Hallensituation der Bundesligisten

  • Bensheim könnte in Heidelberg spielen.

    Das wäre das Ende der Fanbasis wie sie jetzt besteht.
    Den Weg nehmen die meisten nicht auf sich, und die Heidelberger wird ein Verein aus Bensheim nicht interessieren. Wird bestimmt toll, professionelle grosse Halle, aber 250 Zuschauer…..
    Das die ganzen lokalen Sponsoren das auch nicht mitmachen kommt noch dazu.
    Sehr professionell wird das!

  • Natürlich muss es Mindeststandards geben (z.B. Boden). Aber m. E. wurde die Professionalisierung von der falschen Seite angegangen. Sie muss beginnen bei den Menschen: einer Nachwuchsförderung, die den Namen wirklich verdient, mit einer ausreichenden Anzahl qualifizierter Jugend-Trainer/innen (die auch angemessen bezahlt werden) und einem Mangement, das auch etwas von Kommunikation versteht - und nicht bei der Vorgabe eine irrsinigen Platzkapazität, die in den seltensten Fällen erforderlich ist. Für die rund 30 Mio. Euro, die heute eine den Anforderungen entsprechende moderne Halle mindestens kostet, ist viel Nachwuchsförderung möglich.

  • Und Du bist sicher, bei der Art und Weise wie Handballregeln zusammengeschrieben sind, dass es keine Lex Aufsteiger geben kann und die EUR 2.500 richtig sein können?

    was ist im Leben schon sicher.

    aber die Hallenstandards geben das nicht her. Da gibt es nur Ausnahmen für die Aufsteiger in Liga 2 .

    Wofür sollte ein Aufsteiger einen Rabatt bekommen ? 11 Mannschaften müssen professionell sein, Nr. 12 hat dann andere Regeln ?

    Gibt noch ne Passage in den Lizensierungsbestimmungen, "Neben dem Nachweis der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit für das kommende Spieljahr hat ein Antragsteller auch die Erfüllung der infrastrukturellen Kriterien nach Vorgabe der HBV-F Hallenstandards nachzuweisen."


    Kostspielige Heimspiele für die Flames in der Weststadthalle: Um weiter in der Weststadthalle spielen zu dürfen, müssen die Flames ab 2026 eine Strafgebühr bezahlen, die in der ersten Phase 5.000 Euro

  • Das hast Du falsch vertanden. :)

    Die 12 mio für die Halle sollten ja andere Zahlen.^^ Das Geld gilt also als zusätzlich generiert.

    Was heißt hier "zusätzlich"? Zusätzlich zu was? Wenn 30 Mio. Euro für eine Halle ausgegeben werden, heißt das doch: Es sind 30 Mio. Euro da. Die Frage ist doch, wofür man sie ausgibt. Wie viel Geld gibt gibt Deutschland wofür aus? Wie viel für Infrastruktur (was sicher in bestimmtem Umfang auch für den Sport nötig ist) und wie viel für Breiten- und Spitzensport? Fußnote Wie sich z.B. die Reduzierung der staatlichen Förderung auf den Sport in Ungarn auswirken wird, werden wir in den nächsten Jahren sehen.

    Meine Überzeugung: Das Sporttreiben von Menschen (auch in organisierter Form) ist ein gesellschaftlicher Wert - ebenso wie Kultur und kulturelle Betätigungen. Und wer sportliche Spitzenleistungen haben will, muss sie genauso fördern wie Spitzenleistungen in Kultur und Kunst. Natürlich ist auch hier Geld nicht alles, aber ohne Geld ist alles nix (okay, 5 Euro ins Phrasenschwein).

  • Vielen Dank für die Diskussion. Es lässt mich klarer blicken, wie dreist die Aktion an dieser Stelle war bzw. ist.

    Deine Gedankengänge bezüglich der Allgemeinheit, die für Sport zahlen soll, kann man diskutieren. Allgemeingut sind sie ganz offensichtlich nicht. Und selbst wenn es richtig und unbestritten wäre, müsste man immernoch fragen, warum einzelne Gemeinden diese Beträge für eine Randsportart in die Hand nehmen sollten. Und glaub mir, den Konsens stellst Du niemals her.

    Die Hallen können ja regelmässig deswegen von Staatsgeldern gebaut werden, weil sie nicht ausschließlich dem Handball zur Verfügung stehen sondern nur als Nebeneffekt. Deswegen z.B. in Buxtehude die Betonung auf eine Schulsporthalle für die es nicht möglich ist die Namensrechte zu verkaufen.

  • Es ist halt möglich, dass das Unternehmen Wesentlichte Teile oder den ganzen Betrieb verlegt. In den USA ist es üblich, bei uns weniger. Bad Schwartau hat es auch geschafft, aber nicht ohne die Seele zu verlieren.

    Die Frage ist halt auch, welchen Vorteil der Frauen Handball hat, welches Alleinstellungsmerkmal, mit dem protzen kann, so dass man auf bestehende Strukturen locker verzichten kann.

