• Weil die Vereine das Geld dafür nicht bezahlen wollen! Und vielleicht auch, weil man nicht genügend gute Schiedsrichter finden würde, die das Risiko eingehen würden.

    Wenn das wirklich die einzigen Gründe sind, ist das für eine Profiliga ziemlich dürftig. Die HBL macht doch sonst auch ihr eigenes Ding und agiert in vielen Bereichen recht losgelöst vom Verband. Warum versucht man ausgerechnet beim Schiedsrichterwesen nicht einmal etwas wirklich Neues, das im Handball so noch niemand probiert hat?

    In anderen Sportarten ist man da schon weiter: Im Eishockey werben DEB, DEL und DEL2 ganz gezielt aktuelle und ehemalige Spieler für eine Schiedsrichter‑Laufbahn an und testen das sogar in speziellen „Prospect Camps“. In der DEL stehen inzwischen etliche Ex‑Profis als Referees auf dem Eis, etwa Bastian Steingroß oder Lars Brüggemann, der nach seiner Spielerkarriere erst Top‑Schiedsrichter wurde und heute Schiedsrichterchef der Liga ist.

    Vor diesem Hintergrund sehe ich keinen Grund, warum man im Handball nicht versuchen sollte, ehemalige Spieler ganz gezielt für eine professionelle Schiedsrichterlaufbahn zu gewinnen.

  • NBA hat Profi-Schiris, ja. Trotzdem gibt es da mittlerweile Wandertage und das Flopping hat ein Ausmaß angenommen, dass das keinen Spaß mehr macht.

    Eishockey hat Profi-Schiris, aber die Leistungen bei den olympischen Spielen waren jetzt auch nicht so toll.

    Es ist halt schwierig für Schiris durch die hohe Geschwindigkeit heutzutage und dem Willen der Teams, alles zu tun, um sich einen (auch unlauteren) Vorteil zu verschaffen.

    Und es ist ja geradezu ironisch, dass der Videobeweis im Handball das auch noch verstärkt hat statt zu minimieren.

    Ja, das stimmt.

    Wenn Regeln so leicht unlauter ausgenutzt werden können, sollte man in erster Linie über die Regeln diskutieren – und nicht die Schiedsrichter zum Hauptproblem machen. Das gilt im Grunde für alle Sportarten.

    In die gleiche Richtung gehen ja auch Stimmen wie die von Kretzschmar, der die Einführung des Videobeweises zunächst als sinnvoll erachtet hat, jetzt aber, da er fest etabliert ist, eher ein Regel‑ bzw. Anwendungsproblem sieht als ein reines Schiedsrichterproblem.

  • Die Ausgestalltung eines solchen Jobs wäre ja durchaus spannend. Will man dann tägliche Blöcke an Online/Videoschulungen? Wenn es nicht im Angestelltenverhältnis läuft, wie will man dann die Qualitätssteigerung sichern? Wenn im Angestelltenverhältnis, wie dann wieder loswerden, wenn die Leistung nicht überm Strich ist?

    Und das sind ja nur die Basisprobleme. :) Ich finde den Gedanken auf jeden Fall spannend.

    In der DEL gibt es eine kleinere Gruppe von Profischiedsrichtern, die sich ‚zu einhundert Prozent auf den Sport und ihre Aufgabe konzentrieren‘ können, während der Rest weiter semiprofessionell arbeitet. Ex‑Spieler haben diesen Schritt als zweite Karriere bewusst gewählt, was zeigt, dass so ein Modell (im Eishockey) grundsätzlich funktionieren kann.

    Spannend ist auch: Playoff‑Einsätze bekommen dort nur die Schiedsrichter, die über die Saison hinweg entsprechend gut bewertet wurden – Leistungsprinzip ist also fest eingebaut. Könnte ich mir für die HBL durchaus als Blaupause vorstellen, z.B. mit einer kleinen Gruppe Vollprofis plus einem größeren Semi‑Pro‑Kader.


