Nachspiel Essen - Dresden?

  • Rheiner 26. April 2026 um 22:30

    Hat den Titel des Themas von „Essen - Dresden“ zu „Nachspiel Essen - Dresden?“ geändert.
  • Ich habe da wenig Bauchschmerzen. Ich kann in der Aufzeichnung bei DYN nicht hören, wann der Buzzer gedrückt wurde, aber der in Richtung Spielfeld zurückspringende Ball ist noch umkämpft, da sowohl ein Essener Spieler als auch ein Dresdener zum Ball gehen und der Essener nur minimal früher an den Ball kommt.

    Die Intention des TuSEM Essen Trainers darf hier hinterfragt werden. Bei 59:59 kann es nicht darum gegangen sein, seiner Mannschaft noch einen Angriff zu ermöglichen und daher unterstelle ich, dass er die Nachwurfchance unterbinden wollte. In diesem Falle wäre die Entscheidung auf Strafwurf korrekt gewesen.

    Ohnehin sehe ich diese Spielsituation und Entscheidung als eindeutige Tatsachenentscheidung an mit der Tendenz dahin, dass alles regelkonform war. Die mir bekannte Definition für "im Ballbesitz sein" lautet:

    Zitat

    Grundsätzlich ist die Mannschaft im Ballbesitz, die gerade den Ball unter Kontrolle hat oder einem im Spiel befindlichen Ball zuletzt unter Kontrolle hatte. Ein Ball ist dann unter Kontrolle, wenn er von einem Spieler unter Kontrolle gehalten wird oder von einem Spieler kontrolliert geprellt wird.

    Gemäß dieser Definition war Essen nie in Ballbesitz, da der Abwehrspieler den Ball nur Richtung Grundlinie wegschlägt.

  • Dass Essen zu keinem Zeitpunkt in Ballbesitz war und deshalb die Auszeit nicht nehmen durfte, ist für mich klar.

    Dass die Bank progressiv bestraft werden musste und es nur mit Ballbesitz Dresden weitergehen konnte - auch klar.

    Ich stelle allerdings den Passus, den Arcosh oben schreibt, in Frage. Ich finde ihn auch nicht im Regelheft, sondern nur auf einer Seite im Netz.

    Wenn ein Spieler auf‘s Tor wirft und der Ball prallt vom Tor oder Torwart ab, ist aus meiner Sicht keiner in Ballbesitz. Die werfende Mannschaft war zuletzt in Ballbesitz. Und wenn das Spiel ohne Regelwidrigkeit unterbrochen wird, kommt sie wieder in Ballbesitz. Aber m.E. ist sie es in dem Moment nicht.

    Ich bin mir auch sehr sicher, dass es dazu Anweisungen und offizielle Regelfragen gibt, die das klarstellen. Muss ich die Tage mal suchen.

    Und die Buzzerregeln schreiben halt klar, dass es 7-Meter gibt, wenn man in den Ballbesitz des Gegners reinbuzzert.

    Was ist aber, wenn in dem Moment keiner in Ballbesitz war?

    Wie gesagt: Gelbe Karte Essen und Ballbesitz Dresden sind klar, weil Essen nicht in Ballbesitz war und deshalb keine Auszeit nehmen durfte.

    Aber ob der 7-Meter-Passus hier gelten kann - da habe ich massive Zweifel. Weil der erforderliche Ballbesitz des Gegners für mich nach dem Wurf eindeutig nicht mehr vorlag.

    2 Mal editiert, zuletzt von Rheiner (27. April 2026 um 01:33)

  • Rheiner

    Frank Böllhoff, ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter, Schiedsrichter-Ausbilder und EHF-Delegierter hat zu diesem Thema eine ausführliche Erläuterung verfasst:

    HV Westfalen: Übersicht Grüne Karte (Seite 4ff)

    Zitat

    Ballbesitz (Fallstrick 5)
    Wie schon vorher erwähnt, ist die wesentliche Voraussetzung für die Beantragung und Gewährung, dass die Mannschaft sich zum Zeitpunkt des Signals des Zeitnehmers (noch) in Ballbesitz befindet.


    Wann habe ich eigentlich Ballbesitz und wann habe ich den Ball nicht mehr in meinem Besitz?

    [...] Neben dem physischen gibt es auch den faktischen Ballbesitz. Hier wird der Mannschaft der Ballbesitz zugewiesen, die zuletzt in Ballbesitz war. [...]