  • Die Frage ist halt auch, welchen Vorteil der Frauen Handball hat, welches Alleinstellungsmerkmal, mit dem protzen kann, so dass man auf bestehende Strukturen locker verzichten kann.

    m.E. lebt der Frauenhandball im Wesentlichen von der Fankultur vor Ort und wird es auch nie schaffen, eine ausreichende Fanbasis überregional aufzubauen. Das wäre aber erforderlich für einen Umzug in die nächste Großstadt. Vielleicht können das 1, 2 Topclubs schaffen, aber nicht die komplette erste Liga. Und dann zieht eine Professionalisierung in Liga 1 zwangsweise auch Schritte in Liga 2 nach sich, wenn sich die erste Liga nicht komplett entkoppeln will. Und damit wird es dann noch kritischer.

  • Auf was beziehst du das? Auf die Professionalisierungsvorgaben?

    Das bezieht sich ausschließlich auf die Hallenvorgaben. Insbesondere dort, wo erwartet wurde, dass die Gemeinden spuren und entsprechende Hallen hinstellen.
    In gewisser Weise war es natürlich ähnlich dreist den Verlierern dieser Anforderung den Umzug aufzuzwingen - oder den Lizenzentzug (auf lange Sicht). Demokratie sollte so nicht funktionieren.

  • m.E. lebt der Frauenhandball im Wesentlichen von der Fankultur vor Ort und wird es auch nie schaffen, eine ausreichende Fanbasis überregional aufzubauenv. Das wäre aber erforderlich für einen Umzug in die nächste Großstadt. Vielleicht können das 1, 2 Topclubs schaffen, aber nicht die komplette erste Liga. Und dann zieht eine Professionalisierung in Liga 1 zwangsweise auch Schritte in Liga 2 nach sich, wenn sich die erste Liga nicht komplett entkoppeln will. Und damit wird es dann noch kritischer.

    Das würde für die „kleinen“ Bundesligisten, die es durch gute Basisarbeit und sportliche Leistungen bis dahin geschafft haben wo sie jetzt sind auch wahrscheinlich das Ende bedeuten.
    Übrig bleiben dann Vereine wie Dortmund, die davon profitieren das sie zu einem umsatzstarken Verein gehören und andere finanzielle Mittel zur Verfügung haben.
    Ist das im Sinne des Sports?

  • Deine Gedankengänge bezüglich der Allgemeinheit, die für Sport zahlen soll, kann man diskutieren. Allgemeingut sind sie ganz offensichtlich nicht. Und selbst wenn es richtig und unbestritten wäre, müsste man immernoch fragen, warum einzelne Gemeinden diese Beträge für eine Randsportart in die Hand nehmen sollten. Und glaub mir, den Konsens stellst Du niemals her.

    Das ist sicher richtig. Natürlich entscheidet jede Stadt, jeder Landkreis, jedes Bundesland in welchem Umfang sie sich für Kultur oder Sport engagieren. Und einige setzen dabei auf eine Randsportart wie Frauenhandball. Das wird nur dort geschehen, wo dieser Tradition und dementsprechend eine breite Fanbasis hat. So etwas lässt sich kaum künstlich schaffen. Negativbeispiel dafür ist Riesa, das nach der Wende viel Kraft und Geld dafür eingesetzt hat, Sportstadt zu werden. Irgendwann brach alles wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

  • Also Professionalisierung ist sinnvoll, wenn ein Markt da ist. Ist das im Frauenhandball so? Ich glaube nein, da gibt es bestensfalls viele ganz kleine Märkte. Aber nicht jeder Markt funktioniert gleich. Insofern ist vieles was ich von Verbandsseite höre und hier und anderswo über die angeblich so notwendige Professionalisierung lese, eher amateurhaft. Wobei ja auch gewisse Meinungs-Unterschiede bestehen, was Professionalisierung genau ist und wie man diese dann erreichen kann.

    Ich habe schon die Einführung der einteiligen 2. Liga bei den Frauen vor vielen Jahren als Fehler empfunden. Für Quasi-Amateurinnen ist es nicht sonderlich attraktiv, am Wochenende hunderte Kilometer durch die Republik für ein paar Spielminuten vor 150 Zuschauern zu düsen und um 3 Uhr ins Bett zu fallen, aus dem man um 7 Uhr wieder raus muss. Solche Fälle kenne ich persönlich. Die Vielzahl der freiwilligen Nicht-Aufstiege zwischen 3. und 2. Liga aber auch zwischen 4. Liga und 3. Liga in den letzten Jahren ist doch ein klarer Hinweis, dass es im ach so professionellen System nicht stimmt.

    Wenn eine Pseudo-Professionalität, die irgendwo in Basel, Wien oder Dortmund entwickelt wird und letztendlich nur eine Unterordnung unter vermeintliche Sponsoren-Interessen ist, sportliche und emotionale Aspekte mehr und mehr verdrängt, wird sie das Gesamtgefüge der Nischen-Sportart Frauenhandball stören, wenn nicht irgendwann zerstören. Die unsägliche Debatte um angeordnete Hallen-Ausbauten gehört da für mich auch mit rein, wobei man ja auch sieht und hört, wie schwer sich Kommunen mit der Bereitstellung finanzieller Mittel dafür tun. Und diese Situation dürfte sich eher zuspitzen.

    Von dem, was da aufgerufen wird, könnte man sicherlich die ein- oder andere Schulsporthalle im ganzen Land errichten. In denen dann alle großen und kleinen Menschen, alle Amateure und (fast) alle Profis Handball spielen können. Das wäre Professionalität für mich!