    Es gibt dazu auch eine kleine Doku-Reihe auf YouTube („Leben für die Streifen“), in der DEL‑Schiris bei Vorbereitung, Reisen, Fitness und Spielen begleitet werden:

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  • Die SR in der HBL werden auch nach jedem Spiel bewertet. Es gab auch schon "Abstiege" von SR Paaren. Schade ist, daß diese Bewertungen nie öffentlich werden, hängt aber wahrscheinlich auch dem dem Datenschutz und dem Arbeitsrecht zusammen.

  • Und es ist ja geradezu ironisch, dass der Videobeweis im Handball das auch noch verstärkt hat statt zu minimieren.

    Die massiv gewachsende Schauspielerei haben die Schiris selber verursacht, weil sie es am Bildschirm immer wieder nicht schaffen, normale Gesichtstreffer von harten Schlägen zu unterscheiden.

  • Noch dramatischer finde ich ja, dass nichtmal die Ergebnisse von Blauen Karten immer und überall kommuniziert werden. Ich hatte mal versucht rauszufinden was der Trainer für seine Blaue Karte in einem A Jugendbundesligaspiel bekommen hat.

  • Die SR in der HBL werden auch nach jedem Spiel bewertet. Es gab auch schon "Abstiege" von SR Paaren. Schade ist, daß diese Bewertungen nie öffentlich werden, hängt aber wahrscheinlich auch dem dem Datenschutz und dem Arbeitsrecht zusammen.

    Aber du bestreitest doch nicht, dass es auch andere Kriterien gibt als die Leistung, oder?

  • Das mit dem schneller gewordenden Spiel kann ich übrigens nicht mehr.

    Das Spiel ist in den letzten zweieinhalb Jahren nicht so viel schneller geworden, um damit das völlige Leistungstief der HBL-Schiris und den Höhepunkt an Kritis seitens der Clubs zu erklären!

  • Geändert hat sich die mediale Präsenz und damit einhergehend die Sichtbarkeit von Fehlentscheidungen und die Berichterstattung darüber. Ob die Schiedsrichterleistungen objektiv und messbar in den letzten zwei bis drei Jahren schlechter geworden sind, würde ich so nicht unbedingt bestätigen.

  • Geändert hat sich die mediale Präsenz und damit einhergehend die Sichtbarkeit von Fehlentscheidungen und die Berichterstattung darüber.

    Da kannst du ja dann nur Bild und Sportbild mit meinen.

    Worum drehen sich denn mindestens (!) 80 Prozent der negativen Artikel bzgl. Schiri-Entscheidungen dort?

    Ist ne rhetorische Frage.

    Sich den Videobeweis und Springer gleichzeitig ins Boot zu holen, war im Hinblick auf‘s Schiedsrichterwesen unfassbar dumm. Ich bin sicher, das weiß die HBL heute auch selber ganz genau.

  • Das ist ein sehr komplexer Sachverhalt und hier, also in der Handballecke, auch schon oftmals diskutiert worden.

    Zuallererst einmal, nur weil man „Vollprofis“ als Schiedsrichter hat, heißt das nicht, dass die Regelauslegung einheitlich gehandhabt wird. Wie in allen anderen Sportarten auch, haben die jeweiligen Gespanne unterschiedliche Auffassungen bzgl. der Beurteilung bei Freiwürfen, der progressiven und der 7m-Linie. Und das ist auch gut so, denn mit dieser Spielleitung sind sie dahin gekommen, wo sie jetzt sind und somit auch authentisch.

    Dann will ich auf folgende Punkte eingehen:

    • Ehemalige Profis als Schiedsrichter:

    Die Idee ist ja jetzt nicht so ganz neu und wird auch von Seiten des DHB mal mindestens seit Ende der 2010er Jahre befürwortet. Und hier reden wir ja nicht zwingend über die Top-Class der HBL-Spieler, sondern es können ja auch ehemalige Zweitligaspieler sein. Grundsätzlich ist das über die letzten 5-8 Jahre ein enorm großer Pool an Spielern und was ist dabei rausgekommen? Jens Vortmann, hierzu habe ich nach den Eindrücken die ich bisher gesehen habe, eine eigene Meinung und verstehe das auch lediglich als „Lex Blümel“, aber kann ja jeder sehen, wie er will. Also stelle ich die Frage, warum gibt es so absolut keine Spieler, die sich dafür motivieren können? Auch hierzu habe ich einige Ideen wie z.B. „endlich nicht mehr fremdbestimmt die Wochenenden bestreiten“, „ich lass mich doch nicht so behandeln“ (dafür muss man tatsächlich gemacht sein und das auch lernen), „mein Körper ist echt kaputt, das schaffe ich physisch gar nicht mehr“.

