
DDR-Oberliga Erinnerungsthread
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Ich denke das Thema BSG könnte man noch etwas weiteraufdröseln Es zeigt nämlich wie der Sport auch Exzentrikern im Rahmen des politischen System eine Bleibe unter Gleichgesinnten bot. Um mal interessante Namen in den Raum zu werfen. Im Handball noch die BSG Sirokko Neubrandenburg. Ich dachte bis heute, dass das ein Nahrungsmittelkombinat war. Jetzt lese ich bei Wikipedia, dass die StandheizungeÖlheizungen gemacht haben. Woher der Name Sirokko kommt bleibt im Dunkeln.
Bei diesem Satz im Wikipediaartikel musste ich schmunzeln
ZitatAls Konsumgüterproduktion wurde ein Fahrradseilschloss mit einer Jahresstückzahl von ca. 600 000 hergestellt.
Ich kann mich jetzt auch noch an die Fahrradschlösser erinnern. War so ein Steckschlüssel mit Wellen und viereckig. 600 Tausend jedes Jahr. bei 16 Mio. Fahrraddiebstahl war ein Thema.
Bei den Damen dann noch UT Erfurt. Umformtechnik. Handball oberliga.
Weiterhin interessant BSG Motor Ascota Karl Marx-Stadt, Ascota setzt sich zusammen aus Astra und ????. Und bei Ascota kommen wir zu einem der bekanntesten BSG Sportlern. Ein Jahrhuntertalent im Radsport,welcher immer wieder bei der DDR Meisterschaft Olaf Ludwig, Uwe Raab, Ampler und Co. aber insbesondere dem Verband mit seinen Siegen den dicken Finger gezeigt hat.
In Rostock gab die BSG Fiko Rostock Fischkombinat. Gibt es heute noch. Die haben sich so Mitte der 80er dem Triathlon verschrieben. Ein Sport der nicht gefördert wurde, aber offenbar doch Unterstützung durch das Kombinat erfuhr. Ich war damals in der Langlaufszene aktiv und damit musste man auch automatisch einen Triathlon machen. Ich glaube meine Triathlon war 400 meter schwimmen, 40 km Rad und 10 km Lauf. Am Start war Fahrradtechnisch alles. Von uralten Rennrädern über Westräder bis zu Diamant ohne Gangschaltung. Ich hatte letzteres und bin getreten wie ein Irrer.
Meine Mutter war eine ungewöhnliche Frau für DDR Verhältnisse. Die fing Mitte der 70er Jahre mit Ausdauerlauf an, auf einem Dorf auf Rügen. Sie hat glaube als eine der ersten Frauen am berühmten Rennsteiglauf teilgenommen (72 km). Der Lauf ist heute noch Kult. Damals gab es praktisch keine Laufschauhe in der DDR, sie ist also in diesen Schulturnschuhtretern gelaufen (Spitzname Essengeldturnschuhe in meiner Jugend) Wir sind später im Urlaub nach Prag gefahren, auch weil es dort Laufschuhe gab. Selbst in den 80ern war das sehr schwer zu bekommen. Germina hatte wenig im Angebot. In dieser Laufszene habe ich einige sehr interessante Typen getroffen.
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Ich denke das Thema BSG könnte man noch etwas weiteraufdröseln Es zeigt nämlich wie der Sport auch Exzentrikern im Rahmen des politischen System eine Bleibe unter Gleichgesinnten bot. Um mal interessante Namen in den Raum zu werfen. Im Handball noch die BSG Sirokko Neubrandenburg. Ich dachte bis heute, dass das ein Nahrungsmittelkombinat war. Jetzt lese ich bei Wikipedia, dass die Standheizungen für Ölheizungen gemacht haben. Woher der Name Sirokko kommt bleibt im Dunkeln.
Allein der Name Sirokko-Heizung war mir geläufig, auch das es sich um eine Art Stand-oder Zusatzheizung handelte. Ich habe das immer mit Dauercampern und Laubenpiepern verbunden.Bei diesem Satz im Wikipediaartikel musste ich schmunzeln
Zitat
Als Konsumgüterproduktion wurde ein Fahrradseilschloss mit einer Jahresstückzahl von ca. 600 000 hergestellt.
