn der Schiedsrichter den finalen Treffer erzielt:

    https://sport.tv2.dk/video/2026-01-…p-6387909867112

    Das Video scheint zur Zeit nicht (mehr) abrufbar zu sein, hier eine kurze Textform:

    In der EHF European League (Frauen) am 18. Januar 2026 spielte Viborg HK aus Dänemark auswärts gegen JDA Bourgogne Dijon Handball in Frankreich und endete unentschieden 30:30 nach einem dramatischen Abschluss. Der TV2-Sport-Link zeigt ein Video dieser absurden Szene, in der ein Schuss der Französinnen die Pfosten traf, dann das Knie eines Schiedsrichters und ins Tor kullerte – eine seltene "Schiedsrichter-Tore" in den letzten Sekunden.

    Spielverlauf

    Viborg führte lange, zuletzt 30:29 mit 20 Sekunden Restzeit, doch nach einer Zweiminutenstrafe für Viborg ergab sich die Situation. Viborg-Trainer Anders Friis nannte es „die unglücklichste Abschluss-Situation der Welt“ und war frustriert, holte aber ein Auswärtspunkt mit.

    Regelkonformität

    Regel-Experte Jørn Møller Nielsen bestätigte: Die Torzählung ist regelkonform, da nichts verbietet, dass ein Schiedsrichter auf dem Feld steht und der Ball ihn trifft. Die Schiedsrichter entschuldigten sich bei Viborg für die schlechte Positionierung, doch Viborg verfolgte die Sache nicht weiter.

    Reaktionen

    Die Szene löste Debatten aus; Viborgs Jana Mittún und Clara Skyum Thomsen wurden für starke Leistungen gelobt (Mittún: 8/10 Tore). Es gilt als extrem selten in europäischem Handball und unterstreicht Positionierungsfehler der Offiziellen.

    Vielen Dank. Teils war die Frage rhetorisch gemeint, da ich mir die Begründung, die du gut dargestellt hast - danke dafür - schon so gedacht hatte.

    Worauf ich hinauswollte: nehmen wir einmal an, im Extremfall stünde eine Abwehrspielerin in der 6:0, und seit Sekunden starr wie ein Fels in der Brandung, nur steht sie mit den Fersen auf der Linie.

    Kann das ein Freifahrtschein für eine Angreiferin sein, die Abwehrspielerin komplett umzunieten?

    Etwas konstruiert, ist mir schon klar. Aber ich denke gerne in Extremen, um mir Grenzsituationen zu verdeutlichen.

    Verstehe ich absolut, und dein Extremfall zeigt genau das Problem: Die aktuelle Regelauslegung kann zu absurden Entscheidungen führen.

    Mich beschäftigt das schon lange: In höheren Klassen achten Schiedsrichter meist luchsäugig auf Linienübertritte, während offensichtliche Regelbeugungen der Ballführer gerne nachrangig bewertet werden. Und natürlich gibt es Spieler, die das auszunutzen versuchen. Auch da sollten Schiris tätig werden – eine klare Ansage machen, dass es so nicht nochmal gehen wird, und ggf. dann eben keinen 7 m mehr pfeifen. Das halte ich noch im Rahmen des Ermessensspielraums für absolut legitim, aktuelle Regelauslegung hin oder her...

    Warum wiegt eigentlich die passive Regelverletzung der Verteidigerin schwerer, als die aktive der Angreiferin?

    Gute Frage, ich probiere mich mal an einer Antwort:

    Die passive Regelverletzung der Abwehrspielerin (Kreisbetreten) wiegt deshalb schwerer, weil sie die Torchance der Angreiferin in einer Situation vereitelt, in der diese sonst freie Bahn zum Tor gehabt hätte. Der 7 m ist ja gerade dafür gedacht, eine solche vereitelte klare Torchance zu kompensieren.

    Die aktive Regelverletzung der Angreiferin (Arm-/Beineinsatz) passiert zwar zeitgleich, aber sie entsteht quasi im Zuge des Durchbruchsversuchs, der durch das regelwidrige Verhalten der Abwehrspielerin bereits gestört wurde. Die Schiedsrichter bewerten also: Was war die Ursache, was die Wirkung?

    Man kann meiner Meinung nach diskutieren, ob ein beidseitiger Regelverstoß zu einem Freiwurf und nicht zu einem 7m führen sollte – aber nach aktueller Regelauslegung wird hier üblicherweise priorisiert, wer die Torchance zunichtegemacht hat.

    Spiel am 5.Oktober?

    Das ist kein Stürmerfoul.

    Sie geht ja links an der Abwehrspielerin vorbei und nicht drauf.

    Und ob der eine Fuß der Abwehrspielerin im Kreis ist, sehen wir nicht. Das kommt dazu.

    Das war nur dann kein Stürmerfoul, wenn die Abwehrspielerin tatsächlich im Kreis stand oder sich durch den Kreis bewegte. Da es einen 7 m gab, gehe ich davon aus, dass genau das der Fall war.

    Andernfalls liegt meiner Meinung nach ein klar regelwidriger Einsatz von Arm und Bein der Angreiferin vor.

    Du hast es sehr gut beschrieben.

    Ich habe ja nicht umsonst gesagt das sich solche schwere Verletzung wie bei Charlotte Kähr schon angekündigt hat.

    Wenn das Schule macht und die Spielerin immer wieder dafür belohnt wird durch 7m,...dann gute Nacht Handball.

    Meiner Meinung nach macht das keine Schule mehr – diese Attitüde gibt es im Handball schon seit langer Zeit. Sie hat mir ehrlich gesagt noch nie gefallen. Spieler, die mit voller Energie und allen Mitteln knapp an der Abwehr vorbeigehen wollen, gefährden durch ihre Rücksichtslosigkeit nicht nur andere, sondern letztlich auch sich selbst. Als Trainer würde ich so etwas nicht sehen wollen („that’s not the team I want to have“), zumal es eigentlich immer alternative Lösungsmöglichkeiten mit deutlich geringerer Verletzungsgefahr gibt.