    Anderer Gedanke, zu dem "vorhandenen Potential" ist, dass ja viele HBL-Plätze von Ausländern besetzt sind, die nach der Karriere wieder nach Hause zurückkehren. Das jetzt valide aufzuarbeiten, wieviel Prozent da wegfallen, wäre mal interessant, ist aber natürlich nicht möglich.

    Das sind nur einige meiner Gedanken auf die Schnelle.

    • Kosten:

    Wir haben zu unserer aktiven Zeit zwischen 30 und 35 Spielen in der Saison geleitet und das über alle Ligen (HBL1 und 2, HBF 1 und 2 und 3. Liga) hinweg. Die Spielleitungsentschädigungen waren also ein entsprechender Mix und am Ende nett, aber nach der Steuer doch wirklich überschaubar. Nehmen wir mal an, ein Vollprofi bekommt nur HBL1-Spiele, was gegenwärtig 1.000,- Euro pro Spiel sind und es läuft auf 40 Spiele hinaus, dann sind das zu versteuernde 40.000,- Euro. Oder sollen die Vollprofis eine andere Entschädigung pro Spiel bekommen, als die Semiprofessionellen? Wenn sich der DHB und nicht die HBL, der übrigens die Schiedsrichter ob der Unabhängigkeit von der Liga verantwortet, die Schiedsrichter fest anstellen muss, dann reden wir über welchen Betrag p.a.? 100.000 Euro? Ist das ein Jahreseinkommen, für das man das machen würde? Insofern ist das doch eine einfache Rechnung: 10 Schiedsrichter kosten bei der o.a. Rechnung 400.000 Euro, bei dem vorgeschlagenen Jahressalär ist es 1 Mio zzgl. der Lohnnebenkosten. Das dürfte dem ein oder anderen Verein schon ein bisschen weh tun. Was passiert denn eigentlich, wenn die Profis auf einmal sagen, wir wollen jetzt aber 120.000 Euro haben? Was passiert im Verletzungsfall (im schlimmsten Fall Invalidität) oder einer längeren Krankheit?

    • Stimmung im Schiedsrichterkader:

    Generell kann ich aus der Vergangenheit sagen, dass trotz des sportlichen Wettstreits, die Stimmung innerhalb der des Schiedsrichterwesens immer sehr kollegial gewesen ist. Was passiert denn aber, wenn einige Semiprofessionelle die Sache letztlich dennoch besser umsetzen als die Vollprofis, die sich aber ganz entspannt auf den garantierten Einnahmen, weil Angestelltenverhältnis, ausruhen (nur eine Hypothese, aber durchaus ein menschliches Verhalten)? Wenn die Stimmung innerhalb von einem gewissen Ungerechtigkeitsempfinden gesteuert wird, und Schiedsrichter stehen ja generell für Gerechtigkeit ein, dann wird das eine große Katastrophe.

    • Leistungsbeurteilung:

    Sämtliche Beurteilungen sind subjektiv und insofern gebe ich darauf nicht so viel. Die Ansetzer können es gezielt steuern, welche „ungeliebten“ oder „zu fördernden“ Schiedsrichter zu welchen Vereinen geschickt werden und welche Beobachter ihnen geschickt werden. Insofern können Ergebnisse und das ebenfalls subjektive Empfinden, ob eine Gespann gut oder schlecht ist, ganz gezielt gesteuert werden und die Schiedsrichter können das nicht aktiv beeinflussen. Ist ein Ding, was Rheiner hier sehr oft anspricht und damit auch absolut richtig liegt.