    [...] Anders sieht es aus, wenn ein Ball durch den Torwart bloß abgewehrt (geblockt) wurde und der Ball anschließend im Torraum springt. Der Ball bleibt im Besitz derjenigen Mannschaft, die zuletzt in Ballbesitz war, also der Mannschaft, die auf das Tor geworfen hat [...]

  • Arcosh

    Dann gucken wir mal, ob das, was er sagt, auch einer regeltechnischen (und juristischen) Überprüfung standhält.

    Zur Erinnerung: Es gab auch immer auch die Lehrmeinung, dass ein Ballbesitz nicht wechseln kann, wenn der Ball zum Zeitpunkt des Vergehens nicht im Spiel war. Und dann kam Helge nach Essen - Dessau, der die Lehrmeinung juristisch auseinandergenommen hat.

  • Arcosh

    Dann gucken wir mal, ob das, was er sagt, auch einer regeltechnischen (und juristischen) Überprüfung standhält.

    Zur Erinnerung: Es gab auch immer auch die Lehrmeinung, dass ein Ballbesitz nicht wechseln kann, wenn der Ball zum Zeitpunkt des Vergehens nicht im Spiel war. Und dann kam Helge nach Essen - Dessau, der die Lehrmeinung juristisch auseinandergenommen hat.

    Nein. Die Kernaussage des Urteils des Bundesgerichts war: "Bei regelkonformer Wahrnehmung der Überwachungspflicht hätten Zeitnehmer und Sekretär das Spiel spätestens in der Sekunde des Wiederanpfiffs unterbrechen und die Schiedsrichter auf den Umstand der fehlerhaften Anzahl von Spielern auf Seiten der Mannschaft des Beteiligten hinweisen müssen." Für die Sanktion eines Wechselfehlers ist nicht entscheidend, wann er begangen wurde, sondern wann er durch die Offiziellen bemerkt wurde. Das Gericht ist der cleveren Argumentation des TuSEM Essen bzw. ihres Rechtsanwaltes gefolgt, dass der Ball mit dem Anpfiff sofort wieder ins Spiel gebracht worden wäre und in demselben Moment der Wechselfehler hätte Auffallen müssen. Das ist in meinen Augen reichlich konstruiert und kein gutes Urteil, aber es steht nicht im Widerspruch zur Lehrmeinung, dass ein Ballbesitz nicht wechseln kann, wenn der Ball zum Zeitpunkt des Vergehens nicht im Spiel war.


    Welche handfesten Argumente hast Du, dass in dem Moment, in dem der Ball vom Pfosten zurückspringt, keine Mannschaft im Ballbesitz ist? Gibt es überhaupt Spielsituationen, in denen keine der beiden Mannschaften in Ballbesitz ist?

  • Also, dass ging ganz schön drunter und drüber. Ganz klar ist aber, dass der Trainer vom TUSEM (Hövels) nicht einmal in der Nähe vom Buzzer stand. Er stand nahe seiner Mannschaft, die sich in der Abwehr befand. Somit stand er genau am anderen Ende der Bank und weit vom Buzzer entfernt. Schaut euch mal die Aufzeichnung genau an.

    Zwar wurde Hövels mit einer gelben Karte bestraft, aber das ist eine glatte Fehlentscheidung!

    Regel hin oder her, solch ein Spiel hat diesen Ausgang nicht verdient!

    Einmal editiert, zuletzt von Grinwald (27. April 2026 um 09:45)

  • Zwar wurde Hövels mit einer gelben Karte bestraft, aber das ist eine glatte Fehlentscheidung!

    Hä, der Co-Trainer hat den Buzzer gedrückt. Es gibt keine Regel die sagt, nur der Mannschaftsverantwortliche B darf den Buzzer drücken. Von daher ist die gelbe Karte zwar gegen Hövels eine Fehlentscheidung, aber nicht gegen die Bank an sich. nebensächlich, sich darüber aufzuregen.

  • Rheiner

    Frank Böllhoff, ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter, Schiedsrichter-Ausbilder und EHF-Delegierter hat zu diesem Thema eine ausführliche Erläuterung verfasst:

    HV Westfalen: Übersicht Grüne Karte (Seite 4ff)

    Dann passt es ja wie "die Faust auf's Auge" , dass Frank Böllhoff der TD bei diesem Spiel gewesen ist.

    Das Erste, was ein Kind lernt, ist gegen den Ball zu treten! Wenn es intelligent ist, nimmt es ihn später in die Hand !!!

    Die Wissenschaftler haben herausgefunden..... und sind auch wieder reingekommen :)

    Politiker sind wie Windeln, man sollte sie oft wechseln, und aus den gleichen Gründen! (Mark Twain)

  • Welche handfesten Argumente hast Du, dass in dem Moment, in dem der Ball vom Pfosten zurückspringt, keine Mannschaft im Ballbesitz ist? Gibt es überhaupt Spielsituationen, in denen keine der beiden Mannschaften in Ballbesitz ist?

    Klar. Z.B. 13:4 b. Da geht es darum, was passiert, wenn das Spiel ohne Regelwidrigkeit unterbrochen wird:

    „wenn keine der Mannschaften in Ballbesitz ist, erhält die Mannschaft, die zuletzt in Ballbesitz war, erneut den Ballbesitz“

    Hat nichts mit der Situation gestern zu tun, widerlegt aber die These, dass immer eine Mannschaft in Ballbesitz ist.


    Was ich aber an Essener Stelle vor allem anführen würde, ist folgende Zusatzbestimmung des DHB. Da geht es darum, was passiert, wenn der Torwart getroffen wird und handlungsunfähig ist. Also Wurf auf‘s Tor und der Ball fliegt zurück.


    „Ergänzung zu „Verletzte/r Torwart*in (Regel 6:8)

    d) Der Ball befindet sich über dem Torraum in der Luft.

    Korrekte Regelanwendung: Ein bis zwei Sekunden zuwarten, bis eine Mannschaft in Ballbesitz ist.

    Spiel unterbrechen, Wiederaufnahme mit Freiwurf für die ballbesitzende Mannschaft.

    e) SR pfeift zum Zeitpunkt, als der Ball noch in der Luft ist:

    Korrekte Regelanwendung: Wiederaufnahme des Spiels mit Freiwurf für die Mannschaft, die zuletzt in Ballbesitz war.“

    Seite 64.

    https://www.dhb.de/sites/default/files/2024-10/DHB%20Zusatzbestimmungen%20zu%20den%20internationalen%20Handballregeln.pdf

    Sagt doch ganz klar, dass in dem Moment, wenn der Ball zurückfliegt und in der Luft ist, keine Mannschaft in Ballbesitz ist!

  • oh fein. Da hat dann Essen in der Tat Bedarf bei HOK anzurufen. Aber die haben keinen Einspruch im Protokoll vermerkt, oder?

  • Dann wird es spannend und der von mir als Depp titulierte Co-'Trainer ist am Ende vielleicht sogar der glückliche oder tragische Held.

    Kommt es zur Wiederholung und Essen gewinnt, war seine sinnfreie Aktion am Ende richtig. Falls Essen mit -5 verliert, eher nicht.

    Einmal editiert, zuletzt von alter Sack (27. April 2026 um 11:23)

  • Ich hoffe übrigens, dass sich die Sportbild das mit den letzten 30 Sekunden (was angeblich das entscheidende Argument von Schiedsrichtern und Delegiertem für den 7-Meter gewesen sein soll) ausgedacht hat.

    Denn das ist ja völliger Blödsinn.

    Chaos in letzter Sekunde: Nächster Einspruch im deutschen Handball
    Im deutschen Handball kam es zum nächsten Spielwertungs-Einspruch.
    m.sportbild.bild.de

    Einmal editiert, zuletzt von Rheiner (27. April 2026 um 11:39)

  • „Sagt doch ganz klar, dass in dem Moment, wenn der Ball zurückfliegt und in der Luft ist, keine Mannschaft in Ballbesitz ist!“

    Wenn ich dem Argument folge, dann ist die Auszeit auf jeden Fall regelwidrig und greift regelwidrig ins Spiel ein.

  • Aber es ging nicht mit 7 m sondern FW weiter, nach Rheiners Schlupfloch.

    was auch immer dabei rauskommt: Das darfst du eigentlich keinem erzählen. Böllhoff hat ein sieben Seiten Dokumente verteilt. Für den "normalo" ist doch die Erkenntnis: "Diese Sportart ist einfach nicht beherrschbar". Das ist doch eigentlich die Quintessenz. "Ist Handball ein Sport, der regeltechnisch wie eine Geheimwissenschaft betrieben wird"?

    und rheiner holt hier was raus "Wenn TW getroffen und handlungsunfähig". der TW sah mir handlungsfähig aus.