Ich kann mich jetzt auch noch an die Fahrradschlösser erinnern. War so ein Steckschlüssel mit Wellen und viereckig. 600 Tausend jedes Jahr. bei 16 Mio. Fahrraddiebstahl war ein Thema.
Bei den Damen dann noch UT Erfurt. Umformtechnik.
Weiterhin interessant BSG Motor Ascota Karl Marx-Stadt, Ascota setzt sich zusammen aus Astra und ????. Und bei Ascota kommen wir zu einem der bekanntesten BSG Sportlern. Ein Jahrhuntertalent im Radsport,welcher immer wieder bei der DDR Meisterschaft Olaf Ludwig, Uwe Raab, Ampler und Co. aber insbesondere dem Verband mit seinen Siegen den dicken Finger gezeigt hat.
...und wer war dieser Jahrhundert-BSGler??? -
Meine Mutter war eine ungewöhnliche Frau für DDR Verhältnisse. Die fing Mitte der 70er Jahre mit Ausdauerlauf an, auf einem Dorf auf Rügen. Sie hat glaube als eine der ersten Frauen am berühmten Rennsteiglauf teilgenommen (72 km). Der Lauf ist heute noch Kult. Damals gab es praktisch keine Laufschauhe in der DDR, sie ist also in diesen Schulturnschuhtretern gelaufen (Spitzname Essengeldturnschuhe in meiner Jugend) Wir sind später im Urlaub nach Prag gefahren, auch weil es dort Laufschuhe gab. Selbst in den 80ern war das sehr schwer zu bekommen. Germina hatte wenig im Angebot. In dieser Laufszene habe ich einige sehr interessante Typen getroffen.
Ich habe in Prag mal Botas-Schuhe gekauft. Es hat aber bis weit nach der Wende gedauert um rauszukriegen was Botas heißt. Schuhe auf tschechisch. Da nennen die Tschechen ihre Schuhe Schuhe. Marketing kann so einfach sein. -
Weiterhin interessant BSG Motor Ascota Karl Marx-Stadt, Ascota setzt sich zusammen aus Astra und ????.
"Continental" von den Wanderer-Werken -
Weiterhin interessant BSG Motor Ascota Karl Marx-Stadt, Ascota setzt sich zusammen aus Astra und ????. Und bei Ascota kommen wir zu einem der bekanntesten BSG Sportlern. Ein Jahrhuntertalent im Radsport,welcher immer wieder bei der DDR Meisterschaft Olaf Ludwig, Uwe Raab, Ampler und Co. aber insbesondere dem Verband mit seinen Siegen den dicken Finger gezeigt hat.
Ich meinte Wolfgang Lötzsch
Dann noch eine Anekdote mit einem Exzentriker aus Stralsund. Der unterrichtete Marxismus/Leninismus an der medizinischen Fachschule. War dort offenbar unterfordert und auch einer der erste Läufer. Der war so 83 Gründer der ersten Winterbadergruppe in Stralsund. Winter- oder auch Eisbaden war sehr populär in der DDR und stark gefördert. Meine Mutter und ich auch dabei. Jedenfalls war seine Form des Exhibitionismuses/Protestes, dass er am 1.Mai als einziger Vertreter der Winterbader in dem Großen Zug mit nichts als einer roten Badehose marschierte. Und das waren vielleicht 10 Grad und Nieselregen. Der war bestimmt ne dreiviertelstunde draußen. Winterbaden hat auch null komma nix mit Kälteempfindlichkeit zu tun. Der fing dann auch als einer der ersten von Yoga zu erzählen. Als ich in irgendeinem Anfall von pubertärem Überschwang mal erwähnte, dass ich gerne Karate machen würde, stand der irgendwann vor der Tür und lieh mir ein tschechisches Karatelehrbuch. Da waren einfach nur diese Schrittfolgen drauf. Hab natürlich nix verstanden und auch kein echtes Interesse. Aber der war letztlich so unterfordert, dass er alle Energie darauf verwandt hat sich über alle Kanäle sein Zeug zu besorgen.
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Ich habe in Prag mal Botas-Schuhe gekauft. Es hat aber bis weit nach der Wende gedauert um rauszukriegen was Botas heißt. Schuhe auf tschechisch. Da nennen die Tschechen ihre Schuhe Schuhe. Marketing kann so einfach sein
In Ermangelung von tights, wie man heute sagen würde, also halblangen Pantalons, ist ein Läufer unserer Laufgruppe mit lila Damenunterhosen gelaufen. Die Rüschen waren abgetrennt., aber man wusste es. War auch kein Thema.
Ich glaube am ende hatten alle Läufer tschechische Schuhe, gabs auch ab und an im Laden. Aber war sehr schwer zu bekommen.
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Zitat von »alter Sack«
Ich denke das Thema BSG könnte man noch etwas weiteraufdröseln Es zeigt nämlich wie der Sport auch Exzentrikern im Rahmen des politischen System eine Bleibe unter Gleichgesinnten bot. Um mal interessante Namen in den Raum zu werfen. Im Handball noch die BSG Sirokko Neubrandenburg. Ich dachte bis heute, dass das ein Nahrungsmittelkombinat war. Jetzt lese ich bei Wikipedia, dass die Standheizungen für Ölheizungen gemacht haben. Woher der Name Sirokko kommt bleibt im Dunkeln.
Allein der Name Sirokko-Heizung war mir geläufig, auch das es sich um eine Art Stand-oder Zusatzheizung handelte. Ich habe das immer mit Dauercampern
Im LO-Bus (Robur) und im B1000-Bus waren das die Standheizungen. Scirocco - Wüstenwind - Wärme.
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Im LO-Bus (Robur) und im B1000-Bus waren das die Standheizungen. Scirocco - Wüstenwind - Wärme.
Gabs offenbar auch für W 50. findet man aktuell auch noch bei ebay. Aber ich habe noch so dunkel in Erinnerung, dass die immer irgendwelche Laubenpieper oder Camper haben wollten und ein ständig gesuchter Artikel waren. -
Veritas Wittenberge, Narva Berlin....
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ein herrlich erfrischender thread hier. Macht weiter so!
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Ich habe in Prag mal Botas-Schuhe gekauft. Es hat aber bis weit nach der Wende gedauert um rauszukriegen was Botas heißt. Schuhe auf tschechisch. Da nennen die Tschechen ihre Schuhe Schuhe. Marketing kann so einfach sein.Der ist gut. Du dachtest jahrelang, die bequemen Treter kämen aus Südafrika
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Um bei den Schuhen zu bleiben. Empor spielte definitiv in Adidas. SCM vermutich auch. Aber ob der ASK oder SC Leipzig das auch hatten, weiss ich nicht und wage es auch zu bezweifeln.
Gerade der SC Leipzig machte damals, wie beschrieben, aufgrund von Kader und Ausstattung einen armen Eindruck. Ich dachte, damals, dass die zur Eisenbahn gehörten, wegen Lok Leipzig. War aber nicht so. Kamen ja aus dem DHfK. Wo könnten die ihre Spieler geparkt haben. Das waren ja alles Staatsamateure. Brauchten ja einen Pseudojob. Ich meine, dass Wahl auf der Warnowwerft als Maschinenschlosser "eingeschrieben" war. Beim SCM waren vermutlich alle beim SKET. Wenn die SC Leipzigspieler aus historischer Verbundenheit irgendwo an der Uni einen Verwalungsjob hatten, war das von der Kohle her sicher nicht so interessant.
Auch in Leipzig muss es Mittel und Wege gegeben haben, die Stars besser auszustatten. Peter Hofmann und Mike Fuhrig waren ja wichtige Spieler. Wahrscheinlich wurde da am Auto und der Wohnungsvergabe gedreht.
Die höchsten Gehälter wurden doch in der Schwerindustrie gezahlt, im Bergbau und in der Kohle.
Ich denke, dass war den Handballspielern aus Egogründen schon wichtig. Ich meine die Schuhe, nicht die Kohle.
Bei Vereinen kommt mit die Frage, warum Grubenlampe Zwickau (DDR Liga) so hieß. In Zwickau wurde der Trabant gebaut. Bergbau war doch da schon lange tot. Wikipedia gibt keine Auskunft.
Übrigens gibt es bei den Zugehörigkeiten der BSG (kann man auch Wikipedia nachlesen ) auch durchaus poetische Kreationen. Bei Aktivist (alle Betriebe aus dem Tagebau, Kohle) war das recht naheliegend. Der Urvater aller Aktivisten war ja Adolf Hennecke, ein mythischer Bergarbeiter. Rotation ist da schon pfiffiger (im Handball Rotation Prenzlauer Berg). Das waren die Druckereien. Da muss man schon um die Ecke denken.
Frage an an die SCM Vertreter. Stassfurt firmierte doch unter Fernsehwerke Stassfurt. Welches Modell wurde da produziert? Gab in meiner Erinnerung nur zwei Modelle. Den schwarz-weissen Kofferfernseher (hatten wir) und dann die großen Farbfernseher (Colorant?).
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Im LO-Bus (Robur) und im B1000-Bus waren das die Standheizungen. Scirocco - Wüstenwind - Wärme.
LO-Bus hieß übrigens ausgeschrieben "Lastkraftwagen mit Otto-Motor", also keinen Diesel reintun wie einem Kammeraden von mir bei der NVA passiert (der war dann kurz vor einer Sabbotage Anklage).
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Veritas Wittenberge, Narva Berlin....
NARVA N(Stickstoff)Argon VAkuum. Auch sehr logisch. Das Gasgemisch, was in die Leuchtstoffröhre kommt.
Um noch mal auf die Konsumgüterproduktion zu kommen. Ich meine, sogar auf der Stralsunder Werft gab es eine Abteilung, die Kinderdreiräder herstellte. irgendwas mit Spielzeug. Gab es das auch im SKET? SKET war doch Kranbau und hat Devisen reingebracht, oder? Die Stralsunder Werftschiffe gingen komplett in die SU. Aus heutiger Sicht unfassbar wie die in einem Jahr 35 Fischtrawler rausgekriegt hatten.
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Concordia Wilhelmsruh fällt mir noch ein.
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Es geht hier ja ziemlich wild hin und her. Eigentlich müßtest Du, alter Sack, mal den Titel des Threads nachträglich etwas universeller formulieren. Im SKET wurden Gasherde für den privaten Gebrauch produziert, meine ich. Meine ältere Schwester hat im UTP solche Dinger montiert. Ich selbst habe im MAW in MD-Stadtfeld die Mechanik für Schweiberwischer für LO/W 50 montiert. Nannte sich bei mir nicht mehr UTP, sondern PA.
UTP = Unterrichtstag in der Produktion
PA = Produktionsarbeit -
NARVA N(Stickstoff)Argon VAkuum. Auch sehr logisch. Das Gasgemisch, was in die Leuchtstoffröhre kommt.
Um noch mal auf die Konsumgüterproduktion zu kommen. Ich meine, sogar auf der Stralsunder Werft gab es eine Abteilung, die Kinderdreiräder herstellte. irgendwas mit Spielzeug. Gab es das auch im SKET? SKET war doch Kranbau und hat Devisen reingebracht, oder? Die Stralsunder Werftschiffe gingen komplett in die SU. Aus heutiger Sicht unfassbar wie die in einem Jahr 35 Fischtrawler rausgekriegt hatten.
SKET= Schwermaschinenbau - Kombinat Ernst Thälmann, Spezialist insbesondere für Ausrüstungen und Anlagen der Hüttenindustrie, Hersteller von riesigen Walzstraßen
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Der ist gut. Du dachtest jahrelang, die bequemen Treter kämen aus Südafrika
Als Machteburjer hlp, hättest Du aber auch früher darauf kommen können, schließlich ziehst Du Dir ja auch jeden Tag Deine "Botten" an.
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Es geht hier ja ziemlich wild hin und her. Eigentlich müßtest Du, alter Sack, mal den Titel des Threads nachträglich etwas universeller formulieren. Im SKET wurden Gasherde für den privaten Gebrauch produziert, meine ich. Meine ältere Schwester hat im UTP solche Dinger montiert. Ich selbst habe im MAW in MD-Stadtfeld die Mechanik für Schweiberwischer für LO/W 50 montiert. Nannte sich bei mir nicht mehr UTP, sondern PA.
UTP = Unterrichtstag in der Produktion
PA = ProduktionsarbeitUTP war früher... Den hatten wir im KfL, Kreisbetrieb für Landtechnik...