    So, das war jetzt echt viel, aber wenn man mal anfängt, dann ist da echt Dynamik drin. Ich bin wirklich mit Leib und Seele Schiedsrichter, ich habe damals auch intensiv darüber nachgedacht, was wäre, wenn man mich fragen würde. Stand heute, wo ich dieser „Mühle“ nicht mehr angehöre und einen anderen Blick darauf habe, würde ich das definitiv nie machen und auch niemandem empfehlen!!!

    Das Erste, was ein Kind lernt, ist gegen den Ball zu treten! Wenn es intelligent ist, nimmt es ihn später in die Hand !!!

    Die Wissenschaftler haben herausgefunden..... und sind auch wieder reingekommen :)

    Politiker sind wie Windeln, man sollte sie oft wechseln, und aus den gleichen Gründen! (Mark Twain)

  • Profi-Schiris halte ich für eine ganz schlechte Idee.

    Denn dann haben die ja noch mehr Bammel, bestimmte Entscheidungen gegen bestimmte Clubs und Spieler zu treffen, wenn es nicht mehr „nur“ um ihr Hobby, sondern um ihren Beruf geht.

    Guckt doch mal im US-Sport, wie die Schiris da den Stars hinten rein kriechen.

    In Light-Version haben wir das jetzt schon. Auf die Vollversion kann ich sehr gut verzichten.

  • Ich stimme dir im Großen und ganzen zu, möchte aber noch ergänzend fragen, wie lange dauert dann so eine Profi-SR Karriere. Wenns gut geht beginnt sie mit um die dreißig und endet spätestens mit fünfzig. Das sind um die 20 Jahre (wenn es gut geht). Für eine Altersvorsorge reicht das nicht. Was passiert also danach mit den Ex-SR? Arbeitslos? Spielaufsicht? Auf 2 SR kommt eine Spielaufsicht und diese müsste dann ja auch noch dementsprechend vergütet werden.

  • Jetzt mal ehrlich: Profi-Schiris oder nicht ist doch aktuell nicht das Problen. Das war es vor drei Jahren nicht und ist es jetzt nicht!

    Man muss endlich entscheidend (!!!) am Videbeweis arbeiten.

    Und Jutta muss mit ihren Kalde-Wasa-Ansetzungen und ihrem Retourkutschenmist aufhören!

    Das muss man lösen. Und zwar zügig!

  • Da kannst du ja dann nur Bild und Sportbild mit meinen.

    Worum drehen sich denn mindestens (!) 80 Prozent der negativen Artikel bzgl. Schiri-Entscheidungen dort?

    Ist ne rhetorische Frage.

    Sich den Videobeweis und Springer gleichzeitig ins Boot zu holen, war im Hinblick auf‘s Schiedsrichterwesen unfassbar dumm. Ich bin sicher, das weiß die HBL heute auch selber ganz genau.

    Nein, nicht nur Bild und Sportbild. Durch den DYN-Deal sind auch viel mehr content-Schnipsel auf jeglichen socialmedia-Plattformen enthalten.

  • Das ist ein sehr komplexer Sachverhalt und hier, also in der Handballecke, auch schon oftmals diskutiert worden.
    ....

    Sehr guter Beitrag! Danke für deine ausführliche Einordnung.

    Einmal editiert, zuletzt von nozdormu (10. April 2026 um 22:53) aus folgendem Grund: KI unterstützte Passagen gelöscht, da auch Off-Topic

  • Jetzt mal ehrlich: Profi-Schiris oder nicht ist doch aktuell nicht das Problen. Das war es vor drei Jahren nicht und ist es jetzt nicht!

    Man muss endlich entscheidend (!!!) am Videbeweis arbeiten.

    Und Jutta muss mit ihren Kalde-Wasa-Ansetzungen und ihrem Retourkutschenmist aufhören!

    Das muss man lösen. Und zwar zügig!

    Anscheinend fragt auch keiner die Spieler. Hat sich nicht der ‚Noch-Spieler, zukünftige Präsident‘ Niklas Weller in Kreis Ab #445 bei seinen Gedanken zur Weiterentwicklung des Handballs genau in diese Richtung geäußert – Stichwort neue Regelauslegung und Umgang mit dem Videobeweis?