Guten Abend,
ich muss was erzählen. Denn es belastet mich leider doch ziemlich.
Am letzten Wochenende habe ich drei Spiele geleitet, zwei E Jugend, eins D Jugend.
Im D Jugend Spiel "ging" es noch. Auf der Tribüne saßen Eltern die ihren Kindern Mut gemacht haben einfach mal in den Hals des Gegners zu greifen. Nach einem von mir gegebenem 7-m und (hier: wirklich netterweise) nur gelber Karte in der 5. Spielminute zeige ich wegen offenbar mangelndem Verständnis kurz an das die Abwehrspielerin an den Hals gegangen ist und darauf ertönte aus der Zuschauertribüne lauthals "Macht weiter so, die sollen nicht so heulen!". Das als Sinnbild dieses Spiels. Die Eltern ermunterten die Spielerinnen leider zu immer mehr Fouls und ich habe die Progression leider nicht anständig auf die Kette bekommen, zwar relativ früh mit gelben Karten angefangen, da das Spiel sehr körperlich war, aber viel zu spät auf 2 Minuten hochgegangen (erst 5 Minuten vor Schluss).
Höhepunkt war dann als eine Mutter von der Tribüne geschrien hat ich solle mal die Gegner bestrafen, weil sie ihr Kind verletzt hätten (es war ein unglücklicher Zusammenstoß im Kampf um den Ball am Torraum). Der gegnerische Trainer schrie dann zurück sie brauche sich nicht wundern, sie fordert ja schließlich die ganze Zeit unfaire Fouls. Ich habe zudem mit einem sehr zurückhaltenden Partner gepfiffen, ich musste praktisch das Spiel alleine leiten. Es war kompliziert, weil die Z/S auch neu waren und dementsprechend mal gepennt haben (Tor vergessen, bei Time-out nicht die Zeit angehalten,...).
Ich kann die Gefühle schwer beschreiben, die ich zu dem Zeitpunkt schon hatte. Ich war schon verunsichert.
Die E Jugend Spiele haben aber noch einen drauf gegeben. Im ersten Spiel trat eine praktisch völlig unterlegene Heimmannschaft gegen eine klar favorisierte Gastmannschaft an. Die Gastspielerinnen hatten vielleicht tatsächlich ein wenig Pech mit meiner Unerfahrenheit, in dieser war ich mit manchen Vorkommnissen einfach überfordert. Ich habe aber mit einem anderen Kollegen gepfiffen als oben und bei diesem Partner wusste ich auch er gibt mir Rückenhalt für das was ich tue (so wie ich ihm). Häufig warfen sich die Gäste zu Boden, nach dem sie gefoult wurden. Ich sprach mit den foulenden Spielern, ermahnte sie eindringlich und weiter ging es. Doch von der Tribüne kamen immer wieder und immer mehr unqualifizierte Zwischenrufe. Jedes Foul mehr Elternteile, es war an Lautstärke nicht auszuhalten. Du als Schiedsrichter machst dir dann auch schon während dem Spiel Vorwürfe. Es fielen auch Worte - eigentlich möchte ich sie selbst nicht wiedergeben - wie "W**xer, H****sohn oder B*stard. Ich wollte den Part eigentlich weglassen, aber ich denke es ist wichtig um zu verstehen wie ich mich dabei fühlte. Ich hörte das nämlich alles. Die Heimzuschauer stiegen natürlich mit ein, bis zur Halbzeitpause wurde es unerträglich. Ich bin dann auch nicht auf der Platte geblieben sondern mit meinem Partner in die Kabine gegangen.
