Die Basketballer holen in den letzten Jahren Erfolge, die vor einiger Zeit völlig undenkbar gewesen wären. Da ist z.B. ein Franz Wagner gerade im ersten Jahr eines 5-Jahres-Vertrages, der ihm 214 Mio € einbringen wird. Alle vom Kader weitgehend in Deutschland ausgebildet. Im Eishockey wurde 2023 bei der jährlich ausgetragenen WM die erste Medaille seit 70 Jahren gewonnen. Da verdient ein Moritz Seider auch 52 Mio € über 7 Jahre. Auch in Deutschland ausgebildet. Mit Draisaitl (8 Jahre, 98 Mio €) und Stützle (8 Jahre, 58 Mio €) gehören zwei deutsche Spieler zu den besten Offensivspielern der Liga, Draisaitl sogar MVP geworden. Undenkbar vor 20 Jahren. Ich frage mich, wie sowas möglich ist, wenn doch alles so schlecht ist.
Die Vergleiche hinken. Wenn du im Basketball berühmt werden willst, musst du raus aus Deutschland, am besten in die NBA. Also werden die Spieler alles dafür geben. Hinzu kommt, dass wir beim Basketball jetzt so langsam die Früchte der Strukturen ernten, die sich in den letzten 20 Jahren entwickelt haben. Als bei uns in der Region der Basketball Richtung Bundesliga marschierte, waren die Spieler im Hauptberuf beim Sponsor auf dem Baumarkt angestellt. Namen brauchte man sich aber nicht einprägen, weil die meisten nach einem Jahr eh wieder weg waren. Scouting war da eher auf dem Niveau: Da soll es irgendwo im tiefsten Westen der USA einer im College nicht geschafft haben - den holen wir. Und nach 4 Wochen wurde er wieder vor die Tür gesetzt. Davon ist heute nicht mehr viel zu sehen. Das Basketball hat sich professionalisiert, mit viel Expertise aus dem Ausland.
Was die Nationalmannschaft heute so viel besser macht? Sie haben einen Weltklasse Spielmacher. Nimm Schröder aus der Mannschaft und du hast zwar immer noch sehr gute Spieler, aber keinen Führer mehr. Er macht den Unterschied. Er ist genau dieser Typ Spieler, den wir beim Fußball nicht mehr haben. Und jetzt schau in die Vita von Schröder: Mit 16 entschied er sich, in die NBA zu wollen. Und wo will der Fußball-Nachwuchs hin? Zum FC Bayern.
Aktuell spielen übrigens 7 Deutsche als Profis in der NBA. Wer also abseits der Fußball-Massen einen Weg sucht, sportlich berühmt zu werden und dabei gut zu verdienen, hat beim Basketball gute Chancen.
PS: Ein Franz Wagner stand übrigens mit 20 noch ohne Profi-Vertrag da. Da haben die Fußballer ihre Schäfchen schon im Trockenen.
Auf den letzten Seiten wurde ja energisch darüber diskutiert, ob die Fußballer satt seien. Ich finde, das kann man nicht kategorisch mit dem Verweis darauf, dass Geld nicht alles sei, abstreiten. Vor 20, 25 Jahren hieß es tatsächlich noch, dass man durch Titel mit der Nationalmannschaft seinen Marktwert steigern kann. Ganz ehrlich? Ob ein Sané heute nun 15 oder vielleicht durch einen Titel mehr 20 Millionen im Jahr verdient, dürfte praktisch egal sein. Wenn man sich nicht allzu dämlich anstellt, hat man nach der Profi-Karriere finanziell ausgesorgt. Und gerade die Ex-Spieler des FC Bayern werden doch bei ARD und ZDF gern als "Experten" weiter durchgefüttert. Die Anschluss-Karriere ist quasi auch in trockenen Tüchern.
Hinzu kommt, dass wir hier von Spielern reden, die Generation Z oder knapp davor sind. Die sind in der Schule damit groß geworden, dass 1+1=3 auch fast richtig ist. Das ist eine Generation, da heißt es nicht mehr: Streng dich an oder du bleibst sitzen und aus dir wird nichts. Das Fordern von Leistungen widerspricht dem Kindswohl. Das ist Teil unserer modernen Gesellschaft. Ich hatte in den letzten 20 Jahren beruflich viel mit der Ausbildung von Studenten zu tun. Der Abfall an Leistungsbereitschaft ist real. Und was genauso wenig wegzudiskutieren war: Ausländische Studenten (mit Ausnahme der Chinesen) wollten lernen. Die kamen ganz anders vorbereitet und haben sich aktiv beteiligt. Bei den Deutschen war es leider mehrheitlich so, dass die klar zu verstehen gegeben haben, dass die nur im Raum sitzen, weil sie die Unterschrift für die Teilnahme brauchen. Dass man im Studium vielleicht auch Inhalte fürs spätere Berufsleben mitnehmen sollte, zumal das Studium ja keine aufgezwungene Veranstaltung ist, hat die nicht interessiert. Die wussten halt, dass das System sie im Zweifelsfall auffängt.
Wer hier die Frage stellt, warum ausländische Fußballer sich so deutlich mehr reinhängen und meint, das muss doch auch für Deutsche gelten, der muss halt auch betrachten, wie und wo die groß geworden sind. Die Prägung beginnt im Kindesalter. Wir leben in einem Land, in dem "alles kann, nichts muss" zur Lebensphilosophie geworden ist. Es gibt kaum noch Kennzahlen, die für eine positive Entwicklung Deutschlands sprechen. Das fängt bei den Pisa-Tests an und hört beim BIP auf. Und Sport und Gesellschaft lassen sich nicht trennen.