Als wir danach wieder drauf kamen, hatten wir das Glück eine sehr erfahrene und nette Sekretärin zu haben. Sie ging (aus wenn es nicht 100%ig ihr Aufgabenbereich ist) zu den Gasteltern und bittete eindringlich um Zurückhaltung. Hat zwar einigermaßen geklappt, jedoch war die Gasttrainerin maximal unentspannt. Sie entwickelte in der ersten Halbzeit offenbar schon eine Hasskappe gegen mich und meinen Kollegen. Nach Wiederanpfiff schrie sie uns regelrecht die Ohren voll. Immer hörte ich ein "Kreis", "Freiwurf", einen "Penalty" oder sonstwas. Dann gab es sogar irgendwann einen Penalty, leider nur für die Heimmannschaft. Die Spielerin prellte an, machte drei Schritte und warf. Tor. Mit dem Tor kurz vor Schluss war das Spiel übrigens gedreht, die Haushohen Favoriten lagen nun mit 16-15 (oder so ähnlich) hinten. Die Trainerin polterte los, die Spielerin hätte nicht prellen dürfen (darf sie, ich habe mir einen Abend vorher extra alle Richtlinien für die E Jugend nochmal durchgelesen). Eigentlich wollte ich sie ignorieren, doch sie hörte einfach nicht auf. Ich gebe ihr also gelb (es reichte!). Sie wollte zwar weiterdiskutieren, war danach aber für den Rest des Spiels still.
Wer aber natürlich nicht? Die Eltern. Nach der gelben Karte ging es nämlich ab, es ging weiter mit den Beleidigungen. Sowas wie Schw*chtel, was mich persönlich besonders trifft, ist auch gefallen. Ich brachte das Spiel unter tösendem Lärm (schlussendlich für die Heimmannschaft, die trotz Unterlegenheit gewann) zu Ende und war eigentlich schon fertig.
Ich nahm mir vor, dass zweite Spiel besser zu machen. Es war an und für sich entspannter, kochte dann an einer Situation allerdings hoch. Der Nr. 11 der Gäste habe ich zwei Mal schon mündlich erklärt, er soll aufhören, von hinten noch zu schubsen oder am Trikot zu ziehen, wenn der Gegner im Wurf ist. Und das auch erst, nachdem er das bereits zwei Mal gemacht hat. Bei der zweiten Ermahnung sage ich ihm dann außerdem, es ist auch die letzte Ermahnung. Irgendwie muss er es ja mal verstehen. Und ich kann auch nicht billigend in Kauf nehmen das andere vielleicht verletzt werden. Dann die Situation direkt neben der Gästebank. Nr. 11 im Zweikampf, Gegenspieler schon vorbei, praktisch frei durch (niemand mehr in Reichweite). Nr. 11 lässt aber das Trikot nicht los und reißt einmal dran, der Gegenspieler fällt hin und stößt sich das Knie. Ich halte die Zeit an und gebe ihm dann die zwei Minuten. Die Eltern brechen wieder aus und schreien nur noch rum, oben genannte Begriffe fallen erneut. Der Gästetrainer reklamiert schreiend sofort, ich solle wohl erstmal mit einer gelben Karte anfangen. Ich versuche ein ruhiges Gespräch zu beginnen, erkläre ihm (ich versuche es zumindest) das ich die Nr. 11 bereits zwei mal ermahnte, aber er verwies lautstark auf die gelbe Karte und zwei Minuten seien völlig übertrieben. Ich hab dann gesagt (ich persönlich war auch einfach genervt von der Situation), ich will nichts mehr von ihm hören. Dann dreht er sich um und sagt "Man kann ja aber wohl erstmal gelb geben". Gebe ihm 2 Minuten" und sage nochmals, ich will nichts mehr hören. Hab ich dann auch nicht mehr.
Ich persönlich grüble immer wieder über dieses Wochenende: was habe ich richtig gemacht, was falsch? Hätte ich anders handeln können, oder gar müssen? Außerdem nimmt es mich einfach mit, wie die Eltern (auch in ihrer Vorbildfunktion) sich Benehmen. Ich bin einfach kaputt und fühle mich leer, ich weiß nicht so recht wohin mit mir.
Liebe Grüße
Neue Suppe 2